25.07.19 | Aktuelles, Pressemeldungen

Zwei Bundestagsabgeordnete bei der Basler Mission Deutscher Zweig

7000 Unterschriften gegen das Vergessen in Kamerun.

Zur Lage in Kamerun diskutierten (v.l.) Dr. Joy Alemazung (GGI), Dieter Bullard-Werner (BMDZ), Dr. Christoph Hoffmann, MdB (FDP), Dr. Stefan Kaufmann, MdB (CDU) (Foto: EMS/Conzelmann)

Dass in Kamerun seit drei Jahren ein erbitterter Konflikt herrscht, dem schon über 2000 Menschenleben zum Opfer fielen und der mehr als eine halbe Million Menschen in die Flucht trieb, bleibt von den Medien in Europa weitgehend unbeachtet. Die Basler Mission Deutscher Zweig (BMDZ) hat in den letzten Wochen über 7000 Menschen für eine Unterschrift gewonnen, um die deutsche Politik auf die tödlichen Auseinandersetzungen aufmerksam zu machen.

Zwei Bundestagsabgeordnete, Dr. Stefan Kaufmann, MdB (CDU) und Dr. Christoph Hoffmann, MdB (FDP), bestätigten bei der Präsentation der Listen am Dienstag, 23. Juli 2019 den Standpunkt der Basler Mission, dass der deutschen Regierung eine Schlüsselfunktion bei der Lösung des Konfliktes zwischen dem anglophonen und frankophonen Teil des Landes zukommen kann. Deutschland beanspruchte Kamerun ab 1884 für 32 Jahre als seine Kolonie.

Dieter Bullard-Werner, der als Geschäftsführer die rund 30 Teilnehmenden in der Geschäftsstelle der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) im Stuttgarter Westen begrüßte, machte deutlich, wie „wichtig es ist, sich nicht schweigend weiterzubewegen und alles zu tun, damit der Konflikt gelöst wird.“ Dazu soll die von Pfarrer Johannes Stahl und Dr. Joy Alemazung initiierte Unterschriftenaktion beitragen sowie der von Johannes Stahl ins Leben gerufene „Brennpunkt Kamerun“, eine Webseite, auf der die mediale Resonanz des Konflikts widerhallt (https://brennpunktkamerun.org/).

Über ein Viertel der kamerunischen Bevölkerung ist evangelisch, von ihnen gehören rund eine Million zur Presbyterian Church in Cameroon (PCC). Schon seit 1886 hat die Basler Mission Verbindungen in das Land in der Mitte des Kontinents. Die Verbindungen sind vielfältig und so auch die Teilnahme an den Schicksalen tausender Menschen. Seit nunmehr drei Jahren sind die Kinder im englischsprachigen Westen aller Bildungschancen beraubt, wodurch die Zukunftsprognosen für die nachkommende Generation düster ausfallen. Wie dramatisch die Situation ist, machte der Vorsitzende der kamerunischen Gemeinde der PCC in Stuttgart, Eric Shu Fon auf sehr emotionale Weise deutlich: „Während wir hier sind, sterben Menschen in meiner Heimat, meine Verwandten leben wie tausende Andere im Busch und verstecken sich aus Angst vor den Milizen, sie haben kein Zuhause mehr, das darf nicht sein.“

Die Bundestagsabgeordneten Kaufmann und Hoffmann wollen sich beide dafür einsetzen, dass der Konflikt innerhalb der Regierung eine höhere Aufmerksamkeit bekommt. Dr. Christoph Hoffmann, der Kamerun kürzlich besuchte und die Ausmaße des Konflikts mit eigenen Augen sah, machte an einem eindrücklichen Beispiel deutlich, wie Angst und Misstrauen jeden Keim einer Lösung ersticken: „Mais darf nicht mehr angebaut werden, die Pflanze wächst zu hoch und würde sich für die Menschen als Versteck vor den heranrückenden Soldaten eignen.“ Sowohl er als auch Prince Mbaka Ebechue bestätigten, dass sich das kamerunische Parlament bis zum heutigen Tag nicht mit dem Konflikt beschäftigt. Hoffmann bedauerte, dass der Botschafter Kameruns in Berlin (74) nicht auf sein Gesprächsangebot reagierte. Dr. Stephan Kaufmann sieht die Verantwortung der Politik und will über Kanzleramtsminister Helge Braun weiterhin versuchen, die höchste politische Ebene anzusprechen. Alle waren sich darin einig, dass ein Dialog durch eine Moderation zwischen den Konfliktparteien erforderlich ist und ein erster Schritt zum Frieden wäre.

Klaus Rieth, Kirchenrat für Mission, Ökumene und Entwicklung von der Evangelischen Landeskirche hob hervor, wie die Kirche friedensfördernde Maßnahmen unterstützt und durch den Kontakt zur Basis einen direkten Zugang hat. Schließlich sei klar: „Die Seenotrettung beginnt in Kamerun!“

Die ganzen Ausmaße des Konflikts wurden auch bei den Worten des Politologen und Soziologen Dr. Joy Alemazung deutlich, der für das Global Governance Institute Brussels arbeitet: „Solange dieser Präsident (Paul Biya, Anm. d. Red.) da ist, gibt es keine Lösung für das Land.“ Als große Hoffnung und großes Glück sieht er es, dass sich in Deutschland „Menschen wie Sie“ für Kamerun einsetzen.

Termine

28.09.19 , Ev. Akademie Bad Boll
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04.10.19 , Hoffmans Höfe, Heinrich-Hoffmann-Straße 3, 60528 Frankfurt am Main
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