10.10.19 | Aktuelles

Ein Wort aus der Geschäftsstelle der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) zur Situation in Nordsyrien

Wir stehen an der Seite aller Opfer dieses Krieges, gleich welcher Religion und Weltanschauung.

Seit dem 9. Oktober 2019 hat die Türkei mit dem Beschuss Nordsyriens und dem Einmarsch ihrer Armee in die dortigen, mehrheitlich kurdischen Gebiete eine neue Eskalationsstufe des Syrienkrieges eingeleitet. Mit der Einrichtung eines als „Sicherheitszone“ bezeichneten, türkisch kontrollierten Streifens in diesen Gebieten ist offenbar das Interesse verbunden, eine große Zahl der sunnitisch-arabischen, syrischen Flüchtlinge aus der Türkei hierher umzusiedeln und damit zugleich die demografische Struktur dieses Landstreifens nachhaltig zu verändern. Der Aufbau eines unabhängigen oder autonomen kurdischen Gemeinwesens in dieser Region wird damit dauerhaft verunmöglicht.

Gleichzeitig sind bereits jetzt unzählige Opfer dieses Waffenganges zu beklagen, darunter Christinnen und Christen insbesondere aus der Stadt Qamishli bzw. der der Provinz Hasakeh. Eine neue Flüchtlingswelle aus diesen bislang relativ gut funktionierenden Regionen ist zu erwarten. Zudem ist mit einem Ausbruch inhaftierter IS-Anhänger aus den hier gelegenen, ohnehin überfüllten Internierungseinrichtungen zu rechnen.

Wir appellieren an die Bundesregierung und an die Europäische Union, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln auf die türkische Regierung einzuwirken, um diesen Waffengang sofort zu stoppen. Zugleich drängen wir auf die längst überfällige Etablierung eines internationalen Mechanismus zur Aufnahme von Flüchtlingen, durch welchen Hauptaufnahmeländer, wie z.B. auch die Türkei, entlastet werden. Wir sehen die Gemeinschaft demokratischer Staaten in der Pflicht, ihre Staatsangehörigen aus den kurdischen Internierungslagern für IS-Anhänger zurückzuholen und in den Ländern ihrer jeweiligen Staatsangehörigkeit vor Gericht zu stellen.

Wir stehen an der Seite aller Opfer dieses Krieges, gleich welcher Religion und Weltanschauung. In besonderer Weise verbunden sind wir dabei mit unseren christlichen Geschwistern in den betroffenen Gebieten, denen wir unsere Solidarität und unser Mitleiden bekunden. Wir beten für die Verwundeten, die Flüchtenden und für die Angehörigen der Ermordeten. „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.“ (1 Korinther 12, 26)

Uwe Gräbe