03.04.21 | Aktuelles

Neue Hoffnung – mitten in der Angst

Osterbotschaft des Generalsekretärs der Evangelischen Mission in Solidarität

Am Abend dieses ersten Tages nach dem Sabbat, als die Jüngerinnen und Jünger hinter geschlossenen Türen saßen aus Angst vor der jüdischen Obrigkeit, da kam Jesus, trat in ihre Mitte und sagte zu ihnen: »Friede sei mit euch!« Als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und die Seite. Da freuten sich die Jüngerinnen und Jünger, dass sie Jesus den Lebendigen sahen. Jesus sagte noch einmal zu ihnen: »Friede sei mit euch! Wie mich Gott gesandt hat, so sende ich euch.«
(Johannes 20,19-21)

Liebe Schwestern und Brüder,

eine der bewegendsten Auferstehungsgeschichten findet sich im Johannes-Evangelium. Das Evangelium berichtet, wie sich die Jüngerinnen und Jünger nach Jesu Tod am ersten Tag der Woche, also am Sonntag, heimlich versammelt haben. Türen und Fenster haben sie fest verschlossen aus Furcht vor der Verfolgung.

Wie verzweifelt müssen sie in diesem Augenblick gewesen sein! Der Messias, auf den sie all ihre Hoffnung gesetzt hatten, dem sie ihr Leben anvertraut hatten, war von den Römern als Verbrecher am Kreuz hingerichtet worden. Verzweifelt und in Angst vor der Verfolgung waren sie aus Jerusalem geflohen.

Im Johannes-Evangelium spiegelt sich in den Berichten über Jesus und seine Jünger immer auch die Situation der Gemeinden wider, für die es geschrieben wurde. Wenn der Evangelist beschreibt, wie sich die Jüngerinnen und Jünger voll Angst und Verzweiflung am ersten Tag der Woche versammelten, dann zeigt sich darin auch die Erfahrung der ersten christlichen Gemeinden, die von den Römern verfolgt und ermordet wurden, wenn sie am Sonntag bei ihren heimlichen Gottesdiensten entdeckt wurden.

Und dann ist Jesus auf einmal mitten unter ihnen und alles ist anders. Es ist der auferstandene Christus, der ihnen im Gottesdienst ganz nahekommt, erfahrbar, greifbar wird. Johannes schreibt eher nüchtern: „Da freuten sich die Jüngerinnen und Jünger.“ Ich glaube eher, dass sie gejubelt haben, dass sie Fenster und Türen aufgerissen haben, um auf die Straße zu rennen und allen mitzuteilen: „Er ist nicht tot! Er ist lebendig und hier mitten unter uns! Christus ist auferstanden!“ Und Jesus schenkt ihnen Frieden und sendet sie in die Welt, um diese Botschaft der Hoffnung und der Befreiung aus der Angst weiter zu geben.

Am ersten Tag der Woche, an Ostern, kommen auch in diesem Jahr in allen Kirchen der EMS-Gemeinschaft die Gemeinden zum Gottesdienst zusammen. Und dabei bleiben viele Türen geschlossen. In einigen der Kirchen im wörtlichen Sinn, weil die staatlichen Behörden keine Gottesdienste zu Ostern zulassen. In noch viel mehr Gemeinden aber im übertragenen Sinn, weil viele der Menschen, die an Ostern zusammenkommen, niedergeschlagen sind von den Belastungen dieses Corona-Jahrs und weil sie um Menschen trauern, die ihnen lieb waren und die sie durch die Pandemie verloren haben.

Die Botschaft des Johannes-Evangeliums ist: Auch jetzt ist Christus mitten unter Euch! Das Leben ist am Ende stärker als der Tod. Er hat den Tod überwunden. Gebt die Hoffnung nicht auf!

Kurz vor Ostern, am 11. März, erreichte uns in der Geschäftsstelle in Stuttgart ein ganz besonderer Brief. Der Pfarrer der christlichen Gemeinde von Koshigaya in Japan und Direktor des dortigen Kindergartens, Ideo Ishibashi, schrieb uns: „Zehn Jahre sind vergangen seit dem großen Erdbeben im Osten Japans. Es geschah um 14:46 Uhr am 11. März 2011. Ich war wie gelähmt angesichts der schrecklichen Zerstörungen und Schäden, als mich die Nachricht erreichte, dass die Evangelische Mission in Solidarität uns helfen würde. Vor sechs Jahren konnte ich in der Vollversammlung der EMS über unseren Wiederaufbau berichten und ich war sehr ermutigt, die Kirchen aus aller Welt gemeinsam im Gebet zu sehen. Die Koshigaya-Gemeinde und ihr Kindergarten veranstalten jedes Jahr einen großen Bazar. Dieses Jahr mussten wir ihn wegen der Corona-Pandemie absagen. Stattdessen senden wir Ihnen eine Spende der Eltern der Kindergartenkinder und die Kollekte von allen Donnerstagsgottesdiensten im Januar und Februar 2021, in denen wir für die Evangelische Mission in Solidarität gebetet haben. Ich sende Ihnen diese Spende in tiefer Dankbarkeit.“

An diesem 11. März 2021 sahen wir alle im Fernsehen nochmals die schrecklichen Bilder des Erdbebens, des Tsunamis und der Explosion des Atomkraftwerks in Fukushima und jede*r von uns kann nachfühlen, wie verzweifelt die Überlebenden vor den Trümmern ihres Lebens standen. Heute sind sie es, die selbst anderen helfen, die in Not sind. An dem Ort, an dem damals Trauer und Verzweiflung herrschten, spielen heute wieder fröhliche und unbeschwerte Kinder. Und ich vermute, wenn es darauf ankommt, werden sie mindestens so fröhlich tanzen und singen wie die Jüngerinnen und Jünger Jesu im Johannes-Evangelium.

Dass Gebet und Hoffnung stärker sind als Angst und Sorgen – dafür stehen die Kinder im Kindergarten der Kirchengemeinde von Koshigaya. Lasst uns zu Ostern diese Botschaft der Hoffnung weitertragen: Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden!

Pfarrer Dr. Dieter Heidtmann
Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität

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