29.10.19 | Aktuelles

„Die Männer haben die Vorteile erkannt“

Angeline Njotu stellt die Frauenförderung der PCC in Kamerun vor.

Angeline Njotu ist Representative des WEELP (Women‘s Economic Empowerment & Literacy Project) der Presbyterian Church in Cameroon (PCC) (Foto: BMDZ/Dietrich).

Im englischsprachigen Westen von Kamerun gibt es sehr viele Rohstoffe, unter anderem Erdöl und Holz. „Doch nicht jeder profitiert davon“, sagt Angeline Njotu. Als Repräsentantin eines Frauenförderprogramms hat sie einen großen Koffer voll ganz anderer Rohstoffe mit nach Stuttgart gebracht.

Die unglaublich stabile Blumenvase ist aus lauter Perlen aufgebaut, die mit einem dünnen Nylonfaden verknüpft sind. So ist auch der Topfuntersetzer entstanden, in dem etwa drei Tage Handarbeit stecken. Im Koffer sind handgefertigte Sandalen enthalten, dazu mehre Batikkleider, wie sie Angeline Njotu auch selbst trägt.

Im „Women‘s Economic Empowerment & Literacy Project” (WEELP) der Presbyterian Church in Cameroon (PCC) lernen Frauen, wie sie solche Dinge herstellen und auf lokalen Märkten verkaufen können. Es sind weniger gebildete, selbstständige Frauen aus ganz verschiedenen Religionen. Die Kurse sind für sie kostenlos, sie werden von der Basler Mission Deutscher Zweig (BMDZ) in der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) unterstützt. Die Frauen lernen in den Kursen während zwei Jahren auch die Grundlagen des Lesens und Schreibens. Denn viele Frauen konnten als Kind nie zur Schule gehen. „Früher haben die Eltern ihren Jungs mehr Möglichkeiten gegeben, doch das ändert sich“, sagt Angeline Njotu. Es gebe noch immer Eltern, die ihre Töchter nicht zur Schule schicken, aber das sei inzwischen die Minderheit. „Aber in manchen Gegenden kommen vor allem Jungs an die Spitze, obwohl Jungs und Mädchen gleich gestartet sind.“

Die PCC kooperiert mit Schulen, nutzt am Abend die Schulräume. Durch die Kurse werden die Lebensbedingungen der Frauen verbessert, sie tragen nun zum Familieneinkommen bei, werden finanziell unabhängig und Herrin ihrer eigenen Entscheidungen. Sie lernen, wie sie neue Produkte entwickeln, Märkte und Kunden finden und mit ihren Finanzen umgehen.

Seit dem Start des Programms im Jahr 2009 hat es bereits 3670 Frauen geholfen. Und einigen Männern. „Ein paar Männer hatten auch Interesse, wir haben sie nicht hinausgeworfen“, sagt Angeline Njotu.

Doch was sagen die anderen Männer dazu, wenn ihre Frauen in diese Kurse gehen? Bei dieser Frage lacht Angeline Njotu herzlich. „Wir beziehen die Männer von Anfang an ein. Wir hatten einige Fälle von muslimischen Männern, die zögerten oder widerstanden. Aber sie waren am Anfang der Kurse dabei, dann haben auch diese Männer deren Vorteile erkannt.“

Johannes Stahl, BMDZ, Tel. 0711/636 78 -25, jstahl@dont-want-spam.ems-online.org
Peter Dietrich, Freier Journalist, Tel. 07153/894 07 15, peter.dietrich@dont-want-spam.journalist-pd.de