10.10.16 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Pfarrer Bernd Rampmeier, der sechs Monate lang eine Nord-Süd-Freiwillige der EMS begleitet hat
Zeitung berichtet über Süd-Nord-Freiwillige der EMS

Auch die Lokalzeitung hat über die Freiwillige aus Indonesien und ihren Einsatz in Deutschland berichtet. (Foto: Fränkische Nachrichten)

Anfang 2016 begleitete Pfarrer Bernd Rampmeier die indonesische Freiwillige Yisnia Karrang als Mentor während ihrer Zeit in Deutschland. Yisnia leistete ihren Freiwilligendienst in den Kindergärten der Gemeinden Neunkirchen und Althausen und lebte bei zwei Gastfamilien.

Herr Rampmeier, wie haben Sie Ihre Rolle als Yisnias Mentor verstanden und ausgeübt?

In meiner Zeit als Pastor in Chile hatte ich deutsche Freiwillige. Wir haben uns damals eng abgestimmt und die Arbeit in der Gemeinde vorbereitet. Dies war mit Yisnia nicht nötig, da sie ihr Hauptarbeitsfeld im Kindergarten hatte. Dennoch war es immer wieder notwendig, Termine zwischen den Arbeitsfeldern Kindergarten und Kirchengemeinde zu koordinieren. Dazu kamen auch Unternehmungen mit den Gastfamilien, Einladungen aus der Gemeinde und von außerhalb. Dabei ist es wichtig, dass man eng mit den Gastfamilien zusammenarbeitet und sich immer gut abspricht, so dass nichts schief läuft - und unter Umständen muss man die Freiwillige auch mal in Schutz nehmen und unterscheiden helfen, was wichtig und weniger wichtig ist, damit das Programm nicht zu belastend wird. In diesem Zusammenhang war es mir auch wichtig, dass es Yisnia hier bei uns gut geht und Schwierigkeiten, soweit sie aufgetreten sind, frühzeitig erkannt und aus dem Weg geräumt wurden. Dabei haben die Gastfamilien sehr geholfen.

Pfarrer Bernd Rampmeier begleitete die indonesische Freiwillige Yisnia Karrang als Mentor
Mentor Pfarrer Bernd Rampmeier (Foto: privat)

Was war bereichernd, was empfanden Sie als herausfordernd in der Begleitung eines jungen Menschen mit einem anderen kulturellen Hintergrund?

In erster Linie ist es interessant, das eigene Land mit den Augen eines Menschen aus einem anderen Land neu sehen zu lernen. Wir alle in der Gemeinde kannten bis dahin Indonesien als Land nicht wirklich. Es ist schön zu sehen, wie Menschen aus der Gemeinde sich plötzlich für ein so weit entfernt liegendes Land interessieren. In ihrem Vortrag hat Yisnia das Land sehr gut in seiner Weite und kulturellen Vielfalt dargestellt. Und wir haben erfahren, dass es in Deutschland lebende Indonesier gibt, die die Liebe zu ihrem Land nie verloren haben.

Eine große Herausforderung ist natürlich die Sprachbarriere - wenn zwei Menschen miteinander in einer Sprache (Englisch) kommunizieren, die nicht ihre Muttersprache ist, bleiben auch manchmal Missverständnisse nicht aus. Darüber hinaus war es vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Kulturen für mich als Mann auch nicht ganz einfach eine junge Frau aus Indonesien zu begleiten. Das hatte ich vorher nicht bedacht. Ich war stets bemüht, ihr nicht zu nahe zu treten.

Welchen Tipp möchten Sie zukünftigen Mentoren mit auf den Weg geben?

Klären Sie auf jeden Fall im Vorfeld, über wen die Terminplanung geht, damit es nicht zu Doppelungen kommt, die dann für alle Beteiligten unangenehm sind. Überlegen Sie rechtzeitig, wer als Mentor oder Mentorin in Frage kommt: ein Mann, eine Frau und mit welchem Alter.

Der Kontakt zu den zuständigen Mitarbeitenden bei der EMS war sehr hilfreich und hat in schwierigen Situationen weitergeholfen. Auch das Vorbereitungstreffen im Januar war nützlich und informativ und ein guter Einstieg in eine doch auch sehr intensive Zeit mit der Freiwilligen.

Es ist wichtig mit allen Beteiligten - Kindergarten, Gastfamilie, Freiwillige - in einem regelmäßigen Austausch zu stehen und immer wieder mal nachzufragen: Wie läuft's? Bei der Termingestaltung sollte den Freiwilligen ausreichend Zeit bleiben für eigene Interessen, wie zum Beispiel ein Besuch in der Asylbewerberunterkunft oder Hospitation in einer Schule. Wichtig war für mich am Anfang des Aufenthalts auch eine Gefahrenabschätzung zusammen mit der Freiwilligen. Zum Beispiel habe ich Yisnia in die Asylbewerberunterkunft begleitet.

Die Freude und Offenheit, mit der wir den jungen Menschen begegnen, die zu uns kommen, sind Türöffner und helfen den Freiwilligen schnell, sich bei uns wohl zu fühlen. Achten Sie darauf, dass die jungen Menschen, die oft aus einem vom christlichen Glauben stark geprägten Gemeindeumfeld kommen, eine geistliche Heimat finden - im Gottesdienstbesuch, in einem Haus- oder Bibelkreis.

Das Interview führte Annika Hilton-Ganter.

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23.02.18 , Hospitalhof Stuttgart
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