20.02.17 | Aktuelles, Unterwegs erlebt

Unterwegs erlebt...

Bei ihrem Besuch des Elim Home macht Christine Grötzinger, Leiterin des Fachbereichs Projektförderung der EMS, eine unerwartete Entdeckung: Das Heim für behinderte Kinder der Evangelischen Brüderunität in Südafrika betreut nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene
Marco mit seinem Freund im Elim Home/Südafrika

Marco (links) hat keine Berührungsängste - weder hier mit seinem Mitbewohnern, noch mit Gästen wie Christine Grötzinger. (Foto: EMS/Lohnes)

"Unsere größte Herausforderung hier sind nicht die Kinder", sagt Lesinda Cunningham, die Leiterin des Elim Home, als ich im Dezember mit einer internationalen Gruppe Delegierter der EMS-Vollversammlung zu Besuch in ihre Einrichtung komme. "Unser Problem sind die Kinder, die wir vor 20 Jahren aufgenommen haben, als wir anfingen. Die meisten von ihnen leben noch im Heim, weil ihre Familien sie nicht wiederhaben wollen."

Und tatsächlich treffen wir gleich im ersten liebevoll eingerichteten Wohnraum auf eine Gruppe junger Männer, die ganz unterschiedliche Anzeichen körperlicher und geistiger Behinderung haben. Das haben wir nicht erwartet. Die acht Männer begrüßen uns laut und freudig. Ich merke, wie einige aus der Gruppe Mühe haben, mit diesen erwachsenen Menschen in Kontakt zu treten, die in ihrem Aussehen und ihrem Verhalten so von der Norm abweichen.

Doch unsere Gegenüber haben keine Berührungsängste und nehmen das Heft selbst in die Hand. Einer der Männer, ich schätze ihn auf Mitte 20, hakt sich einfach bei mir unter und führt mich durch seine kleine Welt: die Küche, das Bad, das Schlafzimmer der Gruppe. Marco unterhält sich dabei hauptsächlich durch Rufe und Gesten mit mir, und wir verstehen uns sehr gut. Als wir nach seiner kleinen Führung zurück in den Wohnraum kommen, hat sich das Bild dort völlig verändert: Jeder Bewohner hat eine Besucherin oder einen Besucher zu sich gezogen, staunt über dessen Hautfarbe oder Haare, zeigt ihm ein selbstgemaltes Bild oder die Sonne vor dem Fenster und unterhält sich mit ihm, auf seine ganz eigene Art. Und die Besucher, manche begeistert, manche scheu und staunend, lassen sich darauf ein.

Später sprechen wir mit Lesinda Cunningham nochmals über die groß gewordenen behinderten Kinder. Sie waren die erste Generation an Kindern mit Behinderung, die nicht mehr in ihren Familien versteckt und vernachlässigt, sondern von Einrichtungen wie dem Elim Home aufgenommen und betreut wurden. Noch gibt es in Südafrika für sie kaum Möglichkeiten der weiteren Versorgung und Begleitung, deshalb entstanden in den Heimen Erwachsenengruppen. Denn Lesinda Cunningham und ihr Team wollen sie nicht zwangsweise in ihre Familien zurückschicken. Doch eine Lösung auf Dauer ist das nicht. Für uns war der Besuch ein eindrückliches Erlebnis und ein Anstoß dafür, dass die EMS gemeinsam mit der MCSA überlegt, wie die Kirche die Arbeit mit behinderten Erwachsenen in Zukunft gestaltet.

Christine Grötzinger

Termine

13.10.18 , Tagungsstätte, Vogelsangstr. 66a, 70197 Stuttgart
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