18.04.16 | Aktuelles, Unterwegs erlebt

Unterwegs erlebt

RHEE Kwon Ho, Bildungsreferent der EMS, berichtet über die allgegenwärtige Gefahr von religiösen Konflikten in Indien und die Hoffnung auf Frieden
Kreuz, Hilal mit fünfzackigem Stern und Om

Das Symbol der drei großen Religionen vereint auf einem Rettungswagen gibt RHEE Kwon Ho Hoffnung. (Foto: EMS/RHEE)

"Hast du gestern den Polizeiwagen gesehen, der während des Gottesdienstes vor der Kirche Wache stand?" Ich wunderte mich, als mir meine Englischlehrerin, eine ältere, nette, aber charakterstarke Inderin, in unserem Einzelunterricht diese Frage stellte. Nein, das hatte ich nicht bemerkt. Alles, was ich am Sonntag zuvor in der St. Mark Church in Bangalore erlebt hatte, erschien mir vertraut und friedlich, so dass ich mich fast wie zu Hause gefühlt hatte. Im Gottesdienst und beim anschließenden Empfang habe ich auf den Gesichtern der circa zweihundert Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer keine Spur der Anspannung oder Angst gesehen. Doch meine Englischlehrerin klärte mich auf: "Hier existiert immer noch die Gefahr, das unerwartet religiöse Konflikte ausbrechen und wir angegriffen werden." Und am darauffolgenden Sonntag bemerkte auch ich das Polizeiauto, in dem drei Polizeioffiziere saßen.

Bangalore ist eine sehr moderne und durch ihre IT-Industrie international bekannte Stadt. Doch in diesem Moment realisierte ich, dass die Lage des Christentums dort weiterhin schwierig ist. 2015 soll es in Indien nach offiziellen Angaben 365 Angriffe auf Christen gegeben haben. Neun Christen (acht Pfarrer und ein Laie) wurden aufgrund ihres Glaubens ermordet und mindestens 23 Kirchen angegriffen und beschädigt.

Noch während meines Aufenthalts Anfang Januar wurde ein indischer Pfarrer in der Region Uttar Pradesh von einer Gruppe Hindus in der Öffentlichkeit angegriffen, weil zuvor ein Hindu angeblich zum Christentum konvertiert sei. Sie rasierten seine Haare und seinen Bart auf der rechten Seite seines Kopfes und zwangen ihn, auf einem Esel im Dorf herumzureiten.

Auf meine Frage an den Bischof einer CSI-Diözese des "Karnataka Center", was die wichtigste Aufgabe seiner Arbeit sei, antwortete er mir: "Einheit!". Dadurch drückte er aus, wie wichtig die solidarischen Beziehungen und Kooperationen zu den anderen Kirchen in Indien für ihn sind. Ich hakte nach: "Warum die Einheit?" Darauf erwiderte er mit leiser Stimme: "Um zu überleben."

Während eines Sparziergangs durch Bangalore sah ich auf einem Rettungswagen ein sehr interessantes Logo. Es vereinte die Symbole der drei Religionen, dem Christentum, dem Islam und dem Hinduismus: Kreuz, Hilal mit fünfzackigem Stern und "Om", die heilige Silbe für Hindus.

Dieses Bild schien mir ein Versprechen zu geben: Die drei Religionen versuchen, miteinander in einer harmonischen und kooperativen Beziehung zu stehen und gemeinsam den Hilfsbedürftigen zu dienen, egal welcher Religion diese angehören. In meinen Augen ist das ein ermutigendes Signal für uns alle, die auf der langen Suche nach einem Leben in Gerechtigkeit und Frieden sind.

RHEE Kwon Ho

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