02.10.17 | Aktuelles, Projekt des Monats

Berührungen, die Heilen

Das Projekt des Monats Oktober kommt aus Indonesien
Krankenschwester Hermias im Büro des Krankenhauses der Mamasa Kirche.

Wenn sie sich nicht um Patientinnen und Patienten kümmert, gehört Büroarbeit auch zu den vielen Aufgaben von Krankenschwester Hermias. (Foto: EMS/Waltz)

Krankenschwester Hermias hat in ihrem Leben schon viel Leid gesehen. Doch als sie in ein abgelegenes Dorf im Hochland Mamasas kommt, traut sie ihren Augen nicht. Am Rande des Dorfes findet sie in einem Bretterverschlag einen einsamen Mann mit einem Loch im Rücken. Sein Gesundheitszustand ist sehr schlecht. "Als ich ihn gesehen habe, konnte ich nicht anders, als ihn zu umarmen. Denn Berührungen fehlen den Menschen, die an übertragbaren Krankheiten leiden." Viele Patientinnen und Patienten, die Hermias besucht sind von der Gemeinschaft, in der sie einst lebten ausgeschlossen. Ihre Familien kümmern sich nicht um sie, groß ist die Angst, dass sie sich anstecken könnten. Dabei reichen einige einfache Vorsichtsmaßnahmen aus, um das Risiko minimal zu halten. "Wenn wir die Erkrankten besuchen, möchten wir, dass sie sich normal fühlen. Wir wollen vermeiden, dass sie denken sie seien gefährlich. Deshalb tragen wir unsere Schutzmasken nicht, so fühlen sie sich viel wohler."

Nicht nur die Einsamkeit ist ein Problem für die Menschen, die an übertragbaren Krankheiten wie Tuberkulose oder AIDS leiden. Auch an Nahrung fehlt es den Menschen, oft essen sie nur einmal am Tag - nicht genug für die krankheitsgeschwächten Körper. Hermias hilft den Erkrankten, wo sie nur kann, es fällt ihr oft nicht leicht, dieses Leid mitanzusehen. "Ich bin keine reiche Frau, ich kann diesen Menschen kein Geld oder Essen bringen, aber als Krankenschwester kann ich ihnen meine Hilfe anbieten und mich um sie kümmern. Deshalb habe ich mich für diesen Beruf entschieden", sagt die 49-Jährige.

Erkrankte rund um Mamasa-Stadt werden im Krankenhaus der Toraja Mamasa Kirche behandelt. Doch die Versorgung der Menschen in den abgelegenen Dörfern des Hochlands im Westen Sulawesis ist weitaus schwieriger. Wenn es mit dem Auto oder Motorrad nicht mehr weitergeht, läuft Hermias auch zu Fuß, um die Patientinnen und Patienten zu erreichen. "Manche von ihnen leben in kleinen Hütten, in denen es nachts sehr kalt wird. Es ist schmutzig und unhygienisch", so die Krankenschwester. Trotz dieser Herausforderungen arbeitet Hermias mit vollem Einsatz für Menschen, die an übertragbaren Krankheiten leiden. Sie hilft mit medizinischer Versorgung, mit Fürsorge und manchmal auch mit einer Umarmung.

Das Projekt Bekämpfung übertragbarer Krankheiten der Toraja Mamasa Kirche besteht aus medizinischer Versorgung der Tuberkulose- und AIDS-Patienten, aber auch durch gezielte Aufklärungsarbeit und den Abbau von Vorurteilen.

Elisa Heiligers

Termine

14.12.17 , EJW Tagungszentrum Bernhäuser Forst
Fachtagung Menschenhandel

"Gott sieht mich" - Theologische Reflexionen zu Menschenhandel mehr