13.03.17 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Pfarrer Roger Wegurih, der als Seelsorger am Presbyterianischen Krankenhaus in Bawku, Ghana arbeitet
Seelsorger Roger Wegurih im Bawku Krankenhaus

Roger Wegurih (rechts) schaut nach einer Patientin, die Unterstützung durch den "Poor and Sick Fund" erhält. (Foto: EMS/Edwards-Raudonat)

Bei seiner Arbeit als Seelsorger trifft Pfarrer Roger Wegurih auf Menschen unterschiedlicher Religionen. Er hilft HIV-Infizierten, die von ihrer Familie verstoßen wurden und Patienten, die sich keine medizinische Behandlung leisten können. Wegurih war von 2013 bis 2016 als Ökumenischer Mitarbeiter bei der Evangelischen Landeskirche Württemberg tätig. Seit seiner Rückkehr nach Ghana arbeitet Roger Wegurih am Bawku Krankenhaus, der größten medizinischen Einrichtung der Presbyterianischen Kirche von Ghana.

Welcher Teil Ihrer Arbeit als Seelsorger gefällt Ihnen am meisten?

Mir gefällt vor allem der interreligiöse Aspekt meiner Arbeit. Hier im Bawku Krankenhaus behandeln wir Christen, Muslime und Gläubige traditioneller Religionen. In meiner Arbeit begleite ich sie alle, egal welcher Religion sie angehören. Denn in allen drei Religionen hat Heilung eine spirituelle Dimension. Nicht nur Christen, auch Muslime und die traditionell Gläubigen unterhalten sich gerne mit mir über die religiösen Aspekte ihres Gesundheitszustands. Nehmen wir zum Beispiel das Problem des "bösen Todes". In Ghana wird allgemein angenommen, dass Tod durch Ertrinken ein "böser Tod" ist, das heißt wir Ghanaer haben große Schwierigkeiten damit, diese Todesursache zu akzeptieren. Ich habe vor kurzem ein muslimisches Paar betreut, dessen jüngstes Kind unglücklicherweise ertrunken ist. Die Mutter war voller Angst und beunruhigt, dass Gott böse auf sie sei und dass sie noch weiter bestraft würde. Ich erinnerte sie und ihren Mann daran, dass dem Koran zufolge "Gott gibt, und Gott nimmt". Nach einiger Zeit stimmte der Ehemann zu und sagte zu seiner Frau: "Lass uns jetzt gehen. Ich werde dich nicht dafür verantwortlich machen und es wird keine Scheidung geben." Es war eine Freude dieses Paar zu beraten, obwohl sie keine Christen waren.

In welchem Umfang betreuen Sie Menschen, die mit HIV und AIDS leben müssen?

Die HIV- und AIDS-Rate ist immer noch sehr hoch, doch durch die verbesserten Medikamente, die es heutzutage gibt, können die Betroffenen ein weitgehend normales Leben führen. In Ghana erhalten die Infizierten antiretrovirale Medikamente kostenlos, auch wenn sie keine Krankenversicherung haben. Trotzdem werden sie immer noch stigmatisiert und haben oft Schwierigkeiten einen Job zu finden. Sie fragen mich immer wieder nach Geld oder Essen. Wenn möglich, helfe ich ihnen, so gut ich kann. Schwieriger ist es, Menschen zu helfen, die ihre Krankheit verleugnen, sogar bis zum Zeitpunkt des Todes. Wir haben Patienten, die sich weigern, die Wahrheit zu glauben und an einer antiretroviralen Therapie teilzunehmen, obwohl sie getestet wurden und ihr Status zweifelsfrei HIV positiv ist. Irgendwann bricht ihre Gesundheit zusammen und es kommt vor, dass sie von ihren Angehörigen verstoßen werden. Das bedeutet, dass die medizinischen Mitarbeitenden und ich die einzigen Personen sind, die noch mit ihnen reden.

Bitte beschreiben Sie die Rolle des EMS "Poor and Sick Fund" in Ihrer Arbeit.

Üblicherweise identifizieren die ambulanten Kliniken die Menschen, die finanzielle Unterstützung brauchen. Die Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger beobachten, dass die jeweilige Person alleine ist und keine Unterstützung durch ihre Angehörigen erfährt. Oftmals bringen mir die Pflegerinnen und Pfleger die medizinischen Unterlagen und bitten mich, dass ich mich der Sache annehme. Selbst wenn die Patienten eine Krankenversicherung haben, müssen sie für Behandlungen Zuschläge zahlen. Wenn sie nicht versichert sind, sind die Kosten weitaus höher. Manche brauchen darüber hinaus Kleidung oder Hygieneartikel. An dieser Stelle greift der "Poor and Sick Fund" und übernimmt die ausstehenden Kosten.

Das Interview führte Riley Edwards-Raudonat.

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