Dienstag, 24. Februar 2026
Gelebte Verständigung
Vier Stimmen über interreligiöses Lernen über Kontinente hinweg
In einer Welt, die zugleich vernetzt und polarisiert ist, ist interreligiöser Dialog mehr als eine wissenschaftliche Disziplin – er ist eine gelebte Praxis, die für ein friedliches Zusammenleben unerlässlich ist. Durch ein sechsmonatiges Programm für Interreligiöse Studien am Henry Martyn Institute (HMI) in Hyderabad, Indien, fördert die Evangelische Mission in Solidarität (EMS) diese Form des transformativen Lernens.
Vier Teilnehmende – Putri Adelia Datu Manaek Sampebua (Indonesien), Pfarrer Joseph Charles Kwaatei Quartey (Ghana), Liviwe Masizole Ndabambi (Südafrika) und Edward Daniel Simamora (Indonesien) – berichten, wie das Programm ihr Verständnis von Religion, Identität und Gemeinschaft geprägt hat.
Verständigung zwischen den Religionen ist entscheidend für den globalen Frieden
Die Entscheidung für das Programm entsprang ihrer persönlichen Überzeugung und Neugier.
Putri, die in der religiösen Vielfalt Indonesiens aufgewachsen ist, sagt: „Ich möchte verstehen, und nicht nur wissen. Und ich möchte anderen Religionen dialogisch und konstruktiv begegnen.“
Für Joseph, der in Ghana bereits in der ökumenischen und interreligiösen Arbeit engagiert war, versprach der Kurs einen erweiterten Horizont: „Ich war überzeugt, dass mir der Kurs helfen würde, andere Religionen besser zu verstehen – besonders außerhalb meines Landes. Verständigung zwischen den Religionen ist entscheidend für globalen Frieden.“
Liviwe bewarb sich aus theologischer Motivation für das Programm: „Wenn unser Zeugnis Wirkung entfalten soll, muss es Frieden und Versöhnung bringen. Wir können nicht eine gespaltene Kirche in einer gespaltenen Gesellschaft sein.“
Edward, Wissenschaftler und akademischer Redakteur, wollte seinen akademischen und theologischen Horizont erweitern: „Meine Hauptmotivation war, mein Verständnis von interreligiösem Dialog über den indonesischen Kontext hinaus zu vertiefen – besonders durch südasiatische Perspektiven. HMIs Kombination von gründlichem Studium und gelebter Begegnung bot genau das.“
Leben und Lernen in Indien
Das Leben und Lernen in Indien – einer zutiefst pluralistischen Gesellschaft – prägte die Teilnehmenden auf einzigartige Weise.
Joseph war davon beeindruckt, wie selbstverständlich Dialog in den Alltag am HMI eingebettet ist: „Menschen unterschiedlicher Religionen lernen, leben, arbeiten, essen zusammen und respektieren einander – nicht nur programmatisch, sondern als Lebensstil.“
Für Liviwe vertiefte der Besuch heiliger Stätten anderer Religionen sein eigenes Verständnis von Gastfreundschaft: „Ein guter Gast zu sein bedeutet, die eigene Komfortzone zu verlassen und respektvoll zu handeln – und gleichzeitig fest im eigenen Glauben verwurzelt zu bleiben.“
Putri erlebte Transformation nicht nur durch Vorlesungen, sondern durch geteilte Menschlichkeit: „Einfache Momente – gemeinsame Mahlzeiten, Familiengeschichten, Gespräche nach dem Unterricht – lehrten mich die wahre Bedeutung von Dialog.“
Edward war besonders bewegt von Indiens innerer Vielfalt – sprachlich, kulturell, religiös – die seine Vorstellung einer monolithischen „asiatischen“ Identität herausforderte. Eine besonders prägende Erkenntnis war für ihn, dass Jesus im islamischen Denken einen respektierten Platz hat.
