20.03.17 | Aktuelles, Unterwegs erlebt

Unterwegs erlebt...

Yessica Fridolia aus der Protestantisch-Indonesischen Kirche in Südost-Sulawesi nimmt am Süd-Süd-Austausch der EMS teil. Sechs Monate lang verbringt sie auf der Kinderstation des Agogo Presbyterian Krankenhauses in Ghana. Ihr dritter Bericht dreht sich um das Thema Abschied
Die Süd-Süd-Freiwillige Yessica Fridolia in einer Traube von Kindern.

Im Unterricht mit Yessica Fridolia können die kleinen Patientinnen und Patienten ihre Krankheit für einen Moment vergessen. (Foto: Yessica Fridolia)

Ich saß alleine in meinem Klassenzimmer, als ich draußen auf einmal Geräusche hörte. Es kam aus einem der Patientenzimmer. Da war es schon wieder. Jemand klatschte, erst einmal dann zweimal. Dann hörte ich, wie jemand rasch in Richtung der Gemeinschaftsküche lief. Ich stand auf und schaute aus dem Fenster, um zu sehen, was dort vor sich ging. Ich sah Hannah, ein junges Mädchen, das schon eine lange Zeit im Krankenhaus und ständig zwischen dem Behandlungszimmer und Operationssaal hin und her wechselte. Doch endlich war es soweit und sie durfte das Krankenhaus am nächsten Tag verlassen. Ihre Mutter jubelte, hob dankend die Hände nach oben und teilte die tollen Neuigkeiten den anderen Müttern in der Küche mit. Sie war eine der ausdrucksstärksten Mütter, die ich kennengelernt hatte. Ohne zu zögern, betete sie, wann immer sie wollte, egal ob sie saß oder stand.

Jedes Mal wenn ein Kind nach Hause gehen darf, beobachtete ich denselben glücklichen Gesichtsausdruck auf den Gesichtern der Patienten und Angehörigen. Die Krankenhausbetten können noch so gemütlich sein – nichts übertrifft die Wärme eines Zuhauses, egal wie schlicht es sein mag. Auch wenn die Kinder hier glückliche Zeiten beim Lernen im Klassenzimmer und Spielen – und manchmal auch beim Zanken – erlebten, sie sind immer überglücklich und aufgeregt, wenn sie nach Hause dürfen. Manche müssen viele Wochen im Agogo Krankenhaus bleiben, hunderte Kilometer weit weg von ihrem Zuhause. Sie müssen ihre Familien und Freunde verlassen, bis sie wieder gesund sind. Auch ich bin deshalb glücklich, wenn ein Kind nach Hause darf. Gleichzeitig bin ich aber auch traurig, denn ich werde es vermissen.

Am Tag der Entlassung gibt es keine Abschiedstränen, wir tauschen keine Telefonnummern oder Adressen. Doch alle kommen noch einmal in mein Klassenzimmer, um sich mit einem kräftigen Händedruck und einem großen Lächeln auf den Lippen zu verabschieden: "Madam, bye bye..." Ich hoffe, dass ich die Kinder eines schönen sonnigen Tages wiedertreffen werde. Aber hoffentlich nicht im Krankenhaus.

Yessica Fridolia

Termine

22.11.17 , Meißen
Ostasien-Studientagung der Deutschen Ostasien-Mission DOAM

Gesellschaftliche Verantwortung und diakonisches Handeln. Was lernen wir voneinander in Südkorea und Deutschland? mehr

14.12.17 , EJW Tagungszentrum Bernhäuser Forst
Fachtagung Menschenhandel

"Gott sieht mich" - Theologische Reflexionen zu Menschenhandel mehr