18.11.19 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

...Anton und Carolin, die als Freiwillige des Ökumenischen FreiwilligenProgramms (ÖFP) für zehn Monate in Ghana leben.

Georg Meyer, Afrika-Verbindungsreferent der EMS und die Freiwilligen des ÖFP, Anton und Carolin, in Ghana (Foto: EMS/Privat).

Anton und Carolin sind als Freiwillige des Ökumenischen FreiwilligenProgramms (ÖFP) für zehn Monate in Ghana. Dort unterstützen sie die soziale Arbeit der Presbyterianischen Kirche von Ghana (PCG). Anton hilft beim Ramseyer Vocational Training Institute in Kumasi als Tutor im ICT Bereich. Carolin betreut Kinder, die im Agogo Krankenhaus stationär behandelt werden. Wie die beiden Freiwilligen die ersten zwei Monate in Ghana erlebten, erzählten sie Georg Meyer, Afrika-Verbindungsreferent der EMS. Er traf die Freiwilligen zum Interview in Ghana.

Welche positiven Überraschungen habt ihr seit eurer Ankunft in Ghana Anfang September 2019 erlebt?

Carolin: Eigentlich hatte ich keine großen Erwartungen, bevor ich nach Ghana kam. Besonders beeindruckt hat mich aber schon, mit welcher Freundlichkeit die Leute mich aufgenommen haben. Außerdem hatte ich befürchtet, dass ich bis Weihnachten vor lauter Heimweh nur heulen würde, aber das Heimweh hat sich zum Glück schnell gelegt.

Anton: Ich hatte erwartet, als Europäer in Kumasi mehr aufzufallen, aber sogar beim Tro-Tro (Sammeltaxi) fahren falle ich nicht sonderlich auf. Vor meiner Ausreise wurde mir von vielen Menschen, aber auch von verschiedenen Medien, ein stereotypisches Bild von Ghana vermittelt. In der Regel waren das Vorurteile, die sich auf die Armut, den Hunger und die Müllhalden voller Elektroschrott beschränkten. Deshalb war ich von der vielfältigen Auswahl in den Geschäften überrascht. Vieles, das ich noch kurzfristig in Deutschland einkaufte, hätte ich auch hier vorgefunden.

Was bleibt für euch gewöhnungsbedürftig in eurem jetzigen Umfeld?

Anton: Am Anfang war es vor allem Fufu mit Ziegenfleisch. Mittlerweile habe ich Fufu, ein fester Brei aus Maniok oder Yams und Kochbananen, der hier mit allen möglichen Beilagen gegessen wird, auch essen gelernt. Außerdem tue ich mich schwer, wie hier mit Glaubensfragen umgegangen wird. Oft werden moralische Standpunkte oder sogar Vorverurteilungen über Verhaltensweisen, beispielsweise den Umgang mit Alkohol betreffend, verkündet, aber dann nicht dementsprechend im eigenen Leben umgesetzt. Es ist nicht leicht, in solcher Zwiespältigkeit zu leben.

Carolin: Bei mir ist es zunächst auch das Essen. Ich habe so meine Schwierigkeiten mit den vielen scharfgewürzten Speisen, die hier in Ghana zum Alltag gehören. Auch fehlt mir, dass ich wie zu Hause einfach Leitungswasser trinken kann.

Was wäre für euch ein guter Abschluss, ein Erfolgserlebnis, dass ihr euch für das Jahr in Ghana wünscht?

Anton: Ich hoffe, dass ich irgendwann nicht mehr „nur“ als Gast behandelt werde. Natürlich werde ich nie wie die anderen in meiner Gastfamilie dazugehören, aber ich hoffe, dass wir bald über die erste Freundlichkeit zu einer tieferen Beziehung kommen können, in der man offen und ehrlich sein kann. Ich wünsche mir, nicht nur in die schönen Aspekte des Lebens einbezogen zu werden, sondern auch die Alltagsprobleme und Sorgen meiner Gastfamilie kennenzulernen.

Carolin: Ich wünsche mir, dass ich mich irgendwann heimisch fühle und ghanaische Freundinnen und Freunde finde, mit denen ich Zeit verbringen kann, deren Alltag ich kennenlernen kann und deren Sicht zu bestimmten Themen mir neue Perspektiven eröffnet.

Das Gespräch führte Georg Meyer, Afrika-Verbindungsreferent der EMS.

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