22.06.17 | Aktuelles

Gemeinsam im Evangelium und der Reformation verwurzelt

EMS-Missionsrat pflanzt bei seiner bevorstehenden Sitzung in Wittenberg einen Baum im Luthergarten
EMS-Missionsrat

Der EMS-Missionsrat traf das letzten Mal im vergangenen Dezember in Südafrika zusammen, nun tagt er Ende Juni in Wittenberg. (Foto: EMS/Lohnes)

Alle 28 Mitglieder der EMS, Kirchen wie Vereine, blicken auf die Reformation zurück. In Deutschland ist das evident: Wittenberg, Straßburg, Zürich und Genf sind nicht sehr weit entfernt. Die vielen einzelnen Reformationen vor Ort gehören zur Geschichte jeder Landschaft in Deutschland.

Was aber haben die Presbyterianische Kirche in Ghana, die Nationale Evangelische Kirche in Beirut, die Kirche von Südindien oder die Vereinigte Kirche Christi in Japan mit der Reformation zu tun? Als vor 500 Jahren reformatorische Gedanken durch ganz Europa gingen, gab es dort entweder keine Christen, oder das evangelische Gedankengut ist bei ihnen zu dieser Zeit gar nicht angekommen. Viele Kirchen in Afrika, dem Nahen Osten oder in Asien beziehen sich auf die ersten Missionare, die aus England, Holland, den USA oder Deutschland kamen, wenn sie zurückschauen - und nicht auf Luther oder Calvin. Das Evangelium, dass der Mensch vor Gott allein aus Gnade und durch Christus und nicht durch seine Werke gerecht wird, kam zu ihnen durch die Mission.

Das Reformationsgedenken in diesem Jahr hat viele Kirchen in Übersee dazu gebracht, ihre Geschichte weiter zurück zu verfolgen. Die evangelischen Missionare brachten ihre reformatorische Sicht auf die Bibel mit: "Nur die Schrift" ist Richtschnur des Glaubens. Die evangelische Mission setzte sich meistens scharf von hergebrachten religiösen Vorstellungen ab: "Christus allein" sollte man die Ehre geben. "Nur durch den Glauben" erfasst der Mensch die große Gnade, die Gott erweist. Viele Kirchen in Übersee haben im Jahr 2017 noch einmal nachvollzogen, dass die wichtigen evangelischen Leitvorstellungen im 16. Jahrhundert gegen harte Widerstände erkämpft worden sind, bevor Missionare sie 200 oder 300 Jahre später weitergaben.

Die evangelischen Grundanschauungen sind dort auf fruchtbaren Boden gefallen. So manche deutsche Gruppe, die ihre Partnerkirche in Indonesien, Korea oder Südafrika besucht, wird feststellen, dass diese sie in punkto Bibelkenntnis um Längen schlägt. Sie wird erstaunt sein, mit welchem Eifer junge Menschen von ihrem Glauben reden. Und sie wird verdutzt sein, dass manche europäischen Ideen vom "Dialog der Religionen" Befremden hervorrufen - "Christus allein" gelte es doch zu verkündigen.

In der internationalen Gemeinschaft der EMS sind die reformatorischen Fragen frisch geblieben, denn nun sind es die "jungen Kirchen", denen die Deutschen mitunter verschwommen evangelisch vorkommen. Mancher Deutsche wiederum wundert sich über biblische Begründungen, wo er lieber mit der allgemeinen Vernunft argumentieren würde.

Zusammen pflanzt der Missionsrat, der 17-köpfige internationale Vorstand der EMS, nun einen Baum im Luthergarten in Wittenberg unter dem Leitspruch aus dem Galaterbrief, Kapitel 6 Vers 2: "Einer trage des Anderen Last, so werdet Ihr das Gesetz Christi erfüllen." Gemeinsam werden wir vom Evangelium getragen, gemeinsam und aus unterschiedlichen Perspektiven schauen wir auf die Reformation zurück, gemeinsam wollen wir die Frohe Botschaft in die Welt tragen.

Jürgen Reichel

Termine

29.09.17 , Bad Boll
Indien-Tagung Bad Boll- The changing face of India

The changing face of India  mehr

22.10.17 , Gemeindezentrum der Ev. Kirchengemeinde Stuttgart-Botnang, Fleckenwaldweg 3, 70195 Stuttgart
EVS-Mitgliederversammlung

 mehr