08.05.17 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Pfarrer Ronny Sumtaki, der weiß wie zerbrechlich Frieden zwischen Christen und Muslimen sein kann
Pfarrer Ronny Sumtaki

Mit dem Friedensprojekt der GMIH möchte Pfarrer Ronny Sumtaki den Frieden auf den Molukken bewahren. (Foto: EMS/Heiligers)

In der Evangelischen Kirche in Halmahera (GMIH) ist Pfarrer Ronny Sumtaki für vieles verantwortlich, unter anderem leitet er ein Friedensprogramm. Im Interview erzählt der indonesische Pfarrer, wie das Friedensprojekt seinen Kirchenmitgliedern und der Gemeinde geholfen hat, um nach dem großen religiösen Konflikt zwischen Christen und Muslimen, Frieden wiederzuerlangen. Von 1999 bis 2002 bekämpften sich auf den Molukken Menschen beider Religionszugehörigkeiten, die Auseinandersetzungen forderten viele Tausend Todesopfer.

Wie haben Sie den Konflikt auf den Molukken persönlich erlebt?

Auch ich war ein Opfer dieser Auseinandersetzungen. Noch heute ist für mich die Erinnerung an diese Zeit schmerzvoll, denn damals wurde ich von meiner Familie und meinen Freunden getrennt. Der Konflikt fand vor allem in der Region Halmahera statt. Leider wurden nicht nur materielle Dinge zerstört, sondern auch die Bruderschaft zwischen Christen und Muslimen.

Wir kämpften gegeneinander aufgrund politischer Fragen, natürlicher Ressourcen und Grenzlinien. Es gab viele Tote auf beiden Seiten und ein Großteil meiner Gemeindemitglieder wurden Opfer dieses Konflikts. Viele von uns mussten fliehen, denn unsere Heimat war nicht mehr sicher.

Wie kam es zur Versöhnung nach dem Konflikt? Wie konnten die Bewohner der Molukken den Frieden wiedererlangen?

Heutzutage ist die Beziehung zwischen Angehörigen des Islams und des Christentums besser, denn beide Seiten haben gelernt, sich zu akzeptieren und den Frieden zu bewahren. Die Auseinandersetzungen haben bei den Menschen auf den Molukken tiefe Wunden hinterlassen. Und es braucht eine lange Zeit, bis diese Wunden verheilt sind. So habe ich selbst meine Familie verloren und meine Gemeinde ist auseinandergebrochen. Doch ich und auch die meisten anderen Bewohner der Molukken haben realisiert, dass wir unsere schmerzhafte Vergangenheit vergessen, uns vergeben und gemeinsam in eine bessere Zukunft blicken sollten.

Ein praktisches Beispiel, wie wir unsere Beziehung zueinander wiederhergestellt haben: Als die Menschen in ihre Heimat zurückkehren konnten, erhielten sie von ihren muslimischen Mitbürgern Haushaltsgegenstände, um ihnen den Neustart zu erleichtern. Darüber hinaus war es für beide Seiten sehr hilfreich zu verstehen, wie tief ihre Beziehung zueinander ist und dass sie durch nichts zerstört werden sollte. Es ist seit vielen Jahrzehnten ganz normal, dass die Menschen in Indonesien aus gemischten Familien kommen, in denen manche Familienmitglieder Christen und manche Muslime sind - und sie alle leben friedlich zusammen.

Wie sieht die Situation auf den Molukken heute aus? Wie lautet Ihr Rat, um Frieden zu bewahren?

Wenn Christen oder Muslime ein Familienfest oder ein religiöses Fest feiern, laden sie sich gegenseitig ein und feiern miteinander. Indonesien ist ein multikulturelles Land mit vielen verschiedenen Religionen. Unser Staatsmotto lautet "Bhinneka Tunggal Ika", das bedeutet "Einheit in Vielfalt" und ist sehr wichtig, um die Einheit in Indonesien zu wahren. Meiner Meinung nach sollte die Regierung Menschen überwachen, die Politik oder Religion missbrauchen wollen, um die Menschen zu spalten und den Frieden zu stören.

Das Interview führte Mega Kamase Sambo.

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