28.11.19 | Aktuelles, Pressemeldungen

Biblische Texte mit neuer Brisanz

Globalisierung ganz anders - wie Menschen weltweit die Bibel lesen

Wie bringt man Menschen aus 20 Ländern miteinander ins Gespräch? Indem sie dazu angeregt werden, die Bibel in die Hand zu nehmen und darin zu lesen! Kann das gelingen? Ja. In 15 Jahren haben sich weltweit 250 Gruppen gebildet und jeweils zwei sich (in „Tandems“) zusammengetan, um gleiche Bibeltexte aus ihrer Sicht zu betrachten.

Das jetzt bei der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) erschienene Buch „Die Bibel lesen mit den Augen anderer“ zeigt, dass sich dadurch ein großartiger Erfahrungsschatz aufgetan hat. Dr. Gabriele Mayer und Dr. Bernhard Dinkelaker haben in dem Band die vielseitigen konkreten Erfahrungen der Basisgruppen und die dadurch gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse lebendig, gründlich und praxisnah dargelegt – mit ganz praktischen Hinweisen zum Nachmachen!

Zahlreiche Menschen von Ettlingen bis Tokio oder Kumasi in Ghana – um nur drei Beispiele zu nennen – kamen sich auf diese Weise als Christ*innen näher, immer in zwei Partnergruppen. Manche hatten die Gelegenheit, sich in Workshops persönlich zu treffen. Diese Erfahrungen spiegelt das Buch wider. Und dabei kommen Theolog*innen aus den teilnehmenden Ländern in Asien, Afrika und Europa ebenso zu Wort wie die Menschen aus den Basisgruppen.

Da liest man von Panim Kim, einer Pfarrerin der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea, auf welchen Hintergrund die alttestamentliche Figur Ruth und deren Verhältnis zur Schwiegermutter in der südkoreanischen Gesellschaft stößt und der dort bislang so starken Rolle dieser Person. Oder findet das eigenes Erleben am Beispiel der wunderbaren Errettung des Moses im Schilfkörbchen für Jugendliche in Tokio– nämlich von der Mutter getrennt zu werden – eine biblische Anbindung.

Auf 148 Seiten wird die Vielfalt einer 15-jährigen gemeinsamen Reise greifbar, wie biblische Texte in die jeweils unterschiedlichen Leben hineingesprochen haben und durch den Austausch eine globale Gemeinschaft gewachsen ist. In den Erfahrungen – die 2018 in einen internationalen Fachworkshop in Bangalore (Indien) zur interkontextuellen Hermeneutik einflossen – „verknüpfen die teilnehmenden Wissenschaftlerinnen den partizipativen Bibelaustausch mit akademischer Reflexion“, wie die Herausgebenden schreiben. Gabriele Mayer wurde beeindruckt davon, „welch interkulturelle Lernerfahrungen möglich und spirituellen Schätze durch die Graswurzel-Gruppen sichtbar geworden sind.“

So ist ein Buch entstanden, von dem man beim Projektbeginn 2004 noch nicht ahnen konnte, welch wichtiges Zeichen es heute setzen würde. In einer Zeit, in der nationalistische und isolationistische Sichtweisen Gewicht gewinnen, ist der Band ein Zeugnis davon, dass es nicht die eine (biblische) Wahrheit gibt. Es spiegelt wider, wie die kulturellen, soziologischen, ethnischen, religiösen Brillen, mit denen biblische Texte gelesen werden, den alten Texten neue Brisanz verleihen und Dimensionen hinzufügen. Und, dass Vielfalt Arbeit bedeutet, aber reich macht.

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Pressekontakt: Jörg Conzelmann, Leiter Stabsstelle Kommunikation, conzelmann@ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 11, Mobil +49 178 636 78 36

Auskunft: Gabriele Mayer, Leiterin Stabsstelle Gender / Leiterin Fachbereich Interkulturelle Bildungsarbeit, mayer@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 38

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