Samstag, 04. April 2026
Osterbotschaft der EMS
„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“
Liebe Schwestern und Brüder,
der Apostel Paulus berichtet im 1. Korintherbrief über das Zeugnis von der Auferweckung Christi:
„Ich habe euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Dass Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; und dass er begraben worden ist; und dass er auferweckt worden ist am dritten Tage nach der Schrift; und dass er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, dass ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. Aber durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“ (1. Kor 15,3-10)
Es ist eine lange Liste der Zeuginnen und Zeugen, die Paulus hier aufführt. Petrus und die Apostel, dann mehr als 500 der ersten Christinnen und Christen, Jakobus, der Bruder Jesu und die Leitenden der Urgemeinde. Am Ende dieser langen Liste steht er selbst, Paulus. Er sagt von sich selbst, dass er eigentlich gar nicht würdig ist, hier aufgezählt zu werden, weil er die erste christliche Gemeinde verfolgt hatte. Aber dann stellt er fest: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin.“
Alle, die hier als Zeuginnen und Zeugen des Auferstandenen Jesus aufgeführt werden, haben ihre ganz eigene Geschichte mit Jesus: Petrus, der Jesus noch in der Nacht vor seiner Kreuzigung verraten hatte. Die Jünger, die sich nach der Kreuzigung mutlos und hoffnungslos in Galiläa versteckt hatten. Die Mitglieder der ersten Gemeinde in Jerusalem, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden. Und auch Paulus, der erst durch die Begegnung mit dem Auferstandenen vom Verfolger zum Anhänger Jesu wurde. Die Auferweckung Christi hat das Leben all dieser Menschen fundamental verändert. Es sind befreite Menschen, die uns hier begegnen. Befreit von Mutlosigkeit, herausgeholt aus dem Schneckenhaus ihrer Angst, in das sie sich verkrochen hatten. Es sind Menschen, die geschmeckt und gesehen haben, wie freundlich der Herr ist, die miteinander leben und feiern.
„Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin,“ schreibt Paulus. Unsere Welt braucht auch heute Menschen, die das Zeugnis von der Befreiung weitertragen, die sich durch Krieg und Not nicht entmutigen lassen, die Botschafter der Hoffnung sind. In der EMS begegnen uns sehr viele dieser Menschen. Ich denke in diesen Tagen an die Geschwister im Nahen Osten, die trotz des Krieges und der Gewalt Brückenbauer der Versöhnung zwischen den Völkern sein wollen. Ich denke an die Gemeinden der Herrnhuter Brüdergemeine in Südafrika, die unter schwierigen äußeren Bedingungen Orte der Geborgenheit sind. Ich denke an die Geschwister in Indien, die die Botschaft Christi an die Menschen weitergeben, die immer wieder aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden, die ihnen weitersagen: „Durch Gottes Gnade seid ihr, was ihr seid!“ Und ich könnte ihnen noch viele weitere Beispiele erzählen aus den EMS-Mitgliedskirchen und Mitgliedsvereinen in Afrika, Asien, Europa und dem Nahen Osten.
„Durch Gottes Gnade sind wir, was wir sind.“ Lasst uns diese Botschaft weitergeben und zu Botschaftern der Hoffnung für andere werden: Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Und wir mit ihm.
Ich wünsche Ihnen gesegnete Ostern!
Pfarrer Dr. Dieter Heidtmann
Generalsekretär