24.04.14 | Aktuelles

Schuldbekenntnis japanischer Christen zu Fukushima

Aufforderung zu Buße und Umkehr

Rev. Hideo Ishibashi (2. v. rechts), Moderator der UCCJ, beim Gedenkgottesdienst in Sendai (Foto: Patrick Schnabel)

"Vor Gott und den Menschen bekennen wir, dass es unsere Sünden gegen Gott sind, die zu dieser nuklearen Katastrophe geführt haben." Mit einem Schuldbekenntnis schloss die internationale Konferenz "Gegen den Mythos von der Sicherheit atomarer Energie", an der im März Christinnen und Christen in Sendai nahe Fukushima (Japan) teilnahmen. Auf Einladung der Vereinigten Kirche Christi in Japan (KYODAN), einer Mitgliedskirche der EMS, waren etwa 200 Teilnehmende aus Japan, Taiwan, Korea, Neuseeland, USA, Schweiz und Deutschland nach Sendai gekommen, um der Dreifachkatastrophe zu gedenken.

Zu den sieben Sünden, so heißt es in der Abschlusserklärung, gehörten auch Habgier, Verantwortungslosigkeit und Faulheit: "Wir haben keine Anstrengungen unternommen, die "unbequeme Wahrheit" zu erfahren. Obwohl wir wussten, dass der von Staat und Energiegesellschaften verfolgte Weg gefährlich war, haben wir unkritisch angenommen, was sie uns glauben machen wollten." In einer Kultur, in der die Folgen der Atomkatastrophe allgemein heruntergespielt werden, ist das ein mutiges Bekenntnis der japanischen Kirche gegen die Nutzung von Atomenergie und -waffen.

Der Moderator der UCCJ, Rev. Hideo Ishibashi, dankte der EMS und den anderen Kirchen und Missionen für ihre Solidarität angesichts der Dreifachkatastrophe, die Ostjapan im März 2011 getroffen hatte. "Wir haben in Japan die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki erlebt und den schweren Unfall im AKW Fukushima Daiichi", sagte Rev. Ishibashi. "Ich bin davon überzeugt, dass die Menschheit nicht mit Nukleartechnologien ko-existieren kann. Diese können die ganze Welt, die Gott geschaffen hat, zerstören."

Zu den Teilnehmenden der Konferenz gehörten auch Ulrike Schmidt-Hesse, stellvertretende Generalsekretärin der EMS, Sabine Kluger, württembergische Pfarrerin und Ökumenische Mitarbeiterin der EMS in Japan, Vertretende weiterer Kirchen der EMS-Gemeinschaft und Dr. Dörte Siedentopf, Ärztin aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und Vorstandsmitglied der Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkrieges (IPPNW). "Die Christen in Japan läuten die Alarmglocken für die Kirchen weltweit. Wir sind aufgerufen, eine Zivilisation ohne Atomwaffen und ohne Atomenergie zu entwickeln", sagte Schmidt-Hesse. "Im Komitee zur Vorbereitung der Schlusserklärung haben wir um die theologische Deutung der Katastrophe gerungen. Dies war ein spirituell und interkulturell hoch interessanter Prozess."

Die Teilnehmenden aus acht Ländern formulierten: "Gott fordert uns auf, Buße zu tun und umzukehren zum Leben. Als internationale Gruppe haben wir das Schuldbekenntnis der japanischen Christen gehört und über unsere eigene Mitverantwortung für sündige ökonomische und ökologische Systeme nachgedacht, die Gottes gute Schöpfung und das Leben unserer Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt bedrohen."

Termine

23.02.18 , Hospitalhof Stuttgart
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