21.03.16 | Aktuelles, Unterwegs erlebt

Unterwegs erlebt...

Die kleinen Momente machen die Dienstreisen für den EMS-Verbindungsreferenten Hans Heinrich zu etwas Besonderem

Wer kennt das nicht: Probleme mit dem Flugzeug und schon verzögert sich die Weiterreise. Doch wie die Passagiere damit umgehen, scheint kulturell verschieden zu sein. (Foto: EMS/Heinrich)

Hans Heinrich ist EMS-Verbindungsreferent für Indonesien. Aufgrund seiner vielen Reisen verbringt er häufig Zeit an Flughäfen. Ein Ort, an dem er Einblicke in verschiedene Kulturen und Gesellschaften erhält und Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede erlebt.

Welche Unruhe, ich kann die Ansage kaum verstehen, weder auf Indonesisch noch auf Englisch: „…for this inconvenience“. Ich sitze am Flughafen in Yogyakarta, Indonesien und warte auf meinen Heimflug nach Deutschland, der sich zu verzögern scheint. Ich hatte schon so ein Bauchgefühl; die Rückreise lief bislang fast zu reibungslos.

Nun gibt auch die Anzeigentafel ein Stückchen Wahrheit Preis: „Departure 15 minutes delayed for operational reasons.“ Das klingt noch ermutigend. Die Passagiere setzen sich wieder, Ruhe kehrt ein, denn es scheint doch gleich weiterzugehen. Die 15 Minuten sind um, es gab keine weitere Ansage, aber die Zeitangabe über die Verspätung auf der Anzeigetafel ist unmerklich gewachsen: zunächst 30 Minuten, schließlich 60 Minuten und dann verschwindet die Zeitangabe vollständig. Die ersten Mitreisenden stehen auf. Ich bemerke, dass es vor allem die international Reisenden sind, die gestresst wirken und beim Flugpersonal nachfragen, das auch nicht mehr weiß, als die Anzeigentafel. Die Stimmung um mich herum wird unruhiger und einige Wartende lehnen an den großen Scheiben. Sie schauen auf das Flugzeug im Wartestand – es scheint doch schon da zu sein. Aber plötzlich stehen dort zwei Männer, die sich am Flugzeug zu schaffen machen. Immer mehr Passagiere, sowohl Ausländer als auch Einheimische, aber ausschließlich Männer, laufen Richtung Fenster und blicken nach draußen. Sie diskutieren miteinander und scheinen nicht einig zu sein, was da draußen passiert.

Kindliche Neugier - für den EMS-Verbindungsreferenten ein internationales Phänomen, das er gerne beobachtet. (Foto: EMS/Heinrich)

Das kleine Mädchen, das mit seiner Mutter ebenfalls auf das Flugzeug wartet, scheint von all dem Trubel und der Unruhe um sich herum nichts mitzubekommen. Unbemerkt von all den Frauen und den Männern an den Fensterscheiben geschieht für das Mädchen ebenfalls etwas von großer Bedeutung. Für mich ist es immer wieder erstaunlich zu beobachten, dass der Wissensdrang von Kindern grenzenlos und ungebrochen ist – egal wo wir uns auf dieser Welt befinden. Kinder egal welcher Nationalität und Religion besitzen diese Freiheit, diese Augenblicke der Selbstvergessenheit. Hier eine Tasche, dort ein Rucksack, hier streift der Blick, dort zieht es das Mädchen tief in den Moment hinein. Die Erwachsenen begleiten diesen Eroberungszug mit Wohlwollen und freundlichem Lächeln – auch hier ist kein gesellschaftlicher Unterschied erkennbar. Und die kluge Mutter, die fast unmerklich "um die Ecke" nach ihrem Mädchen schaut, braucht es nicht zurückholen. Sie sieht ihr Kind in dieser Umgebung geborgen.

Sichtlich unwohl dagegen fühlen sich die Fenstersteher. Inzwischen sind sie sich einig: Was da ausgebaut und durch Schütteln und Klopfen versucht wird zu reparieren, ist einer der barometrischen Sensoren, die die Geschwindigkeit und die Lage des Flugzeugs während des Flugs bestimmen. Wer versteht worum es geht, dem ist unwohl. Es scheint sich der Wunsch zu verbreiten, besser ein späteres Flugzeug zu nehmen. Doch da wird ein neues Instrument gebracht und eingebaut und nur wenig später lebt die Anzeigetafel wieder und die Durchsage ruft zum „…immediate boarding“ auf.  Vergessen sind alle Bedenken, die Fremden stehen ganz vorne an der Tür und sitzen als erste auf ihren Plätzen. Alle anderen kommen nach. Die einen reden über die unglaubliche Aktion der Monteure, die anderen greifen zu den Faltblättern, die in den Zeitschriftennetzen am Vordersitz angebracht sind. Sie enthalten Reisegebete, formuliert für alle großen Religionen Indonesiens und die Einheimischen neigen ihr Haupt zum Gebet.

 

Hans Heinrich

Termine

13.10.18 , Tagungsstätte, Vogelsangstr. 66a, 70197 Stuttgart
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