Freitag, 14. Juni 2024

Bildung mit Kopf, Herz und Hand

Bildungsspezialisten aus drei Kontinenten diskutieren zukunftsfähige Bildung

Event der EMS-Stiftung
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Zukunftsfähige Bildung: Perspektiven aus drei Kontinenten. Unter dieser Überschrift hatten am Mittwochabend die EMS-Stiftung, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt Baden, der Arbeitskreis Evangelischer Unternehmer und die Evangelischen Kirche in Mannheim zu einem Abend der Begegnung geladen. 

Etwa 40 Interessierte versammelten sich in den Räumen der Thomasgemeinde in Mannheim-Neuhermsheim und diskutierten Bildungsfragen mit den internationalen Gästen: Andrew Odjawu, Referent für Internationales und Diakonie aus der Presbyterianischen Kirche von Ghana. Dr. Henny W. B. Sumakul, Manager von Bildungsprojekten in Minahasa, Sulawesi/Indonesien, Dr. Khaled Freij, Direktor der Theodor Schneller Schule in Amman/Jordanien und Dr. KIM Chang-Ju, Generalsekretär der Presbyterianischen Kirche in der Republik Korea. Musikalisch wurde der Abend von der südafrikanischen Sängerin Thulile Zama und der koreanischen Pianistin Hyunjoo Shin gestaltet.

Als am Mittwochabend um 18 Uhr Thulile Zama ihre Stimme erklingen lässt, ist die Welt in der Mannheimer Thomasgemeinde bunt, weit und gegenwärtig. Die Menschen, die gekommen sind, um zuzuhören und mitzudiskutieren, sind international vernetzt und arbeiten an Bildungsthemen bei uns hier vor Ort. Wie wird heute an verschiedenen Orten der Welt Bildungsarbeit gestaltet? Welche Kompetenzen sind notwendig, welche Werte braucht es, um die Herausforderungen der Zukunft zu bewältigen? Das sind die Fragen, die die Zuhörer angelockt haben. Dabei ist klar, dass „wir alle an den verschiedensten Orten dieser Welt mit ähnlichen Herausforderungen der Veränderung zu tun haben und deshalb viel voneinander lernen können“, betont Ulrike Schmidt-Hesse, die ehemalige Darmstädter Dekanin, die sich in der EMS-Stiftung engagiert und den Abend mitgestaltet. 

„Jede Veränderung in herausfordernden Situationen beginnt mit Liebe. Diese Liebe ist der Grund, auf dem sich Verstehen, Zuhören, Einblick, Analyse, Bildung im Ganzen entfalten wollen“, so Marianne Wagner, Oberkirchenrätin der Evangelischen Kirche der Pfalz. Mit ihren geistlichen Worten zu Phil 1,9 steckt sie einen Rahmen ab, in dem sich die Referenten anschließend entfalten. 

Enger Zusammenhang von Bildung und Mission

„Wir sollten Menschen ausbilden, die die praktischen Probleme der Welt lösen können“, betont Dr. Andrew Odjawu. Der Ghanaer Kirchenreferent kritisiert, dass die Ausbildung an den Schulen und Hochschulen in seinem Heimatland oft zu theoretisch sei. Eine Konzentration auf die klassischen MINT-Fächer greife zu kurz. Er verweist auf den Ursprung des Schulsystems in der Mission und wirbt für den ganzheitlichen Ansatz, den die Missionare der Basler Mission lebten: „Bildung mit Kopf, Herz und Hand“.

Auch Dr. Henny W. B. Sumakul aus Sulawesi betont den engen Zusammenhang von Mission und Bildung. Dabei hälfe heute besonders ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot der Kirche, in multireligiösen Kontexten zu bestehen, so Dr. Sumakul. „Fundamentalismus und Islamismus haben nur dort eine Chance, wo es keine Bildung gibt“, sagt Dr. Sumakul. Indonesien ist das größte islamische Land und die Christen bilden dort eine kleine Minderheit.

Dr. KIM Chang-Ju kommt aus Südkorea und damit aus einem Land, das in seinem rasanten Aufstieg zum Industriestaat wie kein anderes dafür steht, dass Bildung zum gesellschaftlichen Game Changer werden kann. Gleichzeitig stellt die niedrige Geburtenrate (0,71%) das Land vor Herausforderungen. Zu individualistisch sei die junge Generation, berichtet Dr. KIM. „Bildung muss mehr sein als Ausbildung“. Hier kommt Kirche mit ihrer Wertschätzung für Familie und Gemeinschaft ins Spiel. 

Werteorientierte und ganzheitliche Bildung 

„Bildung ist zuallererst, zu lernen, in Frieden miteinander zu leben“, nimmt Dr. Khaled Freij, Leiter der Schneller-Schule in Amman, den geistlichen Impuls des Abends auf. Die Schneller-Schule ist offen für alle. Hier studieren und wohnen Privilegierte und Unterprivilegierte, Mädchen und Jungen, Christen und Muslime in Harmonie zusammen. „Dieses Jahr hat zum ersten Mal eine junge Frau den Abschluss zur Schreinerin gemacht“, erzählt Freij mit einer Begeisterung, die ihm aus den Augen strahlt. In Sachen Berufsausbildung macht die Schneller-Schule in Jordanien Pionierarbeit. Dabei entwickelt sie sich immer weiter. Beispielsweise sind sie an der Schule die Ersten, die junge Menschen für Elektromobilität ausbilden.

Den Zuhörerinnen und Zuhörern fällt an diesem Abend auf, was alle Referenten verbindet: Dass Bildung und Ausbildung mehr sein muss als Wissensvermittlung. Liebe, Verständnis, Rücksichtnahme und Weisheit gehören zu ganzheitlicher, verantwortungsvoller Ausbildung dazu. Auch dass im Verhältnis von akademischer zu beruflicher Qualifikation die praktische Berufsausbildung international immer mehr Gewicht bekommt, ist bemerkenswert. Ebenso die Tatsache, dass sich alle Referenten an ihren Orten dafür einsetzen, dass Bildung unabhängig von Herkunft und Hintergrund möglichst allen gleichermaßen zugänglich ist.

Ja, Bildung ist ein großes Thema. Ein Schlüssel für persönliche, gesellschaftliche und kirchliche Entwicklung. Ein weltweites Thema, das wir am besten international und gemeinsam diskutieren, um voneinander zu lernen. So wie am Mittwochabend in Mannheim geschehen. „Bildung, junge Menschen weltweit durch Bildung zu befähigen, ist ein Kernanliegen der Evangelischen Mission in Solidarität. Und das nicht nur als fachliche, sondern als werteorientierte, ganzheitliche Bildung“, erklärt Dr. Dieter Heidtmann, Generalsekretär der EMS. „Die EMS-Stiftung hilft uns, diese Arbeit auch zukünftig zu ermöglichen.“

Weitere Informationen zur EMS-Stiftung finden unter https://ems-stiftung.ems-online.org

Pressekontakt: Dr. Dieter Heidtmann, heidtmann@dont-want-spam.ems-online.org, Tel. +49 711 6367821, Mobil +49 178 6367836