26. 07. 2017

Interview mit der Umwelt NGO "Korean Friends of the Earth"

Viereinhalb Stunden Plaudermarathon

Ende Juli wurde ich von der koreanischen Umweltorganisation KFEM ("Korean Friends of the Earth") um ein Interview gebeten. Der heiße Sommer hatte den Algenwuchs in den Reservoirs oberhalb mehrerer Staudämme des Vier Flüss Projekts stark gefördert und der neue Präsident hatte angekündigt, alle Baumaßnahmen im Zuge des Projektes untersuchen zu lassen - das Thema war wieder in den Nachrichten.

Da der Yeongju Staudamm ja erst letztes Jahr fertiggestellt wurde, treten die Probleme am Naeseongcheon zum ersten Mal auf, allerdings in einem erschreckenden Ausmaß. Selbst die dieses Jahr ungewöhnlich lange Regenzeit, bringt dem Fluss keine wirkliche Besserung. Der Staudamm verhindert den Sediment-Transport und beraubt den Fluss seiner natürlichen Selbstreinigungsfunktion im sandigen Flussbett.

Dadurch wuchern nicht nur Algen im Wasser, sondern auch Sumpfpflanzen am Ufer, auf dem einst strahlend weißen Sandstrand. Im Dorf Museom wurde der Strand für die Touristen mit einem Bagger freigeräumt, doch selbst das hilft nur noch wenig. Eutrophierung (Nährstoffeintrag durch die Landwirtschaft), warmes Wetter (Klimawandel) und verlangsamte Wasserfließgeschwindigkeit (Staudämme) bieten den Pflanzen beste Standortbedingungen. Zunehmend sammeln sich Pflanzenreste und beginnen im flachen Wasser zu faulen, ein unangenehmer Geruch entsteht. Die seit Jahren langsam voranschreitende Veränderung des einzigartigen Ökosystems setzt sich mit zunehmender Geschwindigkeit fort.

Im Interview erzähle ich von meinen ersten Eindrücken von vor 3 Jahren, vom Beginn meiner Arbeit vor Ort, von dem Entschluss, mich hauptsächlich dieser Kampagne zu widmen. Im Nachhinein reihen sich die Ereignisse hübsch aneinander, als hätte es einfach so sein sollen. Wer weiß, vielleicht war es ja so.

Ich bin auf jeden Fall froh, hier am Naeseong Fluss (m)eine Aufgabe gefunden zu haben. Auch wenn mich die Veränderung "meines" Flusses fürchterlich traurig macht, ich möchte glauben, dass es noch nicht zu spät ist und dass meine Arbeit dazu beiträgt, den Fluss und die Umwelt unserer Erde zu bewahren.