05.06.17 | Aktuelles, Projekt des Monats

"Die jordanische Kultur ist nicht für Blinde geschaffen"

Das Projekt des Monats Juni kommt aus Jordanien
Kinder an der Arab Episcopal School in Jordanien

Blinde, sehbehinderte und sehende Kinder lernen an der Arab Episcopal School gemeinsam. (Foto: EMS/Jeric)

Dreimal die Woche unterstützt Lama die Lehrerinnen und Lehrer an der Arab Episcopal School (AES) in Irbid, Jordanien - eine integrative Schule für blinde und sehende Schüler. Die 20-Jährige weiß genau vor welchen Herausforderungen gerade die blinden Schüler in ihrem täglichen Leben stehen. Denn auch Lama ist blind. Als Kind besuchte sie eine Blindenschule in Amman bevor sie auf eine öffentliche Schule wechselte, an der sie die einzige blinde Schülerin war. Nach ihrem Abschluss, begann sie zu studieren. Sie sah sich mit Vorurteilen gegenüber Blinden konfrontiert; andere Studierende machten sich lustig über sie. "Am Anfang bin ich weinend zurück nach Hause gegangen", sagt Lama. "Aber nach einer Weile war es in Ordnung. Ich denke, dass die anderen sich nur über mich lustig machen, weil sie mich nicht kennen."

Die jordanische Kultur ist nicht für Blinde geschaffen meint Lama. Viele Menschen kennen keine Blinden und denken, sie würden langsam lernen. Lama möchte das ändern. Indem sie studiert und an der AES unterrichtet. "Blinde Menschen müssen aktiv sein", sagt die junge Frau. Sie sieht ihre Zeit als Studentin auf der einen Seite und Lehrerin auf der anderen Seite als eine der besten Erfahrungen, die sie bislang in ihrem Leben gemacht hat. "Es macht so viel Spaß. Ich kann den Schülerinnen und Schülern helfen, stärker zu werden. Denn ich kann ihnen helfen, die Fehler zu vermeiden, die ich selbst als Kind gemacht habe. Das ist für mich eine der besten Erfahrungen, die ich an der Schule mache."

Blinde, sehbehinderte und sehende Kinder lernen gemeinsam

Lama ist blind, studiert und unterrichtet an der Arab Episcopal School in Irbid.
Lama studiert und unterrichtet gleichzeitig an der AES. Für die 20-Jährige die beste Erfahrung ihres Lebens. (Foto: EMS/Jeric)

Die Arab Episcopal School lehrt etwa 170 Kinder vom Kindergarten bis zur 10. Klasse. Blinde, sehbehinderte und sehende Kinder lernen und spielen dort gemeinsam. Die sehbehinderten Mädchen und Jungen bekommen oft Hilfe von den Sehenden, die dadurch ihre sozialen Kompetenzen, Achtsamkeit und Solidarität stärken.

Lama liebt es zu sehen, wie sich die Kinder an der AES entwickeln. "Im Braille-Zentrum hatte ich ein Mädchen, das einen Kurs nicht bestand und deshalb nicht weitermachen durfte. Ich habe mit ihr zu Hause gelernt. Jetzt ist sie verblüffend gut und ich bin sicher, dass sie nächstes Semester an die Schule zurückkehren kann", sagt Lama. Wenn die junge Lehrerin ihr Studium beendet hat, möchte sie gerne als Übersetzerin arbeiten. Doch ihren Job an der Arab Episcopal School möchte sie nicht aufgeben. Stattdessen möchte sie dort ehrenamtlich weiterarbeiten. Ihr Ziel ist es, den blinden und sehbehinderten Kindern eines zu vermitteln: "Lass dir nie von anderen einreden, dass du behindert bist, denn das bist du nicht. In Jedem steckt etwas ganz einzigartiges, das kein anderer hat."

Alisa Jeric/Elisa Heiligers

Termine

23.02.18 , Hospitalhof Stuttgart
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