26.04.16 | Aktuelles, Drei Fragen an

Drei Fragen an...

Pfarrer Solomon Paul Benjamin, den neuen EMS-Verbindungsreferenten für Ostasien und Indien

In der EMS-Geschäftsstelle wurde Solomon Paul Benjamin herzliche empfangen. (Foto: EMS/Heiligers)

Viele Jahre lang arbeitete Pfarrer Solomon Paul Benjamin für den Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM), arbeitete mit der Kirche von Nordindien und der Kirche von Südindien zusammen und war zuletzt als Geschäftsführer für den Verband der christlichen Kinder- und Jugendhilfe tätig. Seine neue Arbeitsstelle führt ihn nach Stuttgart. Hier wird der 57-Jährige in die Fußstapfen von Lutz Drescher treten und ist der neue EMS-Verbindungsreferent für Ostasien und Indien sowie Geschäftsführer der Deutschen Ostasienmission.

Sie haben 32 Jahre für den CVJM gearbeitet. Welche Aufgaben haben Sie in dieser Zeit übernommen?

Während meiner Zeit beim CVJM habe ich in vielen verschiedenen Bereichen gearbeitet. Unter anderem mit Straßenkindern, für den interreligiösen Dialog oder bei Gemeindeprojekten zur Stärkung von Frauen.

Meine Hauptaufgabe bei meiner Arbeit mit den Straßenkindern war es, so viele Kinder wie möglich in die Gesellschaft zu integrieren. Durch unsere Hilfe, konnten Straßenkinder normale Schulen besuchen, andere absolvierten Ausbildungen. Viele von ihnen arbeiten heute beispielsweise als Mechaniker oder als Kurier. Außerdem halfen wir den Kindern, Geld zu verdienen, in dem sie der Stadt halfen, die Straßen sauber zu halten und wir starteten Kampagnen, um auf die Situation der Straßenkinder in Indien aufmerksam zu machen. Zusammen mit der Regierung, Nichtregierungsorganisationen, der Polizei und anderen versuchten wir die Lebensumstände der Straßenkinder nachhaltig zu verbessern.

Eine sehr intensive Zeit erlebte ich während meiner Arbeit für den interreligiösen Dialog zwischen Muslimen und Hindus in Hyderabad. Natürlich war das größte Ziel, Frieden in die Stadt zu bringen. Doch es war eine sehr schwere Zeit, in der ich viele Morde mitansehen musste. Menschen brachten sich aufgrund ihres religiösen Fanatismus um. Mein Team versuchte, Harmonie zwischen Muslimen und Hindus zu schaffen, indem es ein Programm für Frieden und Versöhnung auf die Beine stellte. Es dauerte sechs Jahre, bis ein junger Muslim und ein junger Hindu miteinander Tischtennis spielten. Aber heute gibt es ein Friedenszentrum in Hyderabad. Dort finden Workshops statt und viele Menschen - Hindus, Christen und Muslime - besuchen das Zentrum. Zudem gibt es heute gemeinsame Schulen für Kinder verschiedener Religionen.

Außerdem arbeitete ich als Leiter des indischen CVJM in London und war anschließend als Dozent an der internationalen CVJM Hochschule in Kassel tätig.

Warum ist Ihnen ökumenisches Engagement und interreligiöser Dialog wichtig?

Interreligiöser Dialog ist der Schlüssel zum Herz der Mission, denn "Gott ist kein Christ". Das ist der Name eines Buchs des Friedensnobelpreisträgers und Friedensaktivisten Erzbischof Emeritus Desmond Tutu. Gott ist ein Gott für alle Menschen. Wir können Gott nicht auf unsere Kirche beschränken. Er ist ein Gott des Universums, ein Gott des Friedens und der Menschen. Wir können ihn durch die Augen aller Menschen sehen, ob sie Christen, Muslime oder Hindus sind. Und Ökumene ist ein Pilgerweg, der gegenseitigen Respekt, Liebe und den Willen, Unterschiede zu akzeptieren, beinhaltet, um eine Gemeinschaft unter Menschen zu schaffen.

Dialog kann zwei Dinge meinen: Konversion und Konversation. Konversion bedeutet, dass du versuchst, mich zu verändern. Damit ich werde wie du und mich selbst verliere. Konversation hingegen bedeutet, dass man Ideen und Gefühle austauscht und gegenseitig respektiert. In meinen Augen ist Dialog eine Konversation und deshalb ist der interreligiöse Dialog so wichtig für mich.

Wie möchten Sie Ihre Erfahrungen in die Arbeit bei der EMS einbringen? Was für Ziele möchten Sie erreichen?

Die Kirche und Missionsgesellschaften wie die EMS engagieren sich sehr in der Gesellschaft. Gleichzeitig versuchen wir, die Probleme und Herausforderungen der Gesellschaft in die EMS zu tragen. Ich glaube, dass dies der beste Weg ist, die Kirche und die EMS zu einer Bewegung zu machen, nicht zu einer Institution. Ich möchte mit allen Kulturen zusammenarbeiten. Wir möchten Grenzen durchbrechen und Brücken bauen, um eine neue Gemeinschaft von Menschen zu schaffen. Wir wollen die Mission der EMS in die Häuser der Menschen bringen, sodass die EMS eine Haustür-Mission wird.

Das Interview führte Elisa Heiligers

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