30.04.19 | Aktuelles

Zeit des geistigen Wiederaufbaus?

6. Internationale SiMO-Konsultation in Göttingen und Höxter: Die Auswirkungen der aktuellen politischen und sozialen Entwicklungen im Nahen Osten auf das Zeugnis der Kirchen.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 6. Internationalen SiMO-Konsultation in Göttingen und Höxter (Foto:Gräbe/EMS).

Nach zwanzig Jahren darf man schon mal feiern – und zurückblicken: Seit 1999 bietet die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) evangelischen Theologiestudierenden die Möglichkeit, im Nahen Osten zu studieren. Genauer gesagt: Im Libanon – dem kosmopolitischen und pulsierenden Land am Mittelmeer, das zugleich immer wieder im politischen Blickpunkt steht. Jetzt haben sich rund 50 Vertreter*innen aus Wissenschaft und Kirche zur 6. Internationalen Konsultation des Studiums im Mittleren Osten (SiMO) in Deutschland getroffen. Das Thema: der spirituelle Wiederaufbau Syriens.  

Die Frauen und Männer aus dem Libanon, aus Syrien und Deutschland trafen sich vom 23. bis zum 27. April zunächst am Lehrstuhl für Ökumenische Theologie und Orientalische Kirchen- und Missionsgeschichte in der Universitätsstadt Göttingen. Im Mittelpunkt standen der Austausch zur Situationen der Christ*innen in Nahost und in Deutschland, aber auch Überlegungen zu den Herausforderungen im Miteinander. Dabei stellte Ralf Meister, Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, die gegenwärtigen Problemlagen in Deutschland und dem Nahen Osten dar und versuchte, Lösungsansätze zu formulieren, indem er an die Frömmigkeit der Christinnen und Christen appellierte.  

Dem Anlass angemessen wurde die Konferenz im koptischen Kloster in Höxter- Brenkhausen fortgesetzt. Die Teilnehmenden wurden von Bischof Anba Damian, Diözesanbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Norddeutschland begrüßt und beherbergt. Dieser war bis zu seiner Entscheidung 1991, Mönch zu werden, Radiologe am Klinikum Ludwigsburg und Oberarzt im Krankenhaus Mühlacker.  

Die Situation für die Christen in der Region bleibt herausfordernd. Dr. George Sabra, der Präsident der Near Eastern School of Theology (NEST) in Beirut, machte deutlich, wie viele Christ*innen aufgrund der Ereignisse die Länder verließen. Empathisch forderte er in diesem Kontext: “We want to get a role in the discussion about the battle of the soul of Islam.”  

Unter der Überschrift „Ist der Nachbar zum Feind geworden?“ berichtete Pater Jihad Nassif (Syrien) eindrucksvoll von dem von Misstrauen geprägten täglichen Miteinander. Die Studierenden der NEST wiesen jedoch auch auf einen Aspekt hin, der gerade durch die schwierige Situation erst greifbar wurde: Das Miteinander der christlichen Konfessionen sei enger geworden. „War made us one family,“ beschrieb es ein Student.  

Bei einem Grußwort betonte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, die Bedeutung der Ökumene und sprach seine Solidarität mit den Christen und Christinnen im Nahen Osten aus.  

Im Anschluss an die Konferenz lud Oberkirchenrat Detlev Knoche, Leiter des „Zentrums Ökumene“ der beiden hessischen EMS-Mitgliedskirchen, die Delegation aus dem Nahen Osten noch nach Frankfurt ein. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) entsendet bereits seit vielen Jahren Pfarrerinnen und Pfarrer zur Fortbildung an die NEST. So konnte nun noch einmal bei einer Stadtführung und einem festlichen Abendessen das Wiedersehen und das Jubiläum gefeiert werden, bevor die Freundinnen und Freunde aus Nahost am 28. April müde, aber zufrieden, wieder das Flugzeug nach Beirut bestiegen.

Rebekka Scheler / Jörg Conzelmann / Uwe Gräbe   

Termine

28.09.19 , Ev. Akademie Bad Boll
Indien-Tagung Bad Boll

Die wahre Geschichte unserer Völker: Sprache - Widerstand - Perspektiven im internationalen Jahr (2019) für indigene Sprachen  mehr

15.10.19 , Schloss Unteröwisheim, Kraichtal
BMDZ Besinnungstage

Tage der Besinnung für alle, die sich für Mission und Ökumene einsetzen und interessieren mehr