06.11.19 | Aktuelles

Nigeria – Eine Kirchengemeinde formiert sich neu

Pfarrer Riley Edwards-Raudonat berichtet für das Nachrichtenblatt der Basler Mission – Deutscher Zweig (BMDZ) über aktuelle Entwicklungen in Nigeria.

Es ist jetzt fünf Jahre her, dass die islamistische Sekte „Boko Haram“ große Gebiete im Nordosten Nigerias gewaltsam überrannte und mehr als zwei Millionen Menschen in die Flucht getrieben hat. Viele davon haben sich dauerhaft in der Ferne niedergelassen, zum Beispiel im Ort Pegi, nahe bei Abuja. Pfarrer Riley Edwards-Raudonat, der Berichterstatter, ist regelmäßig dort. Er berichtet:

Donnerstag, 16 Uhr: Wie jede Woche beginnt die Bibelstunde in Pegi pünktlich. Es kommen in der Regel etwa 30 Personen, mehrheitlich Frauen. Meistens, aber nicht immer, wird die Bibelstunde vom Ortspfarrer Daniel Mshelia geleitet. Seine Frau Elisabeth ist stets auch dabei.

Die Glieder der neu-gegründeten Gemeinde der Ekklesiyar Yan’uwa A Nijeriya (EYN – Kirche der Geschwister) in Pegi stammen alle aus dem Ort Chibok. Man bedenke: Am 13. April 2014 entführte Boko Haram etwa 250 Schülerinnen dort – die sogenannten „Chibok Girls“. Die EYN Gemeindeglieder in Pegi kannten sie natürlich. Bis September 2014 harrten sie in Chibok und Umgebung noch aus. Dann aber rückten die Kämpfer mit massiver Gewalt heran. Alle, die nicht mit Boko Haram kooperieren wollten, mussten sofort fliehen, Christen wie Muslime. Sie schlugen sich meistens gen Westen durch, solange, bis sie irgendwo unterkommen konnten.

Die Mitglieder der heutigen EYN Gemeinde in Pegi, ca. 600 Personen insgesamt, schafften es bis nach Abuja. Dort nahmen sie Kontakt mit EYN Pfarrer Yakubu Maiva auf. Maiva, obwohl damals auch selbst ein Vertriebener, war im Großraum Abuja sehr gut vernetzt. Zwölf Jahre lang, 1988-2001, hatte er dort als Evangelist gearbeitet und in dieser Zeit einige Ortsgemeinden gegründet. Er nutzte seine Kontakte, um die Gruppe aus Chibok nach Pegi zu lotsen. Dort mieteten sie sich ein. Große Gruppen, 10-15 Personen, quetschten sich als Untermieter in einem, maximal zwei Zimmern zusammen. Aus ihrer Sicht viel besser als irgendwo in einem improvisierten Flüchtlingslager zu hausen. Denn Pegi hat, was damals kein Lager hatte: Schulen für die Kinder und einen Markt für den lokalen Handel. Obwohl Pegi viele Kirchen hat, blieben die neuen Bewohner des Ortes kirchlich gesehen unter sich. Sie gründeten eine neue EYN Gemeinde.

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