04.11.19 | Aktuelles, Pressemeldungen

Landesbischof: Schneller-Schulen begegnen der Ohnmacht

Schneller-Schulen ziehen bei der Mitgliederversammlung Bilanz

„Man darf religiösen Führungsfiguren folgen, solange sie nicht lehren, anderen Menschen zu schaden!“ Was Pfarrer George Haddad aus dem Libanon sagt, sind keine leeren Worte, sondern gründet auf Erfahrungen in der täglichen Praxis an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule im Libanon.

George Haddad leitet die große Einrichtung in der Bekaa-Ebene, dort werden christliche und muslimische Kinder gemeinsam unterrichtet, Mädchen und Jungen aus wohlhabenden und armen Familien, libanesische Kinder genauso wie syrische Flüchtlingskinder aus den Zeltlagern der Umgebung. Für junge Erwachsene werden Ausbildungsgänge angeboten, für syrische Flüchtlingsfrauen Nähkurse. Beim Jahresfest des Evangelischen Vereins für die Schneller-Schulen (EVS) am Sonntag, 3. November 2019 in Stuttgart-Gaisburg hatte diese erfahrbare Praxis einen unmittelbaren Bezug zu den Worten, die Landesbischof Frank Otfried July in seiner Predigt während des Festgottesdienstes formulierte. Als Predigttext lag der Bund Gottes mit Noah, mit den Menschen aus Genesis zugrunde, für den der Regenbogen als überwölbende Gottes Zusage steht: "Gott erneuert seinen Bund mit uns in Jesus Christus, der Regenbogen leuchtet über Gerechten und Ungerechten, er kommt unverdient." Zwar löse die Realität oft Ohnmachtserfahrungen aus, die geistlich nicht leicht auszuhalten seien. Der EVS aber schaue nicht weg und vertraue dem Treueversprechen des Bundes Gottes und zeige an vielen Beispielen, dass die Finsternis nicht das letzte Wort habe. Er trage dazu bei, dem Frieden im Nahen Osten den Boden ein Stück weit zu bereiten und die Frucht des Friedens aufgehen zu lassen. Schon seit 1860 unterstützt und begleitet der Verein die Arbeit der Schulen und bemüht sich um Spenden von Privatpersonen, Kirchengemeinden und anderen kirchlichen Gruppen.

Die Mitgliederversammlung zeigte, dass sich der Verein ständig weiterentwickelt. So stieg die Mitgliederzahl im letzten Jahr um sieben Personen auf jetzt 296 Mitglieder an. Bis zum nächsten Jahr sollen es 300 oder mehr sein. Die  religions-, kultur- und schichtenübergreifende Arbeit an den Schneller-Schulen in Jordanien und im Libanon konnte erneut intensiviert werden, dabei werden an den Schulen strikte Regeln eingehalten, die der christlichen Ausrichtung Rechnung tragen und denen – wie George Haddad sagte – insbesondere der Respekt und die Toleranz gegenüber anderen zugrunde liegt. „Bei uns gibt es keine christlichen und muslimischen, libanesischen und syrischen Kinder. Bei uns gibt es Kinder!“ Der Rechenschaftsbericht des Vorstandes zeigte die Vielfalt der Aufgaben. Beispiele: Nachdem im letzten Jahr ein explodierender Heizkessel die Anlage zerstörte, wurde diese ersetzt. Im Jahr 2020 muss ein neues Gebäude für die Schreinerei gebaut werden. Die jetzige Konstruktion ist durch ständige Erdbewegungen einsturzgefährdet und muss neu errichtet werden, die Ausbildungsarbeit derzeit im Notquartier untergebracht. Gut, dass es Spender*innen gibt.