29.07.19 | Aktuelles

„Wenn Du nach Deutschland gehst, dann nimm mich mit!“

Was denken junge Ghanaer über Europa?

Warum ist das Ausland so attraktiv für junge Ghanaer? Damit setzt sich Rafael Dreyer in der vierten Ausgabe der Nachrichten der Basler Mission auseinander. Der Pfarrer arbeitet als Ökumenischer Mitarbeiter in Accra und hat auch junge Menschen vor Ort befragt.

Eine Umfrage des amerikanischen Pew Research Center von 2017, die auf persönlichen Interviews basiert, zeigt, dass 75 Prozent der Ghanaer in ein anderes Land ziehen würden, wenn sie die Mittel und die Gelegenheit dazu hätten.

Auf dem Foto vor der alten Burg in Elmina, einer ghanaischen Stadt am Meer, ist ein junger Mann abgebildet, der bereits versucht hat, illegal über Libyen nach Italien zu reisen. Er wollte in Frankreich Fuß fassen. Er zahlte Tausende von Euros an Schlepper, die ihn nach Nordafrika brachten. Als er mit anderen auf einem kleinen überfüllten Boot im Mittelmeer saß, war die See so rauh, dass sie umkehren mussten. An der libyschen Küste angekommen, wurden die Bootsinsassen von libyischen Grenzschutztruppen gefasst. Er landete für sieben Monate im Gefängnis, wo er übel misshandelt wurde. Nun ist er zurück in Elmina, wo früher Sklaven nach Amerika verschifft wurden. Hier stellt er kleine Souvenirs für Touristen her. Er würde es sofort wieder versuchen, nach Frankreich zu gelangen, dann aber über Marokko und Spanien.

Die Pew-Studie zeigt, dass in Ghana 42 Prozent und in Nigeria 38 Prozent der Befragten beabsichtigen, in den nächsten fünf Jahren in die USA oder nach Europa zu ziehen, während es in Tansania vergleichsweise wenige sind, nur acht Prozent. Von den Ghanaern, die in den nächsten Jahren auswandern möchten, gaben 41 Prozent an, in die USA gehen zu wollen. 30 Prozent bevorzugten ein Land in der EU. 1.7 Millionen Ghanaer haben 2015 einen Antrag gestellt, um bei der Visa-Lotterie der USA ein Visum zu erhalten. Das sind sechs Prozent der ghanaischen Bevölkerung. Weltweit werden aber nur 50.000 dieser US-Visas vergeben. Von den befragten Ghanaern gaben 51 Prozent an, Freunde oder Verwandte in europäischen Ländern zu haben, mit denen sie regelmäßig in Kontakt stehen.

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