08.03.16 | Aktuelles, Pressemeldungen

Auch fünf Jahre danach ist nichts vergessen

Kirchen in Japan stehen weiterhin auf der Seite der Opfer der Dreifach-Katastrophe

"Vergessen Sie uns nicht, wenn Sie nach Deutschland zurückgehen - und hören Sie nicht auf, über die Situation in Fukushima zu sprechen!" diese Bitte bekam die württembergische Pfarrerin Sabine Kluger mit auf den Weg, als sie im vergangenen Monat in Fukushima im Nordosten Japans verabschiedet wurde. Drei Jahre lang hatte sie als Ökumenische Mitarbeiterin der EMS in den von der Dreifach-Katastrophe betroffenen Gebieten schwerpunktmäßig mit Projektpartnern der EMS zusammen gearbeitet. Die Vereinigte Kirche Christi in Japan (KYODAN) ist Mitglied nicht nur der EMS, sondern auch des Nationalen Christenrates in Japan (NCCJ).

Die Auswirkungen des Erdbebens am 11. März 2011, des nachfolgenden Tsunami und der Reaktorexplosion trafen weite Landesteile, auch über die Region Fukushima hinaus. Auf Hunderten Kilometer Küstenregion am Pazifik wurden nicht nur Häuser dauerhaft zerstört, sondern durch das Meerwasser auch landwirtschaftliche Nutzflächen auf Jahre hinaus unbrauchbar und weite Gebiete durch radioaktiven Fallout verseucht. Japan hat sich - Sabine Klugers Eindruck nach - auch fünf Jahre danach noch nicht erholt.

Die württembergische Pfarrerin hat im Rahmen ihres Engagements die Situation der betroffenen Menschen immer wieder erlebt. Viele Orte seien von den Behörden für sicher erklärt worden, auch wenn etliche Einwohner dieser Einschätzung nicht folgten. "Mütter erzählten uns, dass sie für ihre Kinder teure Nahrungsmittel kaufen, die nicht in Fukushima angebaut wurden. Trotzdem haben die Kinder häufig Nasenbluten und eine verminderte Immunabwehr. Beides bessert sich, wenn sie Ferien in einer anderen Präfektur machen, aber es wird nach der Rückkehr wieder schlimmer."

Sabine Kluger arbeitete u.a. bei Tohoku HELP mit, einer ökumenischen Partnerorganisation der EMS in der Region Sendai, die eine Woche nach der Dreifachkatastrophe gegründet wurde, um Hilfsmaßnahmen für die betroffene Bevölkerung zu koordinieren. Dazu gehören u.a. Freiwilligeneinsätze und die Unterstützung der Tsunami-Überlebenden in den Notunterkünften, die von der japanischen Regierung bald geschlossen werden sollen. Viele Bewohner sind bereits in neu erbaute Wohnungen in der Nähe gezogen. Andere fanden anderswo eine neue Arbeitsstelle und Wohnung oder zogen zu Verwandten. Unterstützung bei der Arbeitssuche und am neuen Wohnort für Menschen, die wegen der Strahlenbelastung fortziehen wollen, wird demnach in Zukunft ebenso zur Arbeit von Tohoku HELP gehören wie finanzielle Hilfe.

Die württembergische Landeskirche hat Tohoku HELP und andere Hilfsorganisationen mit einem Betrag von einer Million Euro in den vergangenen fünf Jahren unterstützt. Mit diesen Geldern wurden zum Beispiel Ferienaufenthalte für Kinder und für Familien in unbelasteten Regionen finanziert, ein Indoor-Spielplatz für Kinder, die wegen der radioaktiven Belastung nur selten draußen spielen können, und Seelsorge in Notunterkünften und Neubaugebieten. Strahlenmessungen von Nahrungsmitteln, Bodenproben und Wasser sind weiterhin nötig und werden mit Geräten durchgeführt, die mit Hilfe der EMS angeschafft wurden. Die Kirche und die Gruppen vor Ort bemühen sich, die Arbeit so gut wie möglich fortzuführen, auch wenn die Hilfsgelder und Spenden stark zurückgegangen sind.

Der japanische Staat hingegen tut alles, um die Strahlungsfolgen im eigenen Land unter den Tisch fallen zu lassen. Über Radioaktivität kann in Sendai so gut wie nicht öffentlich gesprochen werden. Der soziale Druck ist hoch, haben doch die Behörden Sendai für sicher erklärt. Im Ort Watari - etwa eine Autostunde von Sendai entfernt - sagte der dortige Pfarrer zu Sabine Kluger: "Wir sprechen eigentlich nur darüber, wenn Sie kommen - oder die Kollegen von Tohoku HELP. Auch in der Familie reden wir selten davon - aber ich weiß, dass meine Frau das Thema immer im Herzen trägt."

Pressekontakt:
Regina Karasch-Böttcher, karasch@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 85, +49 178 6200052

Auskunft:
Lutz Drescher, drescher@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 30

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