22.09.17 | Aktuelles

Unterwegs erlebt

Afrika-Verbindungsreferent, Riley Edwards-Raudonat, nahm in Ghana an einem Workshop teil, der ihn mit anderen Vorstellungen von gelebtem Glauben konfrontierte
Teilnehmende des Workshops am Interreligiösen Forschungs- und Ressourcenzentrums in Accra, Ghana.

Wie lebe ich meinen Glauben? Darüber diskutierten die Teilnehmenden während des Workshops. (Foto: EMS/Edwards-Raudonat)

Nein, wir waren keine große Gruppe. Doch heißt das, dass es sich nicht gelohnt hat, dabei zu sein? Ganz im Gegenteil. Je weniger Personen, desto intensiver ist meist die Interaktion untereinander. Und das war auch der Fall, als ich an einem Workshop des Interreligiösen Forschungs- und Ressourcenzentrums (PIRRC) in Accra, Ghana zum Thema "Zusammenleben in Vielfalt und Zeugnis ablegen" teilnahm. Als Referent war Pfarrer Nii Armah Ashittey, Referent für Ökumene und Soziales der Presbyterianischen Kirche von Ghana (PCG) geladen, der einen streitfreudigen Ansatz vertrat: "Entweder bekehrst du andere oder du wirst bekehrt!" Ich muss zugeben, dass ich bei dieser Aussage schlucken musste. Geht Vielfalt zwangsläufig immer einher mit einem Machtkampf - "Wenn ich dich nicht kriege, bekommst du mich?" Sozialer Darwinismus, der stärkere überlebt? Oder hilft es uns Andersdenkende anzunehmen, sogar wenn wir die Art des Seins und Glaubens seltsam finden?

Doch an diesem Samstagmoren im PIRRC lag der Schwerpunkt darauf, sich zu behaupten: "Ich habe nichts gegen Menschen anderen Glaubens. Aber warum sollte ich das, was mir wichtig ist, aufgeben?" Als wir zusammen diskutierten, begann ich diesen Ansatz zu verstehen. Dahinter steckt die Misere der Kirchen in Europa, wie sie in Afrika wahrgenommen wird. Die leeren Kirchen. Der Zulauf des Säkularismus. Liegt das nicht an dem Versagen der einzelnen Christen, die nicht für ihren Glauben eingestanden sind? Haben sie nicht Kompromisse geschlossen, bei Punkten, die nicht verhandelbar waren? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Doch als der Morgen vorüber war, war mir eine Sache klar: Ghanaische Christen möchten als Christen wahrgenommen werden. Für sie heißt das, dass Vielfalt zum Zeugnis herausfordert. "Wir wissen was wir glauben und im Austausch mit denen, die anders glauben, stehen wir für unseren Glauben ein."

Monate später kommt mir ein einfacher Bibelspruch in den Sinn: "Das Wort des Herrn bleibt in Ewigkeit" (1. Petrus, 1,25). Das heißt, sein Überleben hängt nicht von unseren Bemühungen ab. In den zwei Tausend Jahren nach dem Tod Jesus Christus am Kreuz kennen Millionen Menschen auf der ganzen Welt seine Worte. Obwohl er sich nie darum kümmerte, sie aufzuschreiben. Er sprach einfach und vertraute darauf, dass sich die Menschen an seine Worte erinnern. Die Menschen erinnerten sich und sie werden es auch weiterhin tun. Kirchen mögen kommen und gehen. Sie werden wachsen, aber auch kleiner warden. Doch die Basis unseres Glaubens wird nie in Gefahr sein. Gottes Wort wird Bestand haben bis zum Ende dieser Zeit. Der Glaube der Menschen, die seinem Wort vertrauen, eben so.

Riley Edwards-Raudonat

Termine

14.12.17 , EJW Tagungszentrum Bernhäuser Forst
Fachtagung Menschenhandel

"Gott sieht mich" - Theologische Reflexionen zu Menschenhandel mehr