25.04.16 | Aktuelles

Nigerianische Kirche steht vor entscheidendem Punkt

Vergangene Woche berichtete Pfarrer Ephrahim Kadala, friedensstiftender Koordinator der Kirche der Geschwister in Nigeria (EYN), auf der badischen Landessynode über die aktuelle Lage in Nigeria

Ephrahim Kadala (links) erzählt aus Nigeria, Riley Edwards-Raudonat übersetzt. (Foto: Wolfgang Krauss)

"Wir nennen unsere Trauma-Workshops 'Kathedralen der Tränen'", erzählte Ephrahim Kadala auf der Frühjahrstagung der Landessynode der Evangelischen Kirche in Baden, die vom 19.-23. April stattfand. Es gibt keinen Zweifel daran, dass Tränen in Hülle und Fülle fließen, wenn Täter und Opfer einen Tag damit verbringen, ihre Erlebnisse zu erzählen. Doch für Kadala ist dies ein Kernstück im Prozess der Trauma-Heilung. "Muslime und Christen, Menschen, die mit Boko Haram kooperiert haben und deren Opfer, bringen wir für diesen Prozess bewusst zusammen. Wenn wir diese Menschen in den Workshops miteinander konfrontieren, wird es sehr schwierig", so der Nigerianer. "Die Opfer haben schließlich nicht nur ihre Häuser und Heimat verloren, sondern mussten in vielen Fällen auch die brutale Ermordung geliebter Menschen mitansehen. Die Täter geben zu, dass sie diese Dinge getan haben, aber sagen, sie hatten keine Wahl. Denn sonst wären sie selbst von Boko Haram ermordet worden."

Zusammen mit neun Mitgliedern seiner Kirche, reiste Kadala nach Ruanda, um zu sehen, wie dort Traumata geheilt werden. Er glaubt fest daran, dass die Workshops der richtige Weg sind, Frieden zu erlangen. "Es gibt keine Alternative zu einem friedlichen Zusammenleben mit unseren muslimischen Brüdern und Schwestern. Deshalb müssen wir unsere Traumata zusammen bewältigen." Gleichzeitig sieht er die aktuelle Krise mit Boko Haram als den "entscheidenden Moment" in der 90-jährigen Geschichte seiner Kirche. "Unsere Jugend heißt die pazifistische Position unserer Kirche nicht immer gut. Wir lehren sie, die andere Wange hinzuhalten. Aber heutzutage antworten sie: 'Wir hielten die andere Wange hin, aber dann kam Boko Haram und köpfte uns. Wenn wir keinen Widerstand leisten, werden sie uns zerstören.'"

Doch für den Pfarrer aus Nigeria ist die Auslegung dieser Position ein Missverständnis. "Die andere Wange hinhalten bedeutet nicht, sich mit Füßen treten zu lassen. Es ist ein Weg, unsere Widerstandsfähigkeit zu stärken. Es ist eine bewegliche Antwort auf die Steifheit der Gewalt." Auf die Frage von Delegierten der Synode antwortete Kadala: "Obwohl mehr als eine Millionen Mitglieder unserer Kirche vertrieben worden sind, glauben wir, dass uns Gott hier platziert hat, um diese Krise zu lösen. Deshalb sind wir in Nigeria oder den Nachbarländern geblieben und haben nicht versucht, nach Europa zu fliehen. Doch wir brauchen Hilfe, denn die nigerianische Regierung verwehrt uns ihre Unterstützung. Durch die Unterstützung von Mission 21 in Basel und der Kirche der Geschwister in Amerika, haben wir materielle Hilfe erhalten - Essen, Kleidung, Baumaterial und Haushaltswaren. Aber es ist nicht genug, um die Nachfrage zu decken. Deshalb bitten wir euch, uns in dieser schwierigen Zeit zu helfen, in der wir versuchen, Gottes Willen zu befolgen."

Die EMS unterstützt über die Basler Mission - Deutscher Zweig das Projekt "Not- und Aufbauhilfe in Nigeria".

Riley Edwards-Raudonat

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