16.10.17 | Aktuelles

Menschen stärken durch Mikrokredite

Im Interview sprechen Katarina Tombi und Elisabeth Dakka Mapandin aus Toraja, Indonesien, über das erfolgreiche Mikrofinanz-System ihrer Kirche
Elisabeth Dakka Mapandin (links) und Katarina Tombi.

Frauen im Finanzwesen: Elisabeth Dakka Mapandin (links) und Katarina Tombi haben die Zahlen im Griff. (Foto: EMS/Waltz)

Anfang Oktober fand in Bali die Mikrofinanzkonferenz der EMS mit ihren neun indonesischen Mitgliedskirchen statt. Auch Elisabeth Dakka Mapandin, Vorsitzende der Syalom Cooperasi und Katarina Tombi, Schatzmeisterin der Toraja-Kirche nahmen an der Konferenz teil. In Toraja arbeiten die Frauen bereits seit über 30 Jahren mit Mikrokrediten. 1983 gründeten 13 Frauen aus der Frauenarbeit der Kirche eine Mikrofinanz-Kooperation. Sie hatten bemerkt, dass ihre Kirchenmitglieder dringend kleine Kredite brauchten, die sie bei einer normalen Bank kaum bekamen. Seit 1997 ist die Kooperation staatlich anerkannt. Seit dieser Zeit können auch Männer Mitglied werden.

Warum wurde die Kooperation gegründet?

Elisabeth: Wir wollten die Menschen in den Dörfern stärken. Deshalb haben wir verschiedene Möglichkeiten diskutiert, wie wir unseren bedürftigen Kirchenmitgliedern finanziell helfen können. Zu Beginn gaben wir nur sehr kleine Kredite aus, um die 1.000 Indonesische Rupien (IDR). Heute entspricht das einem Wert von etwa einer Million IDR (etwa 62 Euro). Zu Beginn gaben alle 13 Frauen, die das Projekt auf die Beine gestellt haben, Geld in die Kooperation. So war es möglich, die ersten Darlehen zu verteilen. Heute muss man ein Fünftel seines Ersparten in die Kooperation einzahlen, wenn man einen Kredit beantragt.

Was sind die Hauptgründe, weshalb die Mitglieder der Kooperation einen Kredit beantragen?

Elisabeth: Hauptsächlich brauchen unsere Mitglieder Geld, aufgrund von Gesundheitsproblemen, um Schulgebühren zu zahlen, ein Kleinunternehmen zu gründen oder für dringende Renovierungsarbeiten an ihren Häusern.

Katarina: Aufgrund unseres Glaubens möchte die Toraja-Kirche die Armut unter ihren Mitgliedern und deren Kindern senken. Um ihre Kinder auf die Schule schicken zu können, brauchen die Eltern Geld für die Schulgebühren, Schulmaterialen oder andere Dinge. Sie hoffen, dass ihre Kinder durch eine gute Schulbildung eine bessere Zukunft haben.

Wie bekommt man einen Mikrokredit von der Kooperation?

Elisabeth: Um einen Mikrokredit zu bekommen, muss man ein Mitglied unserer Kooperation sein. Und um ein Mitglied zu werden, braucht man die Empfehlung des Gemeindepfarrers und von drei weiteren Personen, die bereits Mitglied in unserer Kooperation sind.

Dann muss man einen Antrag ausfüllen, der von zwei Parteien unterzeichnet wird - also beispielsweise vom Ehemann und der Ehefrau oder dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Im Antrag gibt man an, wie viel Geld man leihen möchte und wie viel man im Monat zurückzahlen kann. Der höchste Betrag, den wir aushändigen, sind aktuell 100 Millionen IDR. Und die maximale Laufzeit eines Kredits beträgt drei Jahre.

Was haben Sie bei der Mikrofinanz-Konferenz in Bali für Ihre Kooperation mitnehmen können?

Elisabeth: Ich habe neue Kriterien kennengelernt, durch die ich herausfinden kann, ob eine Person vertrauenswürdig ist. Außerdem habe ich gelernt, dass wir anderen helfen müssen. Aber nicht im karitativen Sinne. Mikrofinanzen sind ein Geschäft und wir müssen unseren Mitgliedern beibringen, wie sie ihre Darlehen verwalten. Deshalb müssen wir sie in Hilfe zur Selbsthilfe trainieren.

Können Sie uns eine Erfolgsgeschichte Ihrer Kooperation erzählen?

Katarina: Man könnte mich als Erfolgsgeschichte bezeichnen. Ich habe vor 20 Jahren mit einem Kredit angefangen, da es für mich sehr schwierig war, ein Darlehen bei einer herkömmlichen Bank zu bekommen. Damals lieh ich mir drei Millionen IDR, um ein Haus mieten zu können. Nach anderthalb Jahren hatte ich den Kredit abbezahlt. Über die Jahre habe ich immer wieder Kredite beantragt. Momentan habe ich einen Kredit von 100 Millionen IDR aufgenommen, um mein Kleinunternehmen aufzubauen. Ich glaube nicht, dass ich all das ohne die Kooperation geschafft hätte.

Das Interview führte Elisa Heiligers.

Termine

13.10.18 , Tagungsstätte, Vogelsangstr. 66a, 70197 Stuttgart
Indien-Partnerschaftsseminar

Tanz und Kultur: Ausdruck indischer Identität und christlicher Spiritualität  mehr