12.04.19 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Noura Eid ist Studentin an der Near East School of Theology (NEST) in Beirut.

Noura Eid ist Studentin an der NEST und Teilnehmerin an der 6. Internationalen SiMO-Konsultation. (Foto: EMS/Eid)

Sie ist Teil der Hochschuldelegation der NEST, die vom 24. bis 27. April an der 6. Internationalen SiMO-Konsultation (Studium im Mittleren Osten, SiMO) in Deutschland teilnehmen wird und sich mit dem spirituellen Wiederaufbau Syriens befasst.

Sie studieren an der NEST in Beirut, geboren wurden Sie in Syrien. Was hat Sie dazu bewogen in den Libanon zu reisen und ein Studium an der NEST aufzunehmen?

Ich stamme aus einem kleinen Dorf nordwestlich von Damaskus namens Bloudan in dem Christen und Muslime leben. Protestanten bilden die Minderheit unter den mehrheitlich orthodoxen Christen. Ich gehöre der unabhängigen Nationalen Evangelischen Kirche von Bloudan an, der etwa 70 Familienmitglieder angehören. Früher dienten dort ägyptische Pfarrer. Mit Beginn des Syrien-Krieges ging schließlich auch der letzte von ihnen zurück nach Ägypten. Ohne Seelsorger*innen war es an uns Mitgliedern in unserer eigenen Kirche Dienst zu tun. Also begann ich im Alter von 15 Jahren den sonntäglichen Kindergottesdienst zu leiten. Nach zwei Jahren half ich beim Bibelstudium und in den Abendgottesdiensten. So kam ich mit dem Bereich des Kirchendienstes in Kontakt. Dies führte mich schließlich dazu Theologie an der NEST zu studieren.

Die Teilnehmer*innen der SiMO-Konsultation werden sich mit dem spirituellen Wiederaufbau nach den Zerstörungen des Syrien-Konflikts befassen. Sie sind eine von drei syrischen Studenten, die dafür nach Deutschland reisen. Wie kam es dazu?

Als einzige Studentin der Theologie fiel die Wahl unter anderem auf mich unsere Hochschule zu vertreten. Außerdem befinde ich mich bereits in meinem dritten Studienjahr, was mich zudem befähigt an der Konsultation teilzunehmen. Mit der EMS bin erstmals vor drei Jahren in Kontakt gekommen. Im Rahmen des von Gabriele Mayer koordinierten Internationalen Bibelprojektes konnte ich bereits erste Erfahrungen in der interkulturellen Zusammenarbeit sammeln.

Nachdem sich die Lage in Syrien allmählich stabilisiert, denken die Kirchen in der Region bereits über den spirituellen Wiederaufbau nach. Wie beurteilen Sie die Situation der Kirche in Syrien? Ist die Kirche bereit für den Wiederaufbau?

Die Kirchen in Syrien hatten eine sehr schwierige Zeit, und als Pfarrer*innen ist es unsere Aufgabe, uns mit dieser Situation auseinanderzusetzen, um die Menschen in der Kirche mit Botschaften der Hoffnung zu ermutigen. Die Situation der Kirchen verbessert sich im Zuge der sich stabilisierenden Gesamtsituation. Aber die Menschen leiden immer noch – die Wunden sitzen tief und müssen nun geheilt werden. Die Kirchen sind bereit und die Pfarrer*innen ein wichtiger Bestandteil des Wiederaufbaus, einige von ihnen konnten damit schon beginnen.

Was erwarten Sie von den hiesigen Partnern? Welche Art der Unterstützung ist Ihrer Meinung am dringlichsten?

Seit Beginn des Krieges haben die Kirchen in Syrien anhaltende Unterstützung seitens der westlichen Kirchen erfahren. Diese haben über die Jahre hinweg immer wieder Gruppen in die Kirchen in Syrien und im Libanon entsendet, um zu sehen, wo Hilfe benötigt wird. Diese Besuche sollten jetzt nicht abreißen, weil die Menschen vor Ort daraus Hoffnung schöpfen. Dies ist eine gute Möglichkeit, um herauszufinden, welche Maßnahmen die jeweiligen Gemeinden gerade benötigen und welche am besten wirken.

Die SiMO-Konsultation in Göttingen ist weiterer Schritt, um die Herausforderungen und Aufgaben gemeinsam mit den deutschen Partnern anzugehen. Was erwarten Sie von den Konsultationen?

Ja, das ist sicherlich ein weiterer wichtiger Schritt. Darüber hinaus erhoffe ich mir einen regen Austausch und freue mich auf die gemeinsame Zusammenarbeit.

Ist dies Ihr erster Besuch in Deutschland?

Ja, das ist mein erster Besuch in Deutschland. Ich freue mich auf die Gelegenheit meine deutschen Brüder und Schwestern besser kennenzulernen und bin gespannt darauf einen Einblick in ihre Arbeits- und Denkweise zubekommen.

Termine

02.11.19 , Tagungsraum der EMS, Vogelsangstraße 66a, 70197 Stuttgart
Ehemaligentreffen Nahost

Der Evangelische Verein für die Schneller Schulen lädt alle ehemaligen Freiwilligen zu einem Abend der Begegnung ein.  mehr

10.11.19 , Paulinenpflege, Ringstraße 108, 71364 Winnenden
Spiritualität und Religionen in der Entwicklungspolitik

Vortrag und Podiumsdiskussion mehr