Missionstheologie

"Nicht Kirchen haben eine Mission, sondern Mission hat eine Kirche"

"Mission" hat viele Nuancen. Wer Afrika, Asien oder den Nahen Osten besucht, erfährt: Die Ankunft der ersten Missionare aus Deutschland, England oder der Schweiz ist das wichtigste Gedenkdatum vieler Gemeinden, vergleichbar der Bedeutung des Thesenanschlags Martin Luthers: So hat es begonnen. Das war der Anfang einer neuen Epoche. Sehr viele Menschen würdigen den Einsatz der Missionare und ihrer Familien, ihre Hingabe an das Evangelium, ihre Liebe zu den Menschen und ihre tatkräftige Sorge für eine gute Entwicklung der Gemeinschaften.

Dieselben Menschen fragen oft auch kritisch nach, wie viel koloniales Gedankengut und europäisches Überlegenheitsgefühl die Missionare mitgeführt haben, und wie offen die Missionare dafür waren, die Kultur ihrer neuen Heimatländer zu wertschätzen.

Die weltweite Familie christlicher Kirchen setzt sich offen damit auseinander, was Mission in der Vergangenheit bedeutet hat.

Vor allem aber weiß sie: Nicht Kirchen haben eine Mission, sondern Mission hat eine Kirche. Die Gute Botschaft von Jesus Christus drängt dazu, weiter gegeben zu werden.

Das sieht in jedem Kontext anders aus. Immer aber geht es um die Liebe zu Gott und den Menschen. Immer sind diejenigen, die das Evangelium weitergeben, selbst Lernende, die dem Wort Gottes nachspüren. Immer und überall soll gelten, dass Christen Menschen, die andere Anschauungen haben - auch innerhalb der Kirche - mit Achtung und Respekt begegnen. "Non vi sed verbo" - "nicht mit Gewalt, sondern mit dem Wort" war die Devise der Basler Mission schon im frühen 19. Jahrhundert.

Missionstheologie heute ist Eintauchen in eine weltweite Reflexion über Erfahrungen mit dem Wort Gottes in verschiedenen Kulturen, Sprachen, Gesellschaften und politischen Systemen.