11.09.17 | Aktuelles

Warum die Haube?

Am 23. September findet das Südafrika-Partnerschaftsseminar der EMS statt. Dieses Jahr liegt der Fokus auf charakteristischen Merkmalen der Evangelischen Brüder-Unität in Südafrika. Mit dabei ist Gregson Erasmus, Pfarrer der Brüder-Unität und ökumenischer Mitarbeiter der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

Gregson Erasmus, Sie sind jetzt schon ein paar Monate in Deutschland. Gibt es Unterschiede zwischen dem Gottesdienst in Deutschland und den Gottesdiensten in Ihrer Heimatkirche in der Evangelischen Brüder-Unität in Südafrika?

Gottesdienste in Südafrika sind viel spontaner. Es steckt zwar viel mehr Vorbereitung dahinter, als man auf Anhieb erkennen kann. Doch wenn Jemand während eines ruhigen Moments ein Lied anstimmt, dann singt er, ohne dass es vorher geplant war. Normalerweise sind das kurze, bekannte Refrains, sodass jeder mitsingen kann. Während den Ankündigungen bitten wir die Gottesdienstbesucher aufzustehen, wenn sie Geburtstag oder Hochzeitstag haben. Der Lobpreisleiter zitiert spontan anlassbezogene Bibelverse. Und vor den Fürbitten haben die Gemeindemitglieder die Möglichkeit, Gebetsanliegen zu nennen. In Deutschland empfinde ich die Struktur des Gottesdienstes dagegen als viel strenger. Es scheint so, als gäbe es für jeden Gottesdienst einen genau vorgegebenen Ablauf. Das respektiere ich natürlich, denn es ist hier die Tradition. Dennoch vermisse ich die freiere Herangehensweise meiner Heimatkirche in Südafrika.

In der Evangelischen Brüder-Unität in Südafrika tragen die Frauen eine Kopfbedeckung wenn sie in die Kirche gehen. Warum ist das so?

Wir glauben daran, dass wir beim Betreten der Kirche in die Gegenwart Gottes kommen. Für uns bedeutet das, dass wir uns angemessen kleiden sollten - schlicht, sauber und ordentlich. Das funktioniert in unseren Augen auch, ohne sich in Unkosten zu stürzen. Die Tradition der Kopfbedeckung stammt nicht ausdrücklich von der Evangelischen Brüder-Unität. Viele Kirchen haben diese Tradition. Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, der Gründer der Evangelischen Brüder-Unität, übernahm diese Tradition. Aber es war ihm sehr wichtig, dass deswegen kein Wettstreit zwischen den Frauen entbrannte. Daher wurde eine einheitliche Kopfbedeckung eingeführt.

Auf diese Weise wurde die Haube in unserer Gemeinde zu einem Symbol der Einheit und Einfachheit. Das ist besonders beim Abendmahl wichtig, von dem wir glauben, dass es eine Kostprobe ist auf das, was uns in der Ewigkeit erwartet. Dort versammeln sich alle, die erlöst wurden, in weißen Gewändern vor dem Thron Gottes um ihn zu ehren (siehe dazu Offenbarung 19:11).

Wie ist das bei den Männern?

Es ist unser Brauch, dass Männer vor dem Betreten eines Hauses oder bei der Begrüßung zuerst den Hut abnehmen. Dasselbe gilt natürlich auch für die Kirche. Wir unterscheiden zwischen Männern und Frauen gemäß der Bibelstelle in 1.Korinther 11,4. Für den Mann ist es eine Geste des Respekts, wenn er seinen Hut auszieht. Für die Frau hingegen, ist das Gegenteil der Fall. Allerdings wird von Männern erwartet, dass sie sich angemessen kleiden, also schlicht und ordentlich. Beim Abendmahl erwarten wir, dass sie dunkle Anzüge tragen.

Sollten Deutsche auch Kopfbedeckungen zum Gottesdienst tragen?

Selbst für uns in der Brüder-Unität ist die Haube nicht verpflichtend. Manche Frauen tragen sie, andere wiederum nicht. Auch beim Abendmahl tragen manche unserer Pfarrerinnen keine Kopfbedeckung. Das lässt sich genauso auf Deutschland übertragen. Jeder besitzt die Freiheit, das zu tun was er für richtig hält.

Weitere Informationen zum Partnerschaftsseminar gibt es in diesem Flyer. Um sich für das Seminar am 23. September anzumelden, kontaktieren Sie bitte edwards-raudonat@dont-want-spam.ems-online.org.

Termine

14.12.17 , EJW Tagungszentrum Bernhäuser Forst
Fachtagung Menschenhandel

"Gott sieht mich" - Theologische Reflexionen zu Menschenhandel mehr