03.08.18 | Aktuelles

Ein Konflikt im Schatten der Anderen

Nothilfe und Wiederaufbau in Kamerun
Menschen auf der Flucht

In Kamerun flüchten tausende Menschen vor den Auseinandersetzungen ins Buschland. (Foto: BMDZ)

Menschen werden getötet, Dörfer abgebrannt, viele Tausende sind auf der Flucht. Neben den großen Krisenherden der Welt, fällt die sich zuspitzende Lage im Südwesten Kameruns fast unter den Radar. Doch für die Menschen vor Ort und die Mitglieder der Presbyterianischen Kirche in Kamerun (PCC) ist sie bittere Realität.

Der Konflikt bricht im Herbst 2016 aus, als Lehrer und Anwälte aus dem anglophonen Teil des Landes auf die Straße gehen, um gegen die zunehmende Verwendung von Französisch im Justiz- und Bildungssystem zu demonstrieren. Die Ursache dieser Proteste reichen jedoch bis in die Kolonialzeit zurück: Nach dem 1. Weltkrieg fiel ein Großteil Kameruns unter französisches Mandat, während ein kleinerer Teil den Briten zufiel. Nach der Unabhängigkeit des frankophonen Gebiets 1960 kam es im darauffolgenden Jahr zur Wiedervereinigung in Form einer Föderation. Seitdem gibt es in Kamerun offiziell zwei Amtssprachen: Englisch und Französisch und auch zwei Bildungs- und Rechtssysteme. Doch viele Englisch sprechende Kamerunerinnen und Kameruner fühlen sich zunehmend benachteiligt und unterdrückt.

Ende 2016 kommen bei Protesten die ersten Menschen ums Leben. In den darauffolgenden Monaten verschärft sich die Situation zunehmend. Separatisten fordern die Unabhängigkeit der anglophonen Westprovinzen, das Militär reagiert mit Härte und Gewalt. Bei Angriffen beider Seiten gibt es immer wieder Tote zu beklagen. Die PCC berichtet von geschlossenen Geschäften, willkürlicher Gewalt und einem lahmgelegten Schulbetrieb. Dörfer werden abgebrannt und geplündert, Menschen wahllos festgenommen oder erschossen. Über 30.000 Menschen sind bereits ins Nachbarland Nigeria geflohen. 310.000 Menschen sind nach Angaben der Vereinten Nationen innerhalb Kameruns in die Wälder und das Buschland geflüchtet.

Neben der anhaltenden Gewalt bereitet vor allem die humanitäre Situation den Hilfsorganisationen und Kirchen vor Ort große Sorge. Sie befürchten eine drastische Zunahme von Krankheiten. Durch den Beginn der Regenzeit ist die Ansteckungsgefahr vor allem für Schwangere und Kinder gestiegen - die Gesundheitsversorgung im Buschland jedoch ungleich schwieriger. Die Basler Mission - Deutscher Zweig und die EMS unterstützen deshalb das Nothilfeprogramm von Mission 21 für Menschen in Kamerun. In Zusammenarbeit mit der Presbyterianischen Kirche in Kamerun erhalten Geflüchtete im ersten Schritt Nahrungsmittel, medizinische Hilfe und Zelte. In einer zweiten Phase soll Wiederaufbauhilfe geleistet werden, um den Menschen wieder ein eigenständiges Leben zu ermöglichen.

Termine

23.02.19 , ejw Stuttgart
Afrika Tag 2019

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