Jordanien: Integrative Blindenschule in Irbid

Viele Eltern in Jordanien schämen sich für ihre blinden Kinder und verstecken sie zu Hause. Eine integrative Schule in Irbid schenkt den Kindern Perspektiven – mit Aufklärung und guter Bildung.

Stellen Sie sich vor, wie klein die Welt ist, wenn sie durch vier Wände begrenzt ist. Es ist eine sehr einsame Welt wie sie blinde Kinder in Jordanien erleben. Die Gesellschaft empfindet sie oft als Schande, weshalb sie von ihren Eltern zu Hause versteckt werden. Doch ohne Schulbildung haben die Mädchen und Jungen keine Möglichkeit, jemals selbstständig zu leben oder zu arbeiten. Die integrative Blindenschule "Arab Episcopal School" in Irbid unterrichtet deshalb blinde und sehende Kinder gemeinsam.

Im Unterricht erhalten die blinden Kinder Hilfsmittel wie beispielsweise Lernmaterial in geprägter Braille-Schrift. Dafür besitzt die Schule einen speziellen Braille-Drucker. In der Bücherei stehen Bücher in Braille-Schrift ganz selbstverständlich neben Büchern für Sehende. Und es gibt "sprechende Computer", die die sehbehinderten und blinden Schülerinnen und Schüler über die Sprachausgabe benutzen. Kein Wunder, dass sich die Kinder an ihrer Blindenschule respektiert und geborgen fühlen. Das Schulpersonal traut ihnen zu, dass sie genau wie die anderen lesen und schreiben lernen und sie auch all die anderen Fächer, die auf dem Stundenplan stehen, besuchen.

Sehende und blinde Kinder lernen gemeinsam

Das integrative Konzept ist in der Region einzigartig. Zwei Drittel der Schulkinder können sehen, ein Drittel ist sehbehindert oder blind. Das gemeinsame Schulbankdrücken schweißt sie alle zusammen: Die sehbehinderten Mädchen und Jungen bekommen oft Hilfe von den Sehenden, zum Beispiel beim Sport oder bei Ausflügen. Und die sehenden Kinder staunen, mit welchen Sinnen ihre blinden Freunde Dinge wahrnehmen oder wie schnell sie mit Braille lesen und schreiben können. So erlernen alle sozialen Kompetenzen wie Mitmenschlichkeit und Respekt.
Auch unter dem Personal gibt es Lehrerinnen und Lehrer, die erblindet sind. Sie agieren vor allem für ihre blinden Schützlinge als große Vorbilder, denn sie haben die Hürden bewältigt, einen Beruf erlernt und leben selbstständig.

2003 fing alles an: Pfarrer Samir Esaid eröffnete zusammen mit seiner Frau Sabah Zurikat einen integrativen Kindergarten. Zwei Jahre später folgte mit Unterstützung der Anglikanischen Kirche die erste jordanische integrative Schule. Inzwischen unterrichten die Lehrerinnen und Lehrer circa 170 Kinder vom Kindergarten bis zur 9. Klasse. Jedes Jahr kommt eine weitere Klasse dazu. Und auch die Eltern werden geschult: Die Lehrkräfte zeigen ihnen Möglichkeiten, um ihre sehbehinderten Töchter und Söhne zu fördern. Viele lernen so, ihre Kinder besser zu verstehen und sie mit anderen Augen zu sehen.

Unterstützen Sie die integrative Schule in Jordanien! Nur eine gute Bildung schenkt blinden Kindern eine Zukunft.


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