16.04.18 | Pressemeldungen, Aktuelles

EMS-Generalsekretär fordert Absage der ITEC

Opfer können von den Folgen des internationalen Waffenhandels berichten

„Wie kann es sein, dass die ITEC, die aufgrund verschiedenster moralischer Bedenken und nach massivem Protest eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses aus der Stadt Köln vertrieben wurde, nun eine derartige Plattform in Stuttgart findet?“, fragt Jürgen Reichel, der Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) die Verantwortlichen des Landes Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart und der Messe Stuttgart.

Die ITEC („International Forum for the Military Simulation, Training and Education Community“) ist Europas führende Messe für militärische Beschaffung, Ausbildung und militärische Simula­tionen, und soll vom 15. bis 17. Mai 2018 in der Messe Stuttgart stattfinden.

Die ITEC wird seit 1990 jedes Jahr in einer anderen europäischen Stadt veranstaltet – seit 2007 dreimal in Köln. 2014 waren die Proteste von Friedens- und Anti-Rüstungsgruppen dort so massiv, dass eine erneute Anfrage für 2018 abgewiesen wurde. Nun wird die Messe in Stuttgart stattfinden – und das, obwohl sich die Stadt 2016 selbst verpflichtet hat, ihr Vermögen „nicht mehr bei Unternehmen anzulegen, die Militärwaffen und/oder Militärmunition herstellen oder vertreiben“. Michael Föll (CDU), Finanzbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender der Landesmesse, sprach damals davon, man werde konsequent auf Investitionen achten, „die auch aus ethischer, sozialer und ökologischer Sicht vertretbar sind".

Die EMS, der insgesamt 23 Kirchen und fünf Missionsgesellschaften in Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Europa angehören, appelliert an die Verantwortlichen, die Messe abzusagen. Reichel wirft den Verantwortlichen vor: „Sie geben Staaten, die in hohem Maße in Menschenrechtsverletzungen involviert sind, die Möglichkeit, sich mit neuesten Technologien zu versorgen und die Spirale der Gewalt weiter zu drehen. Die bei der ITEC abgeschlossenen Geschäfte werden über kurz oder lang dazu beitragen, dass Menschen um ihr Leben fürchten müssen.“

Diejenigen Opfer, die sich nach Deutschland und Europa aufmachten, könnten von den furchtbaren Folgen des weltweiten Waffenhandels erzählen, betont Reichel, und bietet den Verantwortlichen an, sie mit Betroffenen aus den EMS-Partnerkirchen im Nahen Osten, aus Nigeria oder aus dem Südsudan zusammenzubringen.

Finanzbürgermeister Michael Föll sieht in seinem Antwortschreiben an den Generalsekretär der EMS allerdings kein Problem in der Veranstaltung, die „ein Kongress mit begleitender Ausstellung“ sei, bei dem „vornehmlich Simulations-Software-Lösungen“ vorgestellt würden und es bei dem Kongress um „Produktions- und Simulationstechnologien bei Herstellungsprozessen“ gehe.

Als Reaktion auf den Appell, die ITEC abzusagen, den in ähnlicher Form auch der württembergische Landesbischof Frank Otfried July, der Diözesanrat Rottenburg-Stuttgart und viele zivilgesellschaftliche Organisationen vorgetragen haben, lädt die Landesmesse Stuttgart GmbH am kommenden Dienstag, den 17. April 2018, zu einem Gespräch ein. Die EMS wird dabei durch Dr. Uwe Gräbe, den Nahostreferenten der EMS vertreten.

Pressekontakt:
Regina Karasch-Böttcher, karasch-boettcher@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 85, Mobil +49 178 62 000 52

Auskunft:
Jürgen Reichel, reichel@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 21, Mobil +49 178 636 78 31


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