Montag, 06. Juli 2026
Auf dem Weg in den Pfarrdienst: die weltweite Kirche im Blick
Durch interkulturelles Lernen, globale Partnerschaften und praxisnahe Workshops ermutigt die EMS angehende Pfarrpersonen, ihren Dienst als Teil der weltweiten Kirche zu verstehen.
Seit fast zehn Jahren gehört die Begegnung mit der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) fest zur Ausbildung der württembergischen Vikarinnen und Vikare. Schon seit 2017 gestaltet die EMS gemeinsam mit dem Pfarrseminar der Evangelischen Landeskirche in Württemberg einen Studientag zu interkultureller und ökumenischer Theologie – und hat damit bereits mehrere hundert angehende Pfarrerinnen und Pfarrer erreicht.
Die Kursgrößen schwankten in den vergangenen Jahren zwischen acht und vierzig Teilnehmenden. Am Studientag, der am 2. Juli in der Evangelischen Akademie Bad Boll stattfand, nahmen 8 Personen teil.
Für die EMS ist dieses Engagement eine Investition in die Zukunft der Kirche, so Pfarrerin Eleanor McCormick, Abteilungsleiterin Programme und Netzwerke bei der EMS. „Die heutigen Vikarinnen und Vikare haben gerade ihr Zweites Examen abgeschlossen und treten im Herbst ihren Probedienst an. Als künftige Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer und kirchliche Leitungspersonen werden sie die Kirche von morgen prägen.“
„Unser Auftrag ist es, den Vikarinnen und Vikaren die Bedeutung und Relevanz der weltweiten Kirche für ihren späteren Dienst nahezubringen“, erklärt Pfarrer Dr. Djoko Wibowo, Fachbereichsleiter Indonesien bei der EMS. „Dies geschieht durch praktische Workshops, Einblicke in die Geschichte der EMS und persönliche Erfahrungen aus internationalen Partnerschaften“. Ziel ist es, frühzeitig Beziehungen und Perspektiven zu eröffnen, die später zu Kooperationen, gegenseitiger Ermutigung, theologischen Gesprächen und gemeinsamen Missionsinitiativen führen können.
EMS als Quelle der Inspiration
Im Zentrum des Studientags stand in diesem Jahr ein symbolisches Bild: ein blaues Tuch, das Wasser repräsentierte. Die Botschaft dahinter: EMS möchte für Gemeinden und Pfarrer*innen wie eine Quelle sein – erfrischend, stärkend und lebensspendend.
„Wir wollen ein Becher frischen Wassers sein“, erläutert McCormick. EMS verstehe sich als Ort neuer Perspektiven, internationaler Beziehungen und geistlicher Ressourcen. Gerade in herausfordernden Phasen des Gemeindedienstes könne die weltweite Gemeinschaft der Kirchen neue Impulse schenken. Gleichzeitig wurde deutlich gemacht: Die EMS ist nicht „irgendein Werk“, sondern die gemeinsame Missionsgesellschaft der Mitgliedskirchen. Die künftigen Pfarrerinnen sind selbst Teil dieser weltweiten Mission.
Internationale Beziehungen gestalten
In mehreren Workshops setzten sich die Vikarinnen und Vikare mit konkreten Fragen ihrer zukünftigen Gemeindearbeit auseinander. Eine Arbeitsgruppe verglich verschiedene Gemeindekontexte und erörterte sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen der Zusammenarbeit über konfessionelle, sprachliche und kulturelle Unterschiede hinweg. Themen wie Willkommenskultur, kulturelle Sensibilität und unbewusste Vorurteile spielten dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, wie globale Beziehungen vor Ort lebendig gestaltet werden können.
Ein weiterer Workshop beschäftigte sich mit dem so genannten „Opfer für die Weltmission“ (OfW), das in der Württembergischen Kirche eine lange Tradition hat. Dabei ging es um die Frage, wie die Unterstützung internationaler Projekte nicht nur finanzielle Hilfe ermöglicht, sondern auch das Gemeindeleben in Württemberg bereichern kann.
Vikarin Susanna Grabenstein betonte:
„Der Studientag mit der EMS hat meinen Blick geschärft dafür, wie unsere einzelnen Kirchengemeinden in die internationale Gemeinschaft der Christinnen und Christen eingebunden sind. Ich habe Einblicke bekommen was wir in den Kirchengemeinden mit dem ‚Opfer für die Weltmission‘, in der Bildungsarbeit und in den Gottesdiensten tun können, um uns mit anderen zu vernetzen und unseren Blick zu weiten für den Reichtum der Interkulturalität.“
EMS-Projekte können neue Horizonte eröffnen, internationale Verbundenheit fördern und frische Impulse für das Gemeindeleben setzen.
Unverzichtbarer Bestandteil der Ausbildung
Für Pfarrer Dr. Ernst-Dietrich Egerer, Studienleiter des württembergischen Pfarrseminars, ist die Zusammenarbeit mit der EMS ein wichtiger Bestandteil des Ausbildungscurriculums für die angehenden Pfarrpersonen:
„Es gibt eine lange Geschichte zwischen Württemberg und EMS und deshalb ist es gut, diese Geschichte nicht abbrechen zu lassen. Deshalb war es wichtig, bei der Reform des Vikariats interkulturelle und ökumenische Theologie als Teil der Ausbildung zu erhalten. Und es war naheliegend, die guten Beziehungen und Erfahrungen mit EMS aus der Vergangenheit weiterzuführen und durch diesen gemeinsamen Studientag diese unverzichtbaren Themen im Curriculum anzubieten.“
Florian Binder, der bereits internationale Kirchenerfahrungen gesammelt hat, ergänzte:
„Heute ist mir erneut deutlich geworden, dass Kirche immer weltweite Kirche ist und nicht an den Grenzen Württembergs endet. Die Verbundenheit mit Christinnen und Christen rund um den Globus fordert uns heraus, solidarisch zu handeln und Verantwortung füreinander zu übernehmen.“
Diese Perspektive möchte die EMS stärken: junge Pfarrpersonen, die global denken, kulturell sensibel handeln und die Einheit der weltweiten Kirche aktiv mitgestalten. Die Hoffnung der EMS ist, dass aus dem Studientag langfristige Beziehungen entstehen – und dass die heutigen Vikarinnen und Vikare die weltweite Dimension von Kirche in ihre Gemeinden und ihren Dienst hineintragen.