Freitag, 04. September 2026

Friedenskonvokation in Seoul erneuert den Ruf nach Versöhnung auf der koreanischen Halbinsel

Friedensbemühungen angesichts wachsender globaler Spannungen verstärken

Koreanisches Kunstwerk eines Kindes.
info_outline

Vom 9. bis 13. September 2026 treffen sich Delegierte verschiedener christlicher Kirchen zu einer internationalen Friedenskonvokation in Seoul, Südkorea. Ziel der Veranstaltung ist es, die Friedensbemühungen, um auf der koreanischen Halbinsel zu stärken und zugleich auf die zunehmende globale Instabilität, bewaffnete Konflikte und nukleare Spannungen zu reagieren.

An der Konferenz nehmen auch die Präsidentin der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS), Pfarrerin Anne Heitmann, sowie der Leiter des Fachbereichs Ostasien, Pfarrer Dr. Kang-Hee Han, teil.

Die Internationale Ökumenische Friedenskonvokation 2026 wird gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK), der Christlichen Konferenz Asiens (CCA) und dem Nationalen Kirchenrat Koreas (NCCK) ausgerichtet. Sie steht unter dem Leitwort: „Weltfrieden und die koreanische Halbinsel: Die Kirche als Gemeinschaft der Heilung, Versöhnung und Friedensförderung.“

Antwort auf wachsende Unsicherheit

„Die Konvokation findet in einer Zeit statt, in der die internationale Gemeinschaft mit bewaffneten Konflikten, geopolitischen Rivalitäten, nuklearer Aufrüstung und dem Erstarken extremistischer Ideologien konfrontiert ist“, erklärt EMS-Präsidentin Anne Heitmann.

Pfarrer Dr. Kang-Hee Han erinnert daran, dass die koreanische Halbinsel mehr als sieben Jahrzehnte nach dem Waffenstillstandsabkommen von 1953, das die Kampfhandlungen des Koreakrieges beendete, formell noch immer im Kriegszustand ist.

„Die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea haben sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert“, sagt Han. Zugleich nähren die Spannungen zwischen den USA, China, Japan, Russland und Nordkorea Sorgen um die Stabilität Nordostasiens. „Die Kirchen in Südkorea setzen sich weiterhin für ein friedliches Zusammenleben auf der koreanischen Halbinsel und darüber hinaus ein“, so Han.

Frieden gründet auf Gerechtigkeit

Im Mittelpunkt der Konvokation steht das Konzept des Gerechten Friedens (Just Peace). Dieser ökumenische Ansatz versteht Frieden nicht lediglich als Abwesenheit von Krieg, sondern als Ergebnis von Gerechtigkeit, Menschenwürde, Versöhnung, gewaltfreier Konfliktbearbeitung und der Heilung von Gemeinschaften, die unter Gewalt und Spaltung leiden.

Statt danach zu fragen, unter welchen Bedingungen Krieg gerechtfertigt sein könnte, richtet die Theologie des Gerechten Friedens den Blick auf die Ursachen von Konflikten und auf Wege, die Voraussetzungen für einen dauerhaften Frieden zu schaffen.

Erinnerung an einen Meilenstein der Versöhnung

Die Konvokation erinnert zugleich an den 40. Jahrestag der Glion-Konsultation von 1986, die als Meilenstein der ökumenischen Friedens- und Versöhnungsarbeit für Korea gilt.

In einer Zeit autoritärer Herrschaft und politischer Repression in Südkorea ermöglichte das Treffen Begegnungen zwischen Christinnen und Christen aus Nord- und Südkorea. Nach Einschätzung der Organisatoren setzte es „ein starkes Zeichen der Einheit und Versöhnung, das politische Grenzen und ideologische Gegensätze überwand“.

An diese Tradition knüpft die Friedenskonvokation an. Sie will die internationale christliche Solidarität stärken, die theologische Reflexion über Gerechten Frieden vertiefen, neue Impulse für den Friedensprozess auf der koreanischen Halbinsel geben und weltweite Initiativen für Heilung und Versöhnung fördern.

Internationale Beteiligung und konkrete Friedensarbeit

Zur Konvokation werden rund 500 Teilnehmende erwartet, darunter Kirchenleitende, Theologinnen und Theologen, Friedensfachleute, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Jugendvertretungen, Frauengruppen sowie Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft aus vielen Ländern.

Das Programm umfasst Hauptvorträge, Gottesdienste, Podiumsdiskussionen und Arbeitsgruppen zu Themen wie nukleare Abrüstung, Friedensförderung auf der koreanischen Halbinsel sowie den globalen Herausforderungen durch Autoritarismus und Extremismus. Darüber hinaus sollen gemeinsame Handlungsperspektiven erarbeitet und eine Friedenserklärung verabschiedet werden.

Geplant sind außerdem ein Pilgerweg des Friedens zur Demilitarisierten Zone (DMZ), Besuche koreanischer Kirchen sowie Einblicke in die Demokratiegeschichte und gesellschaftliche Entwicklung Südkoreas.

Mit den Schwerpunkten nukleare Abrüstung, Demilitarisierung, Versöhnung und die Etablierung einer dauerhaften Friedensordnung anstelle des Waffenstillstands von 1953 möchte die Konvokation die weltweiten Bemühungen um einen gerechten und nachhaltigen Frieden in Korea, Asien und darüber hinaus stärken.

Ein erneuter Aufruf zum Dialog

„Möge diese Konvokation ein neuer moralischer und geistlicher Aufruf sein, den Dialog der Konfrontation vorzuziehen, Versöhnung über Spaltung zu stellen und Gerechtigkeit als Grundlage eines dauerhaften Friedens zu begreifen“, sagt EMS-Präsidentin Anne Heitmann.

Die EMS hat zwei Mitgliedskirchen in Südkorea – die Presbyterianische Kirche in der Republik Korea (PROK) und die Presbyterianische Kirche von Korea (PCK) – die jeweils seit 1974 und 1979 Mitglied der EMS-Gemeinschaft sind. Gemeinsam setzen sie sich seit Jahrzehnten für Frieden und Verständigung auf der koreanischen Halbinsel und darüber hinaus ein.