22.02.19 | Aktuelles

Die vergessenen Flüchtlinge der Bekaa-Hochebene

EMS und EVS unterstützen lokale Hilfe für überflutete Flüchtlingslager im Libanon

Foto: EMS/Haddad

Hunderttausende sind vor dem Krieg aus Syrien über die Grenze in das Nachbarland Libanon geflohen. In den Flüchtlingscamps der Bekaa-Ebene oder im Nordlibanon haben einige von ihnen Unterschlupf gefunden. Nach schweren Schnee- und Regenfällen sind viele der Notunterkünfte überschwemmt. Die Situation der Flüchtlinge ist nach wie vor dramatisch.

Die Stürme „Norma“ und „Miriam“, die Anfang des Jahres über den Libanon fegten, haben Infrastruktur, Straßen und Häuser schwer beschädigt. In zahlreichen Flüchtlingscamps kam es zu Überflutungen oder Einkesselungen durch Schneemassen. Ganze Zeltsiedlungen wurden weggespült, wichtige Lebensmittelvorräte vernichtet. Auch das Flüchtlingscamp Al-Marj inmitten der Bekaa-Hochebene ist betroffen.

George Haddad, Direktor der Johann-Ludwig-Schneller-Schule (JLSS) im wenige Kilometer entfernten Khirbet Kanafar, weiß um die schwierige Lage in den Flüchtlingscamps. Gerade die Menschen in den inoffiziellen Zeltlagern trifft es besonders hart. Hier tatenlos zuzusehen kommt für den ehemaligen Schneller-Schüler nicht in Frage. Die JLSS nahm bereits 2012 syrische Flüchtlingskinder auf. Haddad kennt die Schicksale syrischer Flüchtlinge wie kein Zweiter. Dennoch stockt ihm der Atem, als er das Camp in Al-Marj betritt. „Schweren Herzens sehe ich das schreckliche Leid um uns herum. Verglichen mit der Hölle, in der sich diese Leute befinden, ist die Schneller-Schule der Himmel auf Erden.“

Diesmal ist Haddad in das Flüchtlingscamp zurückgekehrt, um Hilfsgüter zu verteilen. Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) und der Evangelische Verein für die Schneller-Schulen (EVS) haben den Schulleiter in seinen Bemühungen finanziell unterstützt. Gemeinsam konnten so Teppiche, Decken und Matratzen bereitgestellt werden.

„Bevor die letzte Lieferung an Hilfsgütern eintraf, hat man mich durch das Lager geführt“, berichtet George Haddad. „Die Szene kam mir unwirklich vor. Wasser war überall. Je weiter ich ins Lager ging, desto schlimmer wurde es. Einige Zelte waren komplett überflutet und nicht mehr zugänglich. Es war bitterkalt. Kinder spielten mit einem Basketball. Sie waren so sehr an das Wasser um sie herum gewöhnt, dass sie auf der Jagd nach dem Ball durch tiefe Pfützen rannten, als ob es das Normalste auf der Welt sei.“

Als der zweite Hilfstransporter eintrifft, bekommt Haddad gerade einen arabischen Kaffee aus einer traditionellen Messingkanne angeboten. Trotz widrigster Umstände sind viele der Menschen gastfreundlich und teilen ihren wenigen Besitz. Ein kurzer Schluck Kaffee und eine Geste der Dankbarkeit schon ist Haddad auf dem Weg zum Transporter. Die letzten Hilfsgüter müssen gemäß der erstellten Liste an die fünfzig Zeltbewohner*innen verteilt werden. „Ich wusste nicht, dass ein Teppich, zwei Matratzen und drei Decken die Menschen so glücklich machen würde“ beschreibt Haddad die Situation. „Man kann es in ihren Augen sehen, in dem Ausdruck auf ihren Gesichtern.“

Während Haddad und seine zwei Mitarbeiter die letzten Hilfsgüter verteilen, kommen Flüchtlinge aus anderen Teilen des Lagers auf ihn zu. Ein Mann fragt den Direktor der Schneller-Schule, warum er die Hilfsgüter ausgerechnet an diese Bewohner*innen verteilt. In den anderen Teilen des Lagers sei die Situation doch genauso schlimm. Haddad erwidert: „Wir sind nur eine kleine Schule. Wir sind keine große Hilfsorganisation. Wir tun das, was wir können.“ Mittlerweile ist Haddad von unzähligen Menschen umringt. „Warum nicht unser Lager? Warum nicht unser Lager?“ ist immer wieder aus ihren Reihen zu hören. Die Situation ist angespannt. Haddad und seine Mitarbeiter beschließen zur Schneller-Schule zurückzukehren.

Auf dem Rückweg zur Schneller-Schule betont Haddad: „Diese Leute sind zu Recht sehr wütend. Das Leiden ist unerträglich. Es ist buchstäblich die Hölle. Niemand hilft diesen verzweifelten, vergessenen Menschen.”

Unterstützen Sie uns dabei, dass syrische Flüchtlinge im Libanon nicht in Vergessenheit geraten. Die Menschen der Bekaa-Hochebene sind auf unsere Hilfe angewiesen. Jetzt spenden und helfen. 

Spendenkonto:
Evangelische Mission in Solidarität e.V.
Evangelische Bank eG
IBAN DE85 5206 0410 0000 0001 24
Kennwort: Syrische Flüchtlingskinder

  • Foto: EMS/Haddad
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