11.10.19 | Aktuelles

Ein weiter Horizont

Studierende entdecken im NCC-Center die japanischen Religionen

Tetsuo Miyasho, Direktor des NCC Center for the Study of Japanese Religions in Kyoto (Foto: EMS/Krüger)

Kyoto ist nicht nur die alte Hauptstadt Japans, sondern bis heute Kulturhauptstadt und Zentrum der Religionen des Landes: in der Region können Gläubige 1.600 buddhistische Tempel und 400 Shinto-Schreine aufsuchen. So ist in Kyoto auch ein christliches Zentrum, das eben diese Vielfalt der Religionen zum Thema hat: Das NCC Center for the Study of Japanese Religions. Es ist eine von drei mit der EMS verbundenen Einrichtungen, die Studierende in verschiedenen Teilen der Welt zum interreligiösen Dialog anregen. 1959 gegründet ist es der älteste christliche „Think Tank“ in Japan, eine Zeitschrift in Englisch und eine in Japanisch gehören zu dessen Publikationen. NCC steht für National Christian Council, einem Zusammenschluss von 30 christlichen Organisationen in Japan, dazu gehört die reformierte Vereinigte Kirche Christi (UCCJ) als EMS-Mitgliedskirche, aber z. B. auch der CVJM.

Die derzeit sechs Studierenden (die Räumlichkeiten und personellen Ressourcen sind begrenzt) am NCC-Center nehmen am Programm „Interreligiöse  Studien in Japan“ (ISJP) teil, zehn Wochen von September bis Dezember. Im Anschluss daran haben die Studierenden die Möglichkeit, Praktika in Kirchengemeinden zu absolvieren. Neben den Vorlesungen und Exkursionen im ersten Teil ist das Gemeindepraktikum ein wesentlicher Bestandteil des Studienprogramms. Unterrichtet werden z. B. Japanischer Buddhismus, Shinto und Volksreligionen, Christentum in Japan, Theologie im Dialog, Neue Religionen in Japan oder es gibt die Möglichkeit, buddhistischen Rituale zu besuchen, japanische Traditionen kennenzulernen und Vertreter anderer Religionen zu treffen.

Direktor des NCC-Center ist der Religionswissenschaftler und Philosoph Prof. em. Tetsuo Miyasho. Während seines Deutschlandaufenthaltes im Oktober zur Internationalen Tagung (siehe Info-Box) besuchte er auch die EMS in Stuttgart. „Die Studierenden empfinden es faszinierend und interessant, mit den Religionen Japans in einen Dialog zu treten“, da ist er sich sicher und seit 2002 haben 90 Studierende an diesem Programm teilgenommen. Es ist ihm wichtig, dass gerade Christen den Wert der anderen Religionen respektieren und den Dialog suchen. Das bestätigt auch Pfarrer Solomon Paul Benjamin, der in der EMS als Länderreferent das Programm koordiniert: „Es geht um den gegenseitigen Respekt und die interreligiöse Erfahrung“. Um das zu ermöglichen, besuchen die Studierenden die religiösen Orte der „Anderen“, sie diskutieren mit deren Vertreter*innen und nehmen wahr, was diese Religionen ausmacht. Miyasho weiß als Christ in der Diaspora, wie wichtig es ist, den Dialog zu suchen und er sieht im Kontakt zu ehemaligen Studierenden im NCC-Center, wie sie diese Erfahrung mit in ihre spätere Arbeit tragen. „Wenn sie als Pfarrer vor ihre Gemeinde treten, um darüber zu reden, ist das oft eine große Herausforderung.“ Dort wird der interreligöse Dialog und dessen Vermittlung fortgesetzt und die christlich-theologische Diskussion bleibt nicht aus. Die Bewerber*innenzahlen für das Programm sprechen für das Interesse am interreligiösen Dialog. Alle Beteiligten und Partner hoffen auf stärkere institutionelle und finanzielle Grundlagen. Solomon Paul Benjamin fasst es zusammen, um was es geht: „Für uns Christen geht es darum, die Unterschiede zu entdecken und diese Vielfalt als Geschenk Gottes zu sehen – diese Vielfalt sollten wir miteinander feiern.“

Info-Box

In Frankfurt/Main waren vom 4. bis 6. Oktober 2019 drei „Interreligöse Studienprogramme als Aufgabe der Kirche in multi-religiösen Gesellschaften“ für Studierende der Theologie und Religionspädagogik das Thema einer internationalen Tagung. Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) und die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau bieten seit Jahrzehnten interreligiöse und interkulturelle Studienprogramme für Studierende der Theologie und Religionspädagogik an. Sie lernen an der Near East School of Theology in Beirut die Kirchen des Mittleren Ostens kennen wie auch deren Verhältnis zum Islam, am NCC Center for the Study of Japanese Religions in Kyoto studieren sie Buddhismus und alte wie neue Religionen. Zur Tagung kamen die Organisatoren der Programme, die Teilnehmenden und Vertreter*innen aus Kirchen und Ökumene, darunter Gäste aus Japan und Indien. In Zeiten der Globalisierung erweisen sich ökumenische, interreligiöse und interkulturelle Studienprogramme für Kirche und Theologie in Europa relevanter denn je zuvor. Jetzt wurden die Programme evaluiert und es wurden Überlegungen zur Weiterentwicklung sowie über stärkere institutionelle und finanzielle Grundlagen angestellt. Veranstalter war die EMS in Kooperation mit der Deutschen Ostasienmission, dem Berliner Missionswerk und dem Zentrum Oekumene der EKHN und EKKW.

Links und Info zu den Studienprogrammen: