12.06.17 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Den Südkoreaner MOON Myungjin, der 2010 ins Gefängnis kam, weil er den Kriegsdienst verweigerte
MOON Myungjin

MOON Myungjin engagiert sich in Südkorea für die Friedensbewegung. (Foto: EMS/Heiligers)

Sobald sie 18 Jahre alt sind, müssen alle Männer in Südkorea zum Wehrdienst. Seit 1945 haben etwa 20.000 von ihnen den Kriegsdienst verweigert. Einer von ihnen ist MOON Myungjin. Im Interview erklärt er, warum er nicht ins Militär wollte und welche Konsequenzen das für ihn hatte.

Warum haben Sie sich entschieden, nicht zum Militär zu gehen und ein Kriegsdienstverweigerer zu werden?

Es gab für mich nicht den einen Moment, in dem ich entschieden habe, den Kriegsdienst zu verweigern. Es war eher ein Prozess, in dem ich darüber nachdachte, was Frieden bedeutet und was man von mir im Militär erwartet. Aber während meines Studiums 2003 machte ich eine Erfahrung, die vielleicht ein Ausgangspunkt war. Damals brach der von den USA geführte Irakkrieg aus und ich nahm an Demonstrationen gegen die Entscheidung der südkoreanischen Regierung teil, Truppen in den Irak zu senden. Davor habe ich eigentlich immer geglaubt, was der Staat uns sagte, und es war für mich sehr überraschend zu sehen, wie die Polizei hart gegen die eigene Bevölkerung vorging, anstatt sie zu schützen. Nach dieser Erfahrung beteiligte ich mich immer stärker an der Friedensbewegung. Man sagt, dass die Armee dazu da ist, die eigenen Leute vor dem Feind zu schützen, aber ich habe erlebt, dass auch ich der Feind sein könnte, wenn ich den Autoritäten nicht zustimme. Das war also der Anfang, der mich 2010 zu meiner Kriegsdienstverweigerung führte.

Was passierte, nachdem Sie Ihre Kriegsdienstverweigerung ausgesprochen haben?

Schaut man sich die Zahlen im Gefängnis an, kann man sagen, dass etwa zwei Männer am Tag ihren Kriegsdienst verweigern. Am Tag meiner Einberufung 2010 habe ich zusammen mit "World Without War" eine Pressekonferenz abgehalten. Danach haben die Polizei und die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen aufgenommen. Nach etwa drei bis vier Monaten musste ich dann ins Gefängnis.

In unserer Bewegung teilen wir uns manchmal aus Spaß in erste, zweite und dritte Generationen von Kriegsdienstverweigerern ein. Ich gehöre wohl der zweiten Generation an. Als ich die Erlebnisse aus den Gefängnissen der Kriegsdienstverweigerer der ersten Generation hörte, war das für mich sehr hart. Deshalb habe ich mich darauf vorbereitet, was ich anderen Gefangenen antworten könnte. Man muss wissen, dass in der Vergangenheit die meisten südkoreanischen Kriegsdienstverweigerer Zeugen Jehovas waren. Auch heute machen sie noch einen großen Anteil aus. Doch als ich im Gefängnis war, haben sich die anderen nicht für mich interessiert, denn sie wussten schon, dass es auch Kriegsdienstverweigerer gibt, die nicht den Zeugen Jehovas angehören. Deshalb haben sie mich wie einen ganz normalen Gefangenen behandelt.

Trotzdem war die Zeit im Gefängnis für mich sehr schwer. Nach meiner Entlassung hat mich vor allem die Vorstellung heimgesucht, wie gehorsam ich im Gefängnis gegenüber den Wächtern gewesen war. Es ist irgendwie ironisch, wenn man sich weigert, ein gehorsamer Soldat zu sein, aber im Gefängnis gegenüber den Wächtern gehorsam ist, um eine vorzeitige Haftentlassung zu bekommen. Ich habe mich damals sehr hilflos gefühlt und die Situation war für mich sehr emotional.

Heute sind Sie vorbestraft. Wie wirkt sich das auf Ihr Leben aus? Hat sich die Haltung gegenüber Kriegsdienstverweigerern in Südkorea geändert?

Unter den Kriegsdienstverweigerern gehöre ich zu den glücklichen Fällen: Ich wollte keinen normalen Beruf ergreifen, sondern mich in der Bürgerrechtsbewegung engagieren. Deshalb gab es keine Probleme mit meinem Strafregister. Eher im Gegenteil, manchmal macht mich meine Vorbestrafung eher zu einer kleinen Berühmtheit. Doch wenn man sich auf einen normalen Job bewirbt, hat man große Schwierigkeiten. Auch wenn du den ganzen Bewerbungsprozess schon überstanden hast und die Firma dich haben möchte - am Ende checken sie dein Strafregister und lassen dich wieder fallen.

In mancherlei Hinsicht sehe ich eine Veränderung in der koreanischen Gesellschaft, in anderer aber auch nicht. 2007 hat die Regierung verkündet, dass sie einen Wehrersatzdienst einführen möchte. Doch ein Jahr später hat die konservative Partei die Macht übernommen und die Pläne unter Berufung auf Umfragen wieder zurückgenommen. Immerhin fällt heutzutage in den Nachrichten wenigstens der Begriff Kriegsdienstverweigerung - vor zehn Jahren war das noch nicht der Fall.

Das Interview führte Elisa Heiligers.

Termine

23.09.17 , Das Offene Haus, Evangelisches Forum Darmstadt, Rheinstraße 31, 64283 Darmstadt
Südafrika-Seminar 2017

Warum die Haube? - Geistliche und kulturelle Besonderheiten der Herrnhuter Brüdergemeine in Südafrika mehr

29.09.17 , Bad Boll
Indien-Tagung Bad Boll- The changing face of India

The changing face of India  mehr