Interreligiöse Realitäten unterscheiden sich je nach Kontext
Putri betont, dass Vielfalt „Reife im Glauben, Offenheit und ein Engagement für Frieden“ erfordert. In Indonesien sieht sie Pluralität als untrennbaren Bestandteil des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens.
Joseph beschreibt Ghana als ein Land, in dem religiöse Gruppen auf natürliche Weise koexistieren – gemeinsam Feste feiern und mit Unterschieden trotz allem friedlich umgehen.
Für Liviwe wurzelt Vielfalt in der gemeinsamen Menschlichkeit: „Unsere Identität sollte darin bestehen, dass wir Menschen sind, die mit Freundlichkeit und Demut zusammenleben.“
Aus einer dekolonialen Perspektive appelliert Edward daran, Mitmenschen noch menschlicher wahrzunehmen: In der Anthropologie von Makassar wird Menschlichkeit durch pacce definiert – ein „verheerend schönes Paradox“, das Ehre und Schmerz vereint. „Die Ehre in mir existiert nur, wenn ich dein Leiden als mein eigenes sehen kann. Das ist es, was mich menschlich macht“, erklärt Edward dieses Konzept. Zusammenleben überschreitet daher bloße Toleranz; sie ist eine radikale Solidarität, die bedeutet: „Ich möchte nicht zum Licht am Ende des Tunnels gehen, wenn ich meinen Mitmenschen dabei zurücklassen würde.“
Brückenbauen in Kirchen
Alle vier Teilnehmenden sehen das Programm als wesentliche Vorbereitung für Leitung und Engagement in ihren Kirchen und Gemeinschaften.
Liviwe sieht darin eine Stärkung seiner Verantwortung als zukünftiger Kirchenleitender:
„Theologie muss über den kirchlichen Raum hinausgehen und im gelebten Alltag der Menschen sichtbar werden.“
Putri hat sich zum Ziel gemacht in ihrem Dienst für Versöhnung einzutreten: „Ich möchte eine Brücke sein, die interreligiöse Zusammenarbeit verkörpert.“
Joseph fühlt sich gestärkt für seine weitere Arbeit in Ghana: „Das Programm hat mir geholfen, Vorurteile und Angst abzubauen. Das wird mir helfen, Menschen anderer Religionen freier zu begegnen.“
Auch Edwards Perspektive auf Konflikttransformation hat sich deutlich verändert. Seine Erfahrungen – auch am Center for Peace and Spirituality in Delhi – lehrten ihn, dass Versöhnung manchmal vor Gerechtigkeit kommen kann und muss. Er möchte diese Erkenntnisse in seine Forschung und seinen Dienst integrieren und eine Brücke zwischen gespaltenen Gemeinschaften in Indonesien sein.
Ein empfehlenswertes Programm
Alle vier empfehlen das Interreligious Study Program am HMI uneingeschränkt.
Joseph bestätigt: „HMI ist der beste Ort für alle, die sich für interreligiöse Studien interessieren.“
Putri ergänzt: „Dieses Programm bereichert das akademische Verständnis, und fördert soziale Sensibilität und spirituelle Tiefe.“
Liviwe hebt den sicheren und transformativen Raum hervor: „Es vertieft den Glauben und befähigt dazu, Verständnis und Inklusivität zu suchen.“
Edward beschreibt die besondere Verbindung von Theorie und Praxis: „HMI zwingt zu einer intensiven Begegnung zwischen Text und Kontext. Das ist ideal für alle, die nicht nur das ‚Warum‘ des interreligiösen Dialogs verstehen wollen, sondern auch das ‚Wie‘.“
Über Kontinente, Kulturen und Sprachen hinweg teilen ihre Geschichten eine gemeinsame Erkenntnis: Interreligiöses Engagement ist nicht nur intellektuell – es ist geprägt von Beziehungen, Demut und Veränderung, und in der heutigen Welt nötiger denn je.