18.05.16 | Aktuelles

"Die Reformation ist ein fortlaufender Prozess"

Der Theologe CHUL Chun sieht das Reformationsjubiläum als Zeichen der Solidarität zwischen Christinnen und Christen

Bereits Ende November 2015 nahm CHUL Chun (rechts außen) am ersten Teil der Twin-Konsultation in Brasilien teil. (Foto: EMS/Edwards-Raudonat)

Schnell, schneller, am schnellsten. CHUL Chun, Professor der systematischen Theologie an der Hanshin Universität in Südkorea, erledigt seine Arbeit nicht nur, er erledigt sie pünktlich. Er ist zwei Schritte vor der Deadline fertig. Anders gesagt: Mit ihm zu arbeiten macht Freude, denn CHUL ist ein Mann, der die Erwartungen übertrifft. Das macht ihn zu einem perfekten EMS-Delegierten für den zweiten Teil der Twin-Konsultation in Halle, die vom 18.-22. Mai stattfindet. Die Konferenz, die vom Evangelischen Missionswerk in Deutschland und Brot für die Welt gefördert wird, steht unter dem Motto "Reformation - Bildung - Transformation". Sie ist ein internationaler, interkultureller und ökumenischer Beitrag zur Entwicklung des Themas "Reformation und die Eine Welt".

CHUL Chun (Foto: EMS/privat)

Die Reformation? Für CHUL alles andere als ein abstrakter Begriff aus alten Zeiten: "In der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea (PROK) verwenden wir die historisch-kritische Methode, um die Bibel zu verstehen. Diese Methode basiert auf den lutherischen und reformierten Strängen der Reformationstheologie." Sie könne bis hin zu Luthers Grundsätzen zurückverfolgt werden, der sein Bibelverständnis aus der Perspektive "was Christum treibet" gezogen habe, führt CHUL weiter aus. Schon als sich die PROK 1953 gründete, sei sie von anderen südkoreanischen Kirchen aufgrund dieser Herangehensweise als ketzerisch bezeichnet worden. "Ihre Position ist sehr oft von den Lehren evangelikal ausgerichteter Missionarinnen und Missionare aus den Vereinigten Staaten von Amerika geprägt, die ihrerseits die Erkenntnisse der Reformation wenig schätzen. Aber für uns in der PROK ist diese Lehre auch heute noch so befreiend wie damals, da es uns beim Lesen der Bibel von der Bürde des Realismus befreit", erklärt der Theologe.

Ein weiterer wichtiger Grundsatz für CHUL ist das der andauernden Reformation. Für ihn ist "die Reformation ein fortlaufender Prozess ohne Ende." In diesem Zusammenhang weist er auf den dominierenden Einfluss von Geld und Macht in der südkoreanischen Gesellschaft hin. "Es ist auffällig, dass die südkoreanischen Kirchen viel weniger kritisch sind als andere Gruppierungen in unserer Zivilgesellschaft", sagt der Südkoreaner. "Sie sollten eher an vorderster Front stehen, um soziale Reformen einzufordern. Es ist an der Zeit, dass sie sich fragen, warum das so ist." Im Hinblick auf die bevorstehende Twin-Konsultation in Halle hofft CHUL, dass er neue Ideen und Eindrücke mitnehmen kann, die den Horizont der koreanischen Kirchen erweitern - vor allem bei den Vorbereitungen zum 500-jährigen Reformationsjubiläum 2017. "Wir sollten dieses Jubiläum als einen Ausdruck der Solidarität mit Christinnen und Christen sehen, die an Orten wie Nordnigeria oder dem Nahen Osten leben. Auch sie wissen um die befreiende Erfahrung der Reformation. Doch aufgrund der Verfolgung durch Terrorgruppen wie Boko Haram und dem Islamischen Staat ist Freiheit für sie ein abstrakter Begriff und nicht die Realität."

Riley Edwards-Raudonat

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