16.04.17 | Aktuelles, Unterwegs erlebt

Unterwegs erlebt...

Für die Menschen in Korea ist das diesjährige Osterfest nicht nur ein Tag des Feierns, sondern auch der Trauer – vor drei Jahren starben beim Untergang der Sewol-Fähre 304 Menschen. Die ökumenische Mitarbeiterin der EMS, Karina Schumacher, berichtet aus Südkorea
Ein Banner mit dem Zitat einer koreanischen Mutter, die ihr Kind bei der Sewol-Katastrophe verlor.

"Gott wird sichtbar durch die Menschen an meiner Seite" - Zitat der Mutter von LEE Changhyun, die bei der Sewol-Katastrophe ums Leben kam. (Foto: JEON Iru)

Ostern 2017 fällt auf den 16. April, den dritten Jahrestag der Sewol Katastrophe. 3 Jahre, 1.096 Tage ist es her, dass die Fähre auf ihrer Fahrt von Incheon nach Jeju plötzlich kenterte und sank. Das Schiff zog 304 der 476 Passagiere mit sich in die Tiefe, weil die Mannschaft den Fahrgästen befohlen hatte, in ihren Kabinen zu bleiben und auf Hilfe zu warten, bevor sie selbst das Schiff verließ. 250 der Opfer waren Schülerinnen und Schüler der Danwon Highschool in Ansan auf Klassenfahrt. Neun Menschen werden immer noch vermisst.

Nach fast drei Jahren wurde die Sewol-Fähre geborgen.
Die Sewol-Fähre wird im Trockendock des Hafens in Mokpo nach den neun Vermissten und der Unfallursache durchsucht. (Foto: JEON Iru)

Am Morgen des 23. März 2017 wurde das Schiff nach monatelanger Vorbereitung aus 44 Meter Tiefe gehoben. Die Angehörigen der Vermissten hoffen nun, endlich die sterblichen Hüllen ihrer Liebsten zu finden, und die anderen Familien hoffen auf Hinweise zur Ursache der Havarie. Das Wrack wurde im Hafen von Mokpo an Land gebracht und soll nun intensiv untersucht werden.

Jedes Jahr zu Ostern feiern verschiedene christliche Konfessionen in Korea einen gemeinsamen "Gottesdienst mit unseren leidenden Nächsten". Arbeitsmigrantinnen und -migranten, Angestellte in prekären oder unmenschlichen Arbeitsverhältnissen, Soldaten, die in den Irak geschickt wurden, oder das Vier-Flüsse-Projekt sind nur einige Beispiele. Und seit 2014 gehören auch die Angehörigen der Opfer der Sewol-Katastrophe dazu.

Es ist Frühling in Korea. Nach dem langen und oft bitterkalten Winter tun die wärmer werdenden Sonnenstrahlen Körper und Seele gut. Endlich trauen sich die Menschen wieder nach draußen, es zieht sie in die Berge und auf die Inseln. So voller Vorfreude machten sich auch die Jugendlichen der Danwon Highschool 2014 auf. Doch anstatt eine Woche lang das sonnige Frühlingswetter und die frische Meeresluft zu genießen, wurde ihnen das 96 Tonnen schwere Schiff zu einem nassen Grab. Für die Angehörigen ging an diesem Tag die Welt unter, die Zeit blieb stehen. Jedes Jahr, wenn die ersten Blüten den Frühling ankündigen, kommt dieser Schmerz zurück. "Gott wird sichtbar durch die Menschen an meiner Seite", steht auf einem Banner. Es ist das Zitat der Mutter eines ertrunkenen Schülers. Und es ist der Grund, den Ostergottesdienst in Korea nicht fröhlich im Kreise der Familie oder der eigenen Gemeinde zu feiern, sondern mit unseren leidenden Nächsten. Denn der HERR ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Er hat den Tod besiegt. Für dich und für mich und ganz besonders für alle, die Leid tragen in dieser Welt.

Karina Schumacher

Termine

22.11.17 , Meißen
Ostasien-Studientagung der Deutschen Ostasien-Mission DOAM

Gesellschaftliche Verantwortung und diakonisches Handeln. Was lernen wir voneinander in Südkorea und Deutschland? mehr

14.12.17 , EJW Tagungszentrum Bernhäuser Forst
Fachtagung Menschenhandel

"Gott sieht mich" - Theologische Reflexionen zu Menschenhandel mehr