25.04.17 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Solomon Paul, Leiter der Jugendabteilung der Kirche von Südindien
Essensversorgung in Telangana, Indien

Das MITHRA-Projekt der CSI versorgt Migrantinnen und Migranten mit Essen. (Foto: CSI/Solomon Paul)

Im Interview mit der EMS spricht Solomon Paul, Leiter der Jugendabteilung der Kirche von Südindien (CSI), über das MITHRA-Projekt. Es steht Migranten und Flüchtlingen im Süden Indiens zur Seite und versucht, sie besser in die Gesellschaft zu integrieren.

Was ist das MITHRA-Projekt und was möchte die Kirche von Südindien damit erreichen?

MITHRA ist eine Initiative der CSI, um die Anwesenheit von Migranten in unserer Gesellschaft anzuerkennen und deren Lebensverhältnisse zu verbessern. Obwohl die Migranten und Flüchtlinge in Indien von vielen Tausend Menschen umgeben sind, leben sie in einer Art Niemandsland. Die Mission der Kirche ist es, sie zu unterstützen und für sie da zu sein.

Im Moment arbeiten wir an drei verschiedenen Orten. Einer befindet sich im Norden von Südindien im Bundestaat Telangana. Dort arbeiten wir mit Migranten aus Sri Lanka und Myanmar, die in den 1970er Jahren nach Telangana kamen, um in den Spinnereien zu arbeiten. Am Stadtrand von Chennai arbeiten wir mit 20 Flüchtlingsfamilien und Migranten aus Nordostindien und Myanmar. Und im Umland von Chennai leben viele Migranten aus nordindischen Bundesstaaten, die unsere Hilfe benötigen. Sie kommen aus Gegenden, in denen es kaum Möglichkeiten gibt, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

Viele kommen nach Südindien, weil sie in ihrer Heimat keine Arbeit finden. Im Süden hoffen sie auf eine bessere Lebensperspektive. Doch sie bekommen keine festen Jobs und müssen viele Einschränkungen in Kauf nehmen - wie sie leben, wie sie arbeiten und welchen Lohn sie bekommen. Durch unsere Arbeit versuchen wir, ihrem Leben ein bisschen mehr Sinn zu geben.

Solomon Paul (links) und sein Team stehen den Migrantinnen und Migranten zur Seite. (Foto: CSI/Solomon Paul)

Was sind die größten Herausforderungen für Migranten und Flüchtlinge in ihrem Alltag?

Es gibt viele Herausforderungen für diese Menschen. Sie müssen mehr arbeiten als die Einheimischen. Viele von ihnen arbeiten etwa 12 Stunden am Tag, doch sie bekommen kein angemessenes Gehalt für die Arbeit, die sie verrichten. Sie leben in armseligen Hütten. Man kann dort überleben, aber es ist menschenunwürdig. Etwa 50 bis 60 Menschen leben in einem Block mit höchstens ein oder zwei Toiletten. Es gibt Probleme mit der Hygiene, Misshandlungen und Drogen. Die Migranten arbeiten unter der Woche so hart, dass sie anfällig für Drogen werden, denn sie geben ihnen eine Art Trost und sie können in dieser Zeit der realen Welt entfliehen.

Außerdem werden sie des Öftern auf ihrem Nachhauseweg von der Arbeit von Einheimischen attackiert und ausgeraubt. Ihnen wird das Geld abgenommen, ihre Handys und Uhren. Und wenn sie sich wehren, werden sie verprügelt. Sind sie verprügelt worden, ist es für sie schwierig, Anzeige bei der Polizei zu erstatten, da sie die lokale Sprache nicht beherrschen. Deshalb ertragen sie alle Ungerechtigkeiten und Ausbeutung. Sie laufen meistens in Gruppen nach Hause und versuchen, solche Situationen so gut wie möglich zu vermeiden.

Wie kann man den Menschen in dieser Situation helfen?

Die Migrantinnen und Migranten in Telangana leben dort schon seit vielen Jahren, seit sie die Regierung geholt hat, um in den Spinnereien zu arbeiten. Doch als die Spinnereien geschlossen wurden, wurden viele von ihnen arbeitslos. Gerade die älteren Menschen haben große Schwierigkeiten, dort zu leben. Es ist schwer sich vorzustellen, dass für viele nahrhaftes Essen schon eine Herausforderung ist.

Mit unserem MITHRA-Projekt versorgen wir die Menschen zweimal die Woche mit kostenlosem Essen. Die älteren Menschen, die den Weg in unser Zentrum nicht laufen können, holen wir ab. Wir beten mit ihnen zusammen, wir hören ihnen zu und versorgen sie mit gutem Essen. Außerdem haben wir einen Arzt eingestellt, der sich um ihre medizinischen Bedürfnisse kümmert. Sie sind sehr glücklich, dass es das Projekt gibt und freuen sich, in unser Zentrum zu kommen.

In den urbanen Zentren in Chennai gibt es viele junge Leute, die wir seelsorgerlich betreuen. Sie bitten uns, dass wir für sie beten oder sie fragen uns um Hilfe. Ich glaube, dass sich ihr Leben durch uns ein Stück weit verbessert hat, weil sie sich sicher sein können, dass sie einen Freund an ihrer Seite haben – das ist der Sinn des MITHRA-Projekts. MITHRA bedeutet in unserer lokalen Sprache 'Freund'. Die Migrantinnen und Migranten fühlen, dass sie nicht alleine sind.

Das Interview führte Corinna Waltz.

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