09.01.17 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Pfarrerin LIM Bora aus Südkorea, die sich für die Rechte von sexuellen Minderheiten engagiert
Pfarrerin LIM Bora setzt sich in Korea für sexuelle Minderheiten ein

Die koreanische Pfarrerin LIM Bora setzt sich für sexuelle Minderheiten ein. (Foto: privat)

LIM Bora leitet die Hyanglin Seomdol-Gemeinde, übersetzt Stolperstein-Gemeinde, in Seoul. Seit 2007 engagiert sie sich für die Rechte von sexuellen Minderheiten. Und stellt sich damit auch konservativen Christen entgegen.

Frau LIM, Ihre Gemeinde ist offen für sexuelle Minderheiten, was ist bei Ihnen so besonders?

Unsere Gemeinde hat etwa 70 Gottesdienstbesucherinnen und -besucher. Rund ein Viertel von ihnen sind Lesben, Schwule, Bi-Sexuelle, Transgender (LGBT) oder deren Angehörige. Ich engagiere mich seit 2007 für die Rechte von sexuellen Minderheiten, als konservative christliche Gruppen massiv gegen ein Anti-Dikriminierungsgesetz vorgingen. Ich wollte ein Gegengewicht zu diesen Christen bilden und zeigen, dass nicht alle so sind. Zurzeit engagiere ich mich in einem Bündnis christlicher und ziviler Gruppen, wir arbeiten an einer Aufklärungskampagne.

Wo sehen Sie die dringendsten Handlungsfelder, um die Situation sexueller Minderheiten in Korea zu verbessern?

Interesse für, Wissen über und die Akzeptanz von sexuellen Minderheiten sind stark gestiegen in den letzten 20 Jahren. Trotzdem braucht es immer noch viel Aufklärungsarbeit. Wohlwollendes Desinteresse ist nicht genug. Für viele Menschen sind immer noch alle sexuellen Minderheiten schwul und alle Schwulen HIV-positiv. Die diffuse Angst vor einer Ansteckung ist die Wurzel der Homophobie.
In Südkorea gibt es eine vom Vorbild US amerikanischer Evangelikaler geprägte "Ex-Gay Bewegung", die die Heilung sexueller Minderheiten durch Konversions- beziehungsweise Reparativtherapie anstrebt. In der Kyungki-Provinz unweit von Seoul gibt es ein Behandlungszentrum, in das Betroffene oft von ihren christlichen Eltern geschickt werden. Die Therapie ist so schmerzhaft wie sinnlos. Dennoch kommt es immer wieder zu sogenannten Erfolgsgeschichten. "Geheilte" sexuelle Minderheiten schwärmen von der Macht des Heiligen Geistes, die in ihnen wirkt.

Was wünschen Sie sich von den koreanischen Kirchen?

In den USA und Kanada gibt es sogenannte "bejahende Kirchen", die ausdrücklich offen für sexuelle Minderheiten sind. In Korea sind wir noch sehr weit davon entfernt. Eines der wenigen Beispiele ist die Rodem Namu (Gingster) Kirche. Die Gemeinde besteht seit 1996 und trifft sich am Samstagabend, da ihre Mitglieder zu großen Teilen (ungeoutet) sonntags "normale" Kirchen besuchen.
Die koreanischen Kirchen stehen fast alle vor dem Problem sinkender Mitgliederzahlen. Auch die Presbyterianische Kirche in der Republik Korea (PROK) ist aus Angst, Mitglieder zu verlieren, nicht bereit, im Bereich Menschenrechte sexueller Minderheiten die Vorreiterrolle einzunehmen. Obwohl sie sich dieser sonst so gern rühmt. Dabei könnte und würde ein offenes Eintreten für die Rechte sexueller Minderheiten das Profil der PROK stärken und hatte möglicherweise sogar das Potential, Mitgliederzahlen zu stabilisieren. Sehr viele LGBT-Christinnen und -Christen sind verletzt und zutiefst enttäuscht von den Kirchen, nicht wenige sind auf der Suche nach einer Gemeinde, die sie willkommen heißt.

Das Interview führte Karina Schumacher.

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