18. 12. 2013 | Archiv 2013

Friedenskirche in Nordnigeria von „Boko Haram“ attackiert

Deutsche und Schweizer Partner rufen zum Gebet auf

Anfang November sind kirchliche Einrichtungen und Mitglieder der nigerianischen "Kirche der Geschwister" in den Orten Ngoshe und Gavva im Norden Nigerias zu Zielscheiben brutaler Angriffe geworden. Diese Nachricht konnte erst jetzt von Augenzeugen vor Ort bestätigt werden. Die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) in Stuttgart und mission 21 in Basel arbeiten beide mit der nigerianischen "Kirche der Geschwister" zusammen. Sie sind bestürzt über die Lage vor Ort und rufen zum Gebet auf.

Am 4. November sind in Ngoshe eine Kirche und zahlreiche Wohnhäuser geplündert und anschließend in Brand gesetzt worden. "Die so angegriffenen Christen leisteten Widerstand", teilt Markus Gamache, Verwaltungsleiter der nigerianischen "Kirche der Geschwister" (Church of the Brethren, EYN) ihren beiden Partnerorganisationen in Deutschland und der Schweiz mit.

Dabei seien auch Wohnhäuser von muslimischen Familien sowie der Palast des traditionellen muslimischen Oberhauptes der Region in Flammen aufgegangen, so Gamache: "Infolgedessen gab es insgesamt mindestens neun Tote; zwei davon waren Mitglied unserer Kirche. Am 14. November erfolgte ein weiterer Angriff auf den Ort Gavva, bei dem eine zweite Kirche und weitere Wohnhäuser geplündert und abgebrannt wurden. Die Angriffe sind von der islamistischen Terrorgruppe 'Boko Haram' ausgegangen."

"Die Angriffe sind auch deshalb besonders schmerzlich, weil es genau die Ortschaften Ngoshe und Gavva waren, in denen die Basler Mission 1959 ihre Arbeit in Nigeria aufgenommen hat", sagt Riley Edwards-Raudonat, Afrikaverbindungsreferent der EMS. "Es ist schwer zu glauben, dass eine Arbeit, die so hoffnungsvoll begonnen hat und an der so viele Menschen Anteil genommen haben, nun in Flammen aufgeht", so Edwards-Raudonat weiter: "Außerdem ist die 'Kirche der Geschwister' von ihrer Tradition her eine Friedenskirche, die in Anlehnung an die Bergpredigt Jesu jegliche militärische Gewalt strikt ablehnt. Angriffe auf die EYN machen uns fassungslos."

"Wir stellen mit Bestürzung fest, wie die Terrorgruppe Dörfer von staatlicher Obrigkeit 'befreit' und ihre Flagge über Orte hisst", sagt Jochen Kirsch, Programmverantwortlicher Nigeria bei mission 21 in Basel. "Gemeinden feiern ihre Gottesdienste in Nordnigeria in ständiger Angst vor Anschlägen und oft nur unter dem Schutz von Polizei und Militär. Und auch die kirchliche Programmarbeit sieht sich vielerorts einer ständigen Bedrohung ausgesetzt." Kirsch sagt weiter: "Hauptgegner von Boko Haram sind nicht Christen, sondern der Staat mit seinen Verwaltungs-, Sicherheits- und Bildungseinrichtungen. Damit werden nach wie vor mehr Muslime als Christen Opfer der alltäglichen Gewalt durch Boko Haram: zum Beispiel Sicherheitskräfte, Beamte oder einfach Kinder, die morgens in die Schule gehen."

Die nigerianische Regierung bekämpft die Gruppe mit einem massiven Einsatz von Polizei und Militär. "Auch die Sicherheitskräfte verstoßen dabei immer wieder gegen Menschenrechte und haben dadurch 'Boko Haram' bisher eher gestärkt als geschwächt", so Jochen Kirsch.

 

Pressekontakte:
Corinna Waltz
, waltz@ems-online.org, Tel. +49 711 636 78 77, +49 178 62 000 53
Anna Wegelin
, anna.wegelin@mission-21.org, Tel. +41 61 260 22 49, +41 76 588 30 06

Auskunft:
Jochen Kirsch
, Programmverantwortlicher Nigeria mission 21, jochen.kirsch@mission-21.org; Tel. +41 61 260 23 06

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