16.11.15 | Aktuelles, Unterwegs erlebt

Unterwegs erlebt...

Redakteurin Corinna Waltz ist am Samstagabend in Beirut gelandet und berichtet von ihren ersten Eindrücken im Libanon

Das Haus von Beirut erinnert an ein dunkles Kapitel in der Geschichte des Landes, den Bürgerkrieg. In der restaurierten Ruine entsteht ein Museum. (Foto: EMS/Waltz)

"Es ist wie das Leben neben einem Vulkan, du weißt nie, wann er ausbricht", mit diesen Worten hatte mir Habib Badr, stellvertretender Vorsitzender der EMS, den Libanon bei einem unserer ersten Treffen beschrieben. Nach meinem ersten Tag in Beirut fange ich an, zu verstehen, was er damit gemeint hat. Nach den Anschlägen in Beirut am vergangenen Donnerstag und denen in Paris am Freitag bin ich mit einem mulmigen Gefühl in Frankfurt ins Flugzeug gestiegen. "Fliegst du wirklich?", hatte mich meine Familie zuvor noch am Telefon gefragt. Meine Kollegen haben mich beruhigt und mir versichert, dass die Reise nach Beirut dennoch möglich sei. Also bin ich ins Flugzeug gestiegen.

Bei meiner Ankunft am Abend wirkt alles "normal". Die vielen Sicherheitskräfte mit Maschinengewehren sind hier Standard, wird mir versichert. Bei Tageslicht am nächsten Morgen stelle ich fest: Ja, die Soldaten, Militärfahrzeuge und Straßensperren gehören hier zum Stadtbild. Auch vor der Kirche von Habib Badrs Gemeinde, der Nationalen Evangelischen Kirche von Beirut, steht ein Militärtruck mit Soldaten. Für mich ein beunruhigender Anblick, für Habib Badr hingegen ein gutes Zeichen. "Ich wäre beunruhigt, wenn sie nicht da wären", erklärt mir der leitende Pfarrer der Kirche. "Seitdem der Fundamentalismus zugenommen hat, sind die Soldaten zu unserem Schutz abgestellt, ebenso wie vor anderen Gotteshäusern." Einen Anschlag habe es bisher nicht gegeben. Insh'allah – so Gott will – bleibt das auch so.

Ein Ausspruch, der mir hier schon öfter begegnet ist. So Gott will, treffen wir uns morgen. So Gott will, hält der Frieden an und der Vulkan bricht nicht erneut aus. Die Spuren des Bürgerkriegs, der von 1975 bis 1990 im Libanon wütete, sind noch immer zu sehen. Neben neuen Hochhäusern stehen mit Einschusslöchern übersäte Ruinen. Eines dieser Häuser soll jedoch keinem neuen weichen: das "Haus von Beirut". Hier wurde die Ruine saniert, halb weggebrochene Mauern und fehlende Fenster durch neue Wände und Glasfronten ersetzt. Es soll ein Ort des Erinnerns werden. Denn die Versöhnungsarbeit ist noch lange nicht abgeschlossen, erklärt mir Habib Badr, als wir an dem Haus vorbeifahren. Insh'allah, so Gott will, geht dieser Prozess weiter.

Termine

13.10.18 , Tagungsstätte, Vogelsangstr. 66a, 70197 Stuttgart
Indien-Partnerschaftsseminar

Tanz und Kultur: Ausdruck indischer Identität und christlicher Spiritualität  mehr