09.06.17 | Aktuelles

Begegnung der Wahrheit

Besuch des Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel in Württemberg

Seine Allheiligkeit Bartholemaios I, Erzbischof von Konstantinopel dem neuen Rom und Ökumenischer Patriarch bei seinem Besuch in Stuttgart. (Foto: EMH/Gottfried Stoppel)

"Geht nun euren Weg! Schreibt uns nicht mehr über Dogmen, sondern allein um der Freundschaft willen, wenn ihr das wollt. Lebt wohl!" – So hatte Patriarch Jeremias II im Jahr 1583 eine vierjährige theologische Korrespondenz mit Angehörigen der Tübinger theologischen Fakultät beendet, die zugleich in der Württembergischen Kirche leitende Funktionen ausfüllten.

An diesen Dialog aus dem 16. Jahrhundert - kurzerhand als "Tübingen I" bezeichnet – versuchten die evangelische Landeskirche in Württemberg, die theologische Fakultät der Universität Tübingen und die Evangelische Kirche in Deutschland nunmehr unter dem Stichwort "Tübingen II" anzuknüpfen. So wurde kurzerhand im Rahmen des fünfhundertjährigen Reformationsjubiläums eine Einladung an den gegenwärtigen Patriarchen ausgesprochen: "Um der Freundschaft willen."

Ende Mai traf Seine Allheiligkeit Bartholemaios I, Erzbischof von Konstantinopel dem neuen Rom und Ökumenischer Patriarch, in Stuttgart ein. Zu einem orthodoxen Abendgebet in der Stiftskirche mit anschließendem Empfang im Alten Schloss waren auch die Mitglieder des Arbeitskreises Orthodoxe Kirchen - dem beratenden Gremium des Landesbischofs zu Fragen der Orthodoxie, dessen Geschäftsführerin und Vorsitzender maßgeblich zum Zustandekommen dieser Begegnung beigetragen hatten - eingeladen. Auch die EMS ist durch ihren Nahost-Referenten in diesem Gremium vertreten.

Sehr deutlich bekannten sich der EKD-Ratsvorsitzende Bischof Heinrich Bedford-Strohm, die Auslandsbischöfin Petra Bosse Huber und der Württembergische Landesbischof Frank Otfried July in ihren Ansprachen zu einer Ökumene des gegenseitigen Kennens und der gegenseitigen Wertschätzung, welche weit über das Debattieren von Dogmen und Lehrunterschieden hinausgeht. In diesem Sinne antwortete auch der Patriarch: Ökumene, so Bartholemaios I, sei doch keine Suche der Wahrheit, sondern vielmehr "eine echte Begegnung in der Wahrheit", wie sie in Jesus Christus gegeben ist.

Am folgenden Tag reiste der Patriarch nach Tübingen weiter, wo ihm die Ehrendoktorwürde der theologischen Fakultät verliehen wurde.

Es lohnte sich, beim Empfang zu Ehren des Patriarchen nicht allein auf den Geehrten zu schauen, sondern auch die Vielfalt der Orthodoxie wahrzunehmen, die sich da um das Kirchenoberhaupt geschart hatte: Serbisch-Orthodoxe, Rumänisch-Orthodoxe und Russisch-Orthodoxe Kirchenvertreter waren bei dem Festakt anwesend und suchten das Gespräch mit den katholischen (repräsentiert durch Bischof Gerhard Feige aus Magdeburg, dem Vorsitzenden der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz) und evangelischen Kirchenvertretern aus Deutschland. Still am Rande - und dabei zufrieden lächelnd - beobachtete auch der russisch-orthodoxe Erzbischof Mark das Geschehen. Erzbischof Mark leitet nicht allein die russische Exilskirche in Deutschland und Großbritannien, sondern auch die "Russische Geistliche Mission" in Jerusalem. In dieser Funktion war er im Jahr 2007 maßgeblich mitverantwortlich für die Wiedervereinigung der russischen Auslandskirche mit dem Moskauer Patriarchat und pflegt heute intensiv die Beziehungen zwischen Griechisch-Orthodoxen und Russisch-Orthodoxen im Heiligen Land. Regelmäßig feiert er die Heilige Messe an der Alexander-Podvorie-Kirche in Jerusalem, die in guter Nachbarschaft genau gegenüber der evangelischen Erlöserkirche gelegen ist.

So waren es tatsächlich zahlreiche Begegnungen "um der Freundschaft willen", die sich an diesem Tag ergaben und in denen die "echte Begegnung in der Wahrheit" ganz konkret wurde.

Uwe Gräbe

Termine

22.10.17 , Gemeindezentrum der Ev. Kirchengemeinde Stuttgart-Botnang, Fleckenwaldweg 3, 70195 Stuttgart
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