18.10.18 | Aktuelles, Pressemeldungen

Solidarität der EMS-Mitgliedskirchen für Sulawesi ist überwältigend

Wenn der Boden unter den Füßen schwankt

Kirchengebäuder der Protestantisch-Indonesischen Kirche in Donggala (Foto: EMS/Hariawang)

„Schlimmer noch als Erdbeben und Tsunami waren die Bodenverflüssigung und die damit verbundenen Schlamm-Massen, die alles niederwalzten, Straßen in Puzzleteile zerlegten, Menschen und Gebäude in Sekundenschnelle verschluckten,“ so fasst Hans Heinrich, der Verbindungsreferent der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), die Aussagen von Überlebenden der Katastrophe am 28. September 2018 zusammen. Die Hafenstadt Palu sowie die Region Donggala und damit die Protestantisch-Indonesische Kirche in Donggala (GPID), eine der neun indonesischen Mitgliedskirchen der EMS, wurden massiv betroffen.

Der Ort Jono’oge in der Nähe von Palu verschwand in den Schlamm-Massen, etwa 1.700 Häuser. Die Kirche und das kirchliche Ausbildungszentrum von Jono’oge, in dem sich zu diesem Zeitpunkt etwa 160 Schülerinnen und Schüler zu einem Bibelcamp befanden, wurden mit dem Schlammstrom mitgerissen und schließlich vom Erdboden verschlungen. Von etwa 40 Jugendlichen fehlt noch immer jede Spur, die anderen konnten sich in einer dramatischen Aktion retten. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hatte in den vergangenen Jahren die Fortbildungen in diesem Zentrum mitfinanziert.

Die Hilfsmaßnahmen der indonesischen EMS-Kirchen begannen bereits einen Tag nach dem Erdbeben. Mehrere Lastwagen-Konvois mit Hilfsgütern und medizinischen Notfallteams der benachbarten Kirchen erreichten Palu auf dem Landweg. Andere indonesische Mitgliedskirchen der EMS brachten u.a. durch Kollekten hohe Summen zur Unterstützung zusammen. Die deutschen EMS-Kirchen, viele Kirchengemeinden und private Spenderinnen und Spender haben in den vergangenen zwei Wochen mehr als 100.000 Euro für Soforthilfe und Wiederaufbau aufgebracht.

Die Soforthilfe richtet sich an die gesamte Bevölkerung, unabhängig von Religion oder Kirchenzugehörigkeit. Die Hilfsgüter – vor allem Reis, Wasser, Speiseöl und Zucker, Medikamente und Kleidung – werden in sogenannten Poskos angenommen, gelagert und an die Bedürftigen verteilt. Sowohl staatliche Stellen, als auch christliche Kirchen, muslimische Gemeinden und indonesische Hilfsorganisationen unterhalten solche Koordinationsbüros in den betroffenen Gebieten. Hier wird auch medizinisches Personal stationiert.

Auch für die Donggala-Kirche selbst steht zurzeit noch die Nothilfe im Vordergrund. Kirchenpräsident Alexander Rondonuwu: „In den nächsten Monaten wird die Versorgung mit Nahrungsmitteln ein Problem sein. Die Felder sind zerstört, die anstehende Ernte ist vernichtet.“ Die GPID will aus den eingegangen Geldspenden Reis kaufen und einlagern, um bei Bedarf schnell reagieren zu können. Neben den Bauern brauchen vor allem die Menschen Hilfe, die nicht über ein festes Einkommen verfügen.

Darüber hinaus hat die GPID noch ganz andere Probleme: „Die Kirchenleitung kann über die nächsten Monate die Gehälter der Pfarrerinnen und Pfarrer sowie der Angestellten nicht bezahlen, weil die Gemeinden vorerst nicht die Finanzkraft haben werden wie bisher. Die Gemeindeglieder brauchen ihre Ersparnisse und ihre Einnahmen selbst, um Schäden zu reparieren oder Neues aufzubauen.“ Die Kirche ist daher auf Hilfe von außen angewiesen. Für sie ist außerdem der Wiederaufbau des Bildungszentrums von Jono’oge ganz wichtig, als Herz der Kirche, als Identifikationsort – wenn auch an anderer Stelle als bisher. „Wir müssen sehr bald schon wieder Treffen für Pfarrerinnen und Pfarrer, Diakone, Prädikanten und die verschiedenen kirchlichen Arbeitsbereiche durchführen und damit die spirituelle Dimension des Kirche-Seins stärken,“ betont der Kirchenpräsident.

Alle drei von der EMS zurzeit unterstützten Projekte der Donggala-Kirche wurden zerstört. Sowohl die theologische als auch die kirchenmusikalische Ausbildung junger Menschen haben im versunkenen Bildungszentrum in Jono’oge stattgefunden. Vier Teilnehmende des Kirchenmusikkurses kamen beim Erdbeben ums Leben, alle Instrumente sind unter dem Schlamm begraben. Im dritten Projekt – Tierzucht als Weg aus der Armut - wurden Gebäude und Felder völlig verwüstet.

Solidarität aller EMS-Mitgliedskirchen für Sulawesi ist überwältigend. Die EMS-Geschäftsstelle organisiert gemeinsam mit den Mitgliedskirchen in Indonesien die Nothilfe und wird zusammen mit ihnen auch die GPID in der anschließenden Wiederaufbauhilfe unterstützen. Um möglichst bald wieder funktionsfähig zu sein und um Schritt für Schritt wieder in die Normalität zurückzukehren, ist die Donggala-Kirche dringend auf unsere weitere Hilfe angewiesen, denn es wird Monate, wahrscheinlich Jahre dauern, bis der Wiederaufbau Erfolge zeigen wird.

Das Erdbeben der Stärke 7,5 auf der Richterskala, die Überflutungen und die Schlammströme haben bisher mehr als 2.000 Menschenleben gefordert. 5.000 Menschen werden noch immer vermisst und liegen vermutlich unter dem Schlamm begraben. Mehr als 68.000 Häuser wurden beschädigt.

Pressekontakt:
Regina Karasch-Böttcher, karasch@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 85

Auskunft:
Hans Heinrich, heinrich@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 178 62 000 54,
Verbindungsreferent für Indonesien (zurzeit in der Region unterwegs)