14.08.15 | Aktuelles, Pressemeldungen

Indonesien 70 Jahre nach der Unabhängigkeit: ein Schwellenland mit Gegensätzen

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Am 17. August dieses Jahres begeht Indonesien die Feierlichkeiten seiner siebzigjährigen Unabhängigkeit. Noch unter japanischer Besetzung wurde am 17. August 1945 in Indonesien die Unabhängigkeit von den Niederlanden proklamiert, die die Kolonialmacht allerdings erst nach vierjährigem Kampf 1949 anerkannte. Die Festlichkeiten zur Unabhängigkeit werden mit Paraden, nationalen Wettkämpfen und Flaggenzeremonien begangen.

Heute ist Indonesien nach Indien und China die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt und könnte bis 2030 zur siebtgrößten Weltwirtschaftsmacht aufsteigen. Diese rasante Entwicklung hat die Lebensqualität und die Grundversorgung über die Jahre verbessert, sie hat aber auch ihre Schattenseiten. Die Bevölkerung leidet zunehmend unter Umweltproblemen. Die Vergiftung des Bodens durch hohe Müllberge und der Klimawandel in Folge von Waldrodungen treffen vor allem die Ärmsten. Indonesien ist der größte Palmölproduzent der Welt. Bereits eine Regenwaldfläche in Größe der Niederlande wurde für diesen Anbau abgeholzt. Die ungleiche Verteilung der Profite aus diesen und anderen natürlichen Ressourcen des riesigen Landes führt außerdem immer wieder zu Spannungen in östlichen Regionen des Inselreichs.

Die Einwohner Indonesiens sind von unterschiedlichen ethnischen und religiösen Identitäten geprägt. In dem bevölkerungsmäßig größten muslimischen Land der Welt leben neben 87,2 % Muslimen auch 9,9 % Christen und als weitere religiöse Minderheiten Hindus, Buddhisten und Taoisten. Die Einheit des Landes mit über 300 Ethnien und 700 Sprachen wird von der Pancasila getragen, der Grundordnung des Staates, in der die Gründerväter fünf Säulen des Zusammenlebens aufstellten. Dazu zählen die demokratische Verfassung des Landes und die Anerkennung religiöser Vielfalt. Diese Säulen werden in jüngster Zeit von muslimischen Fundamentalisten in Frage gestellt, die Indonesien in einen islamischen Staat umwandeln wollen. Die Wahl des Reformers Joko Widodo zum Präsidenten im Herbst 2014, der für die Fortsetzung des demokratischen Transformationsprozess nach dem Sturz des Diktators Suharto und für einen säkularen Staat steht, zeigt jedoch, dass die große Mehrheit der Indonesier nicht von der Pancasila abrücken will.

Im Fokus der UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals), der Post-2015 Entwicklungsagenda, liegen insbesondere der Umweltschutz und die Reduktion von Armut. Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) leistet durch die Projekte ihrer neun indonesischen Mitgliedskirchen beispielsweise im Müllrecycling auf Bali, in der Förderung des christlich-muslimischen Dialogs und in der landwirtschaftlichen Entwicklung ihren Beitrag zu den Entwicklungszielen und zum Abbau gesellschaftlicher Spannungen in Indonesien.

Fragen zu aktuellen landeskundlichen Themen wie Interreligiöser Dialog und Umweltschutz sowie zu den Projekten der indonesischen EMS-Mitgliedskirchen kann Ihnen der EMS-Verbindungsreferent für Indonesien Hans Heinrich beantworten.

Hans Heinrich studierte Geographie und Ethnologie an der Ruprecht-Karls-Universität in Heidelberg. Er arbeitete sechs Jahre als Landwirtschaftsberater und zwei Jahre als Organisations- und Projektberater in Südsulawesi/Indonesien, und elf Jahre als Landeskirchlicher Beauftragter für den Kirchlichen Entwicklungs-dienst in der Evangelischen Landeskirche in Baden. Seit 2009 ist er Fachbereichsleiter Indonesien bei der EMS.

Pressekontakt:
Regina Karasch-Böttcher karasch@ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 85, +49 178 62 000 52

Auskunft:
Hans Heinrich, Verbindungsreferent Indonesien, heinrich@ems-online.org, Tel.: +49 711 636 78 -36

Termine

